„Die Hummeln verhungern“

Claus Witte zeigt eine Hand voll toter Hummeln, die unter den Linden vor seinem Hof lagen.
 
Claus Witte zeigt eine Hand voll toter Hummeln, die unter den Linden vor seinem Hof lagen.

Vermehrtes Insektensterben unter Linden in Fuhrberg - Mehr Blühpflanzen gegen Nahrungsmangel nötig

FUHRBERG (bgp). Der Fuhrberger Claus Witte steht vor einem Rätsel: Unter zwei Linden, die auf dem Fußweg vor seinem Hof stehen, liegen jede Menge tote Hummeln.
Seit die beiden Bäume blühten, summe und brumme es laut vernehmlich, weil die Insekten sich über die Blüten hermachten. „Kurze Zeit später fallen sie aber herunter, kriechen herum und sterben“, berichtet Witte. Gut sichtbar liegen die Hummeln auf dem Fußweg verstreut zwischen trockenen Blütenresten, die von den Bäumen herab gerieselt sind.
Das Phänomen sei auch seinem Nachbarn schräg gegenüber aufgefallen, vor dessen Hof ebenfalls eine städtische Linde auf dem Fußweg steht. „Vor einigen Jahren hatten wir das schon einmal“, so Witte. Damals habe er bei der Stadt Burgwedel nachgefragt und die Auskunft erhalten, dass es sich vermutlich um Silberlinden handele, die keine heimische Baumart seien. Eine erneute Nachfrage bei der Stadt sei zum aktuellen Zeitpunkt jedoch nicht möglich gewesen, da der zuständige Mitarbeiter bis August im Urlaub sei, berichtet der Fuhrberger von seinen Bemühungen.
Der Naturschutzbund (NABU) hat sich vor vielen Jahren bereits deutschlandweit mit dem beobachteten Phänomen beschäftigt und Forschungsprojekte über das sommerliche Hummelsterben durchgeführt. Die Erkenntnisse bestätigt auch Anne Walter, stellvertretende Vorsitzende des NABU Burgwedel: „Die Hummeln verhungern schlicht“, sagt sie.
Die Silberlinde stammt aus den Laubmischwäldern Vorderasiens und Südosteuropa, seit etwa 250 Jahren wird sie auch in Mitteleuropa angepflanzt, insbesondere in Städten. Große Trockenheit macht dem Baum wenig aus, der ab Mitte Juli zwei bis vier Wochen nach den heimischen Winter- und Sommerlinden blüht.
Zu diesem Zeitpunkt ist das Nahrungsangebot für die bereits sehr gering. „Jetzt sind die Hummelvölker am größten“, sagt Anne Walter und verweist auf den großen Nahrungsmangel in der „trockenen und abgemähten Landschaft“. Gerade dann stürzten sich die Hummeln vermehrt auf das verbleibende Blütenangebot der Silberlinden, die jedoch nicht mehr genug Nektar hätten. Da Hummeln keine Vorräte anlegten und für die Nahrungssuche sehr weit flögen hätten sie am Ende „keine Kraft mehr, nach Hause zu fliegen“, bedauert Walter.
Sie wünscht sich in den Gärten mehr insektenfreundliche Pflanzen und „weniger aufgeräumte“ Flächen. Für die Bepflanzung hat sie zusätzlich zu eigener Erfahrung auch die Tipps des NABU parat: „Es ist wichtig, dass die Leute in den Gärten Blüten anbieten, wie Lavendel oder Wildpflanzen“. Samenmischungen mit insektenfreundlichen Blühpflanzen gebe es auch zu kaufen, damit könne man dem Nahrungsmangel schon ein Stück weit begegnen.
Wilder Majoran, auch Oregano genannt, oder Aesop seien sehr beliebt bei den Hummeln. „Die Wegwarte blüht zwar immer nur vormittags, dafür hat sie aber sehr viele Blüten und blüht sehr lange im Jahr“, fährt Anne Walter fort. Korbblütler wie die Flockenblume kämen ebenfalls sehr gut an.
Auch für andere Insekten seien Schafgarbe, Melisse, Grasnelke, Glockenblumen und Winterbohnenkraut ein attraktives Nahrungsangebot. An feuchten Stellen biete sich die Anpflanzung von Beinwell an. „Die Pflanzen sollten keine gefüllten Blüten haben und die Kelche gut erreichbar sein, damit ist schon viel gewonnen“, sagt die NABU-Vertreterin. Sie verweist auch auf die Informationskampagne „Gönn dir Garten“, die auf der Internetseite des NABU (www.nabu.de) Tipps für insektenfreundliche und klimaschonende Gärten gibt.