Die Polizei, Dein Freund und Helfer...

Es war wieder einmal so weit – bereits zum vierten Mal innerhalb weniger Wochen vom Einkaufen zum Auto zurückgekehrt – und da ist die Bescherung. Ein Mitmensch hat aus Unachtsamkeit der bis dato unversehrten Beifahrertür ein paar ordentliche dicke Kratzer beschert – und hat sich davon gemacht. Jetzt reicht's denkt sich der Mensch und beschließt, zur Polizei zu fahren.
Gesagt, getan – die Tür zum Polizeikommissariat öffnet sich mit leisem Summen. Man betritt denn Vorraum – wieder ein leises Summen und ein freundlichen Herr in Uniform gewährt Einlass in die Dienststelle. Nach kurzer Darstellung des Vorgangs wird der Mensch gebeten, im Vorraum Platz zu nehmen, es werde gleich ein Beamter kommen, den Schaden fotografieren und den Vorgang aufnehmen.
So weit, so gut. Die Wartezeit lässt sich verkürzen mit der aus liegenden Lektüre, Informationen zum Schutz gegen Einbruch, Diebstahl auf Reisen und andere nützliche Tipps der Polizei.
Oh, die Tür geht auf – jetzt geht es los, denkt der Mensch. Ach nein, ein junger Polizist geht nur kurz nach draußen, um das neue Motorrad seines Kumpels zu bewundern. Nun, wie überall, auch bei der Polizei hat vermutlich eben jeder seinen Aufgabenbereich.
Doch ein paar Minuten später – eine andere Tür öffnet sich, ein junger Beamter, in der einen Hand einen Kaffeebecher, die andere Hand in der Hosentasche, fragt „Sind Sie das mit dem kaputt gefahrenen Fahrzeug?“ „Nein, kaputt ist es nicht, nur beschädigt“, korrigiert der Mensch auf dem Weg zum Auto.
Der Schaden wird von dem jungen Mann in Augenschein genommen. Lässig, mit dem Kaffeebecher in der Hand, wirft es einen Blick auf die Beifahrertür: „Tja, wollen Sie das wirklich zur Anzeige bringen? Da wird sich eh keiner melden, dass bringt überhaupt nichts!“ Auf den perplexen Gesichtsausdruck seines Gegenübers hin wiederholt er den Text noch einmal und fügt noch hinzu: „Also, was die Schadensregulierung angeht, spielt es keine Rolle, ob Sie nun eine Anzeige erstatten oder nicht“.
Inzwischen fragt sich der Mensch im Stillen, wie er nur auf die Idee gekommen war, mit einer derartigen Bagatelle, die so um 600 Euro kosten wird, die Polizei zu behelligen. Noch beim Einsteigen ins Auto, dreht sich der junge Beamte noch einmal um: „Aber wenn Sie es denn unbedingt wollen, können wir natürlich den Vorgang aufnehmen – schließlich sind wir ja auch ein Dienstleitungsbetrieb...“.
„So so“, denkt sich der Mensch und beschließt, die nächste Polizeistatistik mit ganz anderen Augen zu betrachten...
Birgit Schröder