Die „Roten Teufel 1“ erobern das Sieger-Treppchen

Im Anzug unterwegs: Die Schwarzfahrer holten sich den 2. Platz in der Main Class. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Glückwunsch – strahlende Sieger der Power Class. Sebastian Hampe mit dem Hampe Racing Team. (Foto: Svenja Steinseifer)

97 Renn-Trecker, 300 Meter Boxengasse, 2,1 Kilometer Rundkurs

Thönse (svs). „Der Ungewaschene“ wäscht sich doch, die „Schwarzfahrer“ wühlen sich mit fliegendem schwarzen Sakko und Krawatte durch den Acker. Die „wilden Tiger“ kämpfen sich mit einem Kuscheltiger auf Helm und Kühlergrill durch Staub, Matsch und Kurven. Nach 200 Kilometern auf dem Renn-Boliden tun den Fahrern zwar gewisse Körperteile weh – aber sie alle sind dabei, weil „es einfach Bock macht“.
„Setzen sie sich zu Hause auf einen gepolsterten Holzstuhl, springen sie etwa zwei Stunden sitzend auf und ab und stemmen sie dabei zwei zehn-Kilo-Hanteln – dann etwa haben sie das Gefühl eines Rasenmäher-Renntrecker-Piloten“, der Kommentar von Moderator Heiko „Hajo“ Köhler wird aus den Reihen der Zuschauer ergänzt: „und lassen sie sich dabei ununterbrochen mit Dreck bewerfen!“ Das 10. Thönser Rasenmähertreckerrennen verlangt Piloten und „Boliden“ mit Staub, Matsch und Löchern alles ab. 200 Kilometer Buckelpiste auf einem ca. 150 Kilogramm schweren Renn-Trecker, ein Unterfangen das ein „normal Sterblicher nach 20 Minuten aufgeben würde“.
Aki Baumwall sitzt in seinem Zelt in der Boxengasse und schaut auf die Reste seiner Welle. „Da freust du dich das ganze Jahr und dann das“, sagt er. Für ihn und die „Kümmerlinge“ aus Thönse ist das Renn-Wochenende schon nach anderthalb Runden vorbei – Welle gebrochen, technisches K.O. Die Bedingungen sind hart – Regenwetter verwandelt die Rennpiste in eine Rutschbahn. „Das geht ab wie Schmierseife – das fährt sich wie auf Eis“. Aki Baumwall weiß wovon er redet, seit neun Jahren ist er dabei. Selbst das Team der „Schwarzfahrer“ wagt sich ausnahmsweise mit Jacke auf die Strecke – normalerweise fahren sie stilecht im schwarzen Anzug und Krawatte. Auch die Startnummern zu erkennen, wird durch die dicke Schlammschicht zunehmend schwieriger. Und dem umweltfreundlichen Elektro-Renn-Trecker geht nach einer Stunde auf der Piste der Strom aus.
„Die meiste Zeit verlieren die Fahrer in der Boxengasse – durch die Reinigung“, sagt Arjey vom Hampe Racing Team. Mit ihrem Renn-Boliden „Rote Teufel 1“, liegen sie nach zwei Renn-Läufen in Führung. Von Euphorie noch keine Spur. „Die Leichen werden erst am Ende gezählt“, weiß Arjey. Ein Sieg in Thönse fehle dem Team noch. Worauf es beim Fahren ankommt, ist klar. „Fitness“. Maximal 10 bis 15 Sekunden dürfe der Fahrer die Schwächen des Gegners ausloten – dann müsse er „zupacken“. „Gefährlich sind auch die langsamen Main-Class-Trecker“, erklärt Arjey.
Ungefährlich dagegen sei dieses Jahr der Seriensieger der Power-Class „R2D2“. Sie nehmen frei nach dem Motto „jeder darf mal fahren“ und „tiefenentspannt“ am Rennen teil – aus Spaß an der Sache. Gewinnen wolle das Team nicht. „Wenn der Trecker hält, können die Fahrer wirklich zehn Stunden am Stück fahren – das macht das Thönser Rennen zu einem Besonderen“, weiß Heiko „Hajo“ Wöhler. Deutschlandweit sei das Rennen das einzige 24-Stunden-Rennen. Wöhler drückt dem Team der „Roten Teufel 1“ die Daumen. „Seit 10 Jahren fahren sie hier, haben schon alles Mögliche gewonnen – nur auf das Siegertreppchen in Thönse haben sie es noch nicht geschafft“, sagt er „Das wäre perfekt!“.
Nach vier Renn-Läufen stehen die Chancen für die „Roten Teufel 1“ mehr als gut. Fahrer Sebastian Hampe geht nach dem vierten Rennen entspannt in die Endphase. „Erst mal abwarten, entweder es klappt oder es klappt nicht.“, sagt er. „Bretthart“ sei die Strecke und schwierig zu fahren. „Es ist spaßig – aber echt anstrengend!“ Auch Moderator „Hajo“ hat sich eine Fahrt auf dem Renntrecker nicht nehmen lassen. „Gefühlte zwei Stunden“ hätten die zwei Minuten Fahrt gedauert. Bevor es für Sebastian Hampe und die verbliebenen 80 von 97 Renn-Boliden zum Finale auf die Strecke geht, müssen die Zuschauer dem Team von „Bully Draxx Racing“ noch beim Suchen ihres Auspuffs helfen.
Im letzten Rennen erwischt es den Konkurrenten der „Roten Teufel 1“ – „Adventure Racing Wienrode 2“ mit technischem K.O. Am Ende hat es geklappt – nach zehn Jahren steht das „Hampe Racing Team“ ganz oben auf dem Sieger-Truck. Ein perfektes Ende für das 10. Thönser Rasenmähertreckerrennen. Bis auf einen umgefahrenen Moderator, eine mit Schlamm geduschte Moderatorin und leichte Blessuren habe es keine ernsthaften Verletzungen gegeben.
Auch die „Kümmerlinge“ um Aki Baumwall werden im nächsten Jahr wieder antreten: „Diesmal aber in der Power Class!“