Die Tafel auch für Engensen?

In offenen Kästen verpackt werden die Lebensmittel an die Anspruchsberechtigten verteilt. Es dürfen auch Wünsche geäußert werden. (Foto: Renate Tiffe)

Ortsrat sprach sich für eine Zusammenarbeit aus

ENGENSEN (ti). Zwei Personen, die gehbehindert sind, werden derzeit in Engensen von Großburgwedel aus mit Lebensmitteln der Tafel versorgt. Ortsbürgermeister Friedhelm Stein und der Ortsrat sind jedoch der Überzeugung, dass es mehr Berechtigte im Dorf gibt und dass das Angebot auch angenommen würde, wenn es denn vor Ort gemacht werden könnte. Als Raum für die Verteilung könnte vorerst das Sitzungszimmer im Untergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses zur Verfügung gestellt werden.
Über das Vorgehen im Einzelnen informierte sich der Ortsrat in seiner Sitzung am vergangenen Dienstag. Margret Brill, Leiterin der Seniorenbegegnungsstätte und auch zuständig für die Tafel, die dort in einem Nebengebäude angeboten wird, gab Auskunft über Fragen der Organisation. Bereits seit einem Jahr läuft die Tafel in Großburgwedel mit Erfolg. 150 „Kunden“ – so werden die Anspruchsberechtigten genannt - mit 370 Personen, davon 150 Kinder, werden regelmäßig einmal in der Woche versorgt.
Die Helfer fahren auch über die Dörfer. Für eine zentrale Stelle in Wettmar besteht zur Zeit kein Bedarf mehr. In Fuhrberg gibt es jedoch seit den Anfängen der Tafel eine Anlaufstelle für zehn Familien im kirchlichen Gemeindehaus. Dorthin werden am Donnerstagvormittag die Lebensmittel geliefert, die von Sieglinde Sulfrian aufgeteilt und in der Zeit 11.00 bis 12.00 Uhr von den Familien abgeholt werden. Diese Lösung wurde von Frau Brill als ideal geschildert. Es wäre eine große Hilfe, wenn dies so auch in Engensen geschehen könnte, meinte sie. Auf jeden Fall können die Lebensmittel nur zu festgeschriebenen Zeiten ausgegeben werden.
Verschwiegen werden sollte nicht, dass manche Berechtigten, sofern sie über eine Fahrgelegenheit verfügen, ihren Bedarf lieber in Großburgwedel decken, da dort die Auswahl größer ist.
Berechtigungsausweise müssen beantragt werden und können nach geprüften Voraussetzungen von verschiedenen Stellen vergeben werden. Neben dem Sozialamt sind u.a. das Jobcenter, die Schuldnerberatung und die Diakonie zuständig. Die Karten werden wöchentlich abgestempelt und in bestimmten Abständen kontrolliert. Auf diese Weise wechselt die Zahl der Anspruchsberechtigten von Zeit zu Zeit. „Unser Ziel ist es nicht, möglichst viele Menschen zu versorgen. Wir sind froh um jeden, der uns nicht braucht“, sagte Frau Brill. Momentan nehmen die Kurzarbeiter wieder ab. Aus den Ortschaften könnten jedoch mehr Personen von der Tafel profitieren.
Das koste viele Menschen Überwindung, gab CDU-Ratsherr Joachim Schrader zu bedenken und Friedhelm Stein (WEB) pflichtete ihm bei, dass viele Ältere „so etwas nie gemacht“ hätten. Die Jüngeren könnten jedoch durch die Not gezwungen werden. Bei genauem Hinhören erfahre man einiges davon. Eine Ausgabestelle im Dorf erhöhe die Chance, dass mehr Menschen in Engensen von dem Angebot der Tafel Gebrauch machen könnten.
Wann es soweit ist, hängt davon ab, wie viel Anspruchsberechtigte sich melden. Wenn es mehr werden, werden sich die Mitarbeiterinnen der Tafel in Großburgwedel individuell darauf einstellen und die entsprechende Logistik werde in die Wege geleitet, sagte Margret Brill zu.