Die Weichen sind gestellt

Bürgermeister Axel Düker sieht den Weg bereitet für das Projekt Gymnasium: „Wir gehen in die Weiche und die Weiche heißt Variante 2!“ (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
In getrennten Abstimmungen empfahlen die beiden Ausschüsse die Bestandssanierung und Erweiterung des Gymnasiums Großburgwedel gemäß der vorgestellten Variante 2. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Bestandssanierung, Umstrukturierung und Erweiterung des Gymnasiums

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Die vergangene Sitzung des Schulausschusses gemeinsam mit dem Bau-, Planungs- und Umweltausschuss wies am Dienstagabend nur einen Tagesordnungspunkt auf: Die Bestandssanierung, Umstrukturierung und Erweiterung des Gymnasiums Großburgwedel.
Eine erste Kostenschätzung mit drei möglichen Varianten hatte im vergangenen Jahr nicht den nötigen Konsens aufgebracht und führte dazu, dass die Mehrheit der Beteiligten sich eine erneute gründlichere Wirtschaftlichkeitsprüfung mit Bewertung des Gebäudezustandes ausbat. Die wichtigsten Punkte der erneuten Prüfung stellte Rena Walther vom beauftragten Planungsbüro Drees & Sommer in der öffentlichen Sitzung im Amtshof vor.
Die Grobkostenschätzung erfolgte nach einer Gebäudezustandsbewertung mit den Stufen 1 (Neubau) bis 6 (Abriss) unter Berücksichtigung der zu treffenden Maßnahmen. Annähernd die Hälfte des Bestandsgebäudes wurde angesichts von Feuchteschäden und baulichen Mängeln in die Kategorie 4 eingestuft, die einen normalen Instandsetzungsbedarf bescheinigt. Der größere Teil fällt in die Kategorie 5 mit hohem Instandsetzungsbedarf. Vor diesem Hintergrund ergaben sich drei Varianten, über die es zu beraten galt.
Die erste Variante sieht lediglich eine Bestandssanierung vor, die mit 25,5 Millionen Euro angesetzt wird. Diese würde jedoch das gewünschte Klassenkonzept für die Sekundarstufen I und II im Bestand nicht ermöglichen, dafür wäre dann ein erhöhter Umbau- und Sanierungsaufwand nötig.
Die zweite Variante umfasst einen Teilabbruch, die Sanierung sowie eine Erweiterung durch Um- und Zubau und schlägt mit 29,5 Millionen Euro zu Buche. Damit wäre jedoch die Umsetzung des Raumkonzeptes bei optimierter Grundrissplanung möglich. Der Neubau in Variante 3 würde inklusive des Abbruchs rund 36 Millionen Euro kosten. Damit wären auch fast alle Punkte des pädagogischen Raumkonzeptes umsetzbar.
Dennoch beinhaltet die Variante 3 auch Risiken wie schlechte Leistungen eines Totalübernehmers oder dessen Insolvenz.
Auch die Variante 2 berge Risiken in sich, wie etwa die Bindung personeller Ressourcen und erhöhter Eigenaufwand durch die Koordination der Einzelunternehmen, so Walther. Außerdem könnten vor allem bei der Bestandssanierung weitere Kosten durch unvorhergesehene Ereignisse entstehen, die dann eine längere Bauzeit nach sich zögen, hob die Projektmanagerin hervor. Schon jetzt stünden etwa fünf Jahre im Plan, bis wirklich alle Prozesse abgeschlossen sein würden.
Im Vorfeld der Abstimmung über den Beschlussvorschlag an den Rat machten sich die Fraktionsvertreter der Ausschüsse für die Variante 2 stark: „Ich meine, dass es sich lohnt, die längere Zeit in Anspruch zu nehmen“, warb Dr. Isa Huelsz (FDP).
„Wir haben Gebäude, die etwas Wert sind“, sprach sich Heinz Visel (Bündnis 90/Die Grünen) für die teilweise Erhaltung der Gebäude unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit aus. Seine Fraktion habe zwar angesichts der 30 Millionen Euro und der Umbaudauer erst einmal geschluckt, stimme aber dafür. „Wir müssen da durch, Umbau ist nie schön!“, appellierte er.
„Habemus Gymnasium“, bemerkte Sebastian Müller (CDU) und hob den hohen Wiedererkennungswert und den Erhalt der größten Versammlungsstätte (Aula des Gymnasiums, Anm. d. Red.) hervor, den diese Variante mit sich brächte. Fraktionskollegin Anke Bitterkleit-Kutz sah in der Variante 2 eine „Weiterentwicklung bewährter Tradition“ und wies auf „eine Menge Potenzial“ im Bestandsgebäude hin. Stephan Nikolaus (SPD) unterstützte trotz der langen Bauzeit und „Variablen, die in der Bestandserhaltung stecken“ die vorgeschlagene Kompromisslösung, obwohl diese für seine Fraktion „nicht die Beste“ sei.
Bürgermeister Axel Düker sieht vor allem in den geplanten mehrstufigen Bauabschnitten Vorteile: „Wir wollen nicht einfach nur eine gute Schule bauen. Die Belastungen für Kinder und Lehrer sollen möglichst gering gehalten werden“.
Sollte die Planung und Ausführung der Variante 2 durch den Rat am 18. Juni 2018 beschlossen werden, wird laut Entwurf des Rahmenterminplans der erste Bauabschnitt voraussichtlich am 1. August 2019 mit dem Abriss der Sporthallen des Gymnasiums begonnen werden. Anschließend wird ab Oktober 2020 der Neubau des Klassentraktes erfolgen und ab August 2021 die Sanierung des A- und H-Traktes.
Ab September 2022 werden die Trakte B und E saniert, ein Jahr später erfolgt der Abriss der Trakte C und D. Die einzelnen Bauabschnitte sind laut Rena Walther gut vom Schulbetrieb abtrennbar, um möglichst geringe Störungen zu verursachen. Außerdem werde durch den schrittweisen Abriss und Neubau verhindert, dass allzu große räumliche Einschränkungen entstünden. Eine Interimslösung mit Containern als Ausweichquartier sei demnach nicht erforderlich. Fehlende Räume könnten über die IGS ausgeglichen werden. Die Hallensituation werde noch extra betrachtet, sagte Rena Walther im Hinblick auf den Neubau der Sporthalle.
Eine Übersicht der Varianten und Bauabschnitte ist auf der Webseite der Stadt Burgwedel im Sitzungskalender als Dokument hinterlegt (www.burgwedel.de).