Die Brachvögel treffen nun wieder im Hastbruch ein

WETTMAR (hhs). Es ist ein einzigartiges Naturschauspiel, was man jetzt links und rechts des Hauptdamms in Wettmar erleben kann: Die ersten Großen Brachvögel dieses Jahres sind eingetroffen von ihrem Ausflug ins Winterquartier zu den Küsten des südlichen Europas und Westafrikas. Die etwa hühnergroßen Vögel mit dem langen säbelartig nach unten gebogenen Schnabel fliegen schnell und laut sausend heran, fallen auf dem Grünland ein und beginnen sofort mit der Nahrungssuche. Die langen nächtlichen Reiseetappen machen hungrig und müde, nur der Tag bietet Gelegenheit zur Verpflegung. Sind die Vögel einigermaßen gesättigt, dann ruhen sie sich aus von den Strapazen, bis sie am Nachmittag noch einmal nach Kleintieren suchen, und dann weiter fliegen. Einige von ihnen werden hier bleiben im Hastbruch, sicherlich nicht viele, aber mit fünf bis acht Paaren kann man rechnen, die hier ihren Nachwuchs aufziehen werden.
Auch in der Gemarkung zwischen den Ortschaften Ehlershausen, Otze und Oberhshagen sind Balzflug und Gesang dieser prächtigen Vögel nun zu bestaunen. Am Morgen des Karfreitages bei bestem Wetter bot sich dort diese Gelegneheit. Drei Exemplare ließen sich blicken auf einer Weide, ein Männchen gab sich alle Mühe, ein Weibchen zu bezirzen, aber die Madame mit dem langen gebogenen Schnabel hatte offensichtlich nur Hunger. sie durchstocherte das Erdreich und den noch kurzen Bodenbewuchs nach Nahrung. Offenbar mit Erfolg, denn mit schnellem Trippeln machte sie sich voran, pickte hier, stocherte da, und manchmal glaubte man durchs Fernglas zu sehen, wie noch ein langer Wurm aus dem Schnabel herauslugte.
Die Brachvögel sind unsere größte Schnepfenart. Ausgewachsene Exemplare bringen etwas mehr als ein Kilo Gewicht auch die Waage. Sie erreichen Spannweiten von 110 Zentimetern, beim Weibchen soll der gebogene Schnabel bis 19 Zentimeter lang werden, beim Männchen etwas kürzer, dafür aber stärker gebogen sein. Wie alle Schnepfenarten legen Brachvögel vier Eier, meistens nur in eine Bodenmulde. Sie entsprechen in der Größe kleinen Hühnereiern, sind unterschiedlich hell in Olivtönen mit braunen Flecken gefärbt. Gut vier Wochen werden die Eier bebrütet, ehe die Küken mit kurzem geraden Schnabel schlüpfen als Nestflüchter. Ab dem 21.Lebenstag beginnt sich der Schnabel zu krümmen, mit vier Wochen übt der Nachwuchs das Fliegen. Die Art ernährt sich von Würmern, Schnecken, Insekten, Spinnen, kleinen Fröschen, im Herbst sollen auch Beeren auf dem Speiseplan stehen. Der lange Schnabel dient dazu, im feuchten Erdreich nach Nahrung zu suchen. Spätestens Mitte August ziehen die Brachvögel wieder in Ihr Winterquartier.
Niemand kann sagen, ob die Brachvögel, die Anfang dieser Woche im Hastbruch und jetzt bei Obershagen beobachtet wurden, auch hier ihre Brut beginnen oder aber weiter ziehen. In jedem Fall aber kann man die schönen Vögel bei der Balz betrachten: Das Männchen zeigt ein eigenartiges, als Girlandenflug bezeichnetes Flugschauspiel. In vielen Bögen saust der Vogel rund um sein Revier. Um seine Liebste dann vollends von seinen Vorzügen zu überzeugen, schließt er eine Bodenbaalz an und läuft mehrmals wild mit den Flügeln schlagend um sein Weibchen herum. Schon frühmorgens ist sein melodischer Trillerruf zu hören.
Ursprünglich waren die Brachvögel Bewohner baumloser Niedermoore, heute sind sie mangels dieses Lebensraumes in die spät gemähten Niederungswiesen mit extensiver Grünlandnutzung gewechselt. Eine weitere Bedingung muss vorhanden sein: Wasser in Form von Gräben, Tümpeln und Teichen. Im Hastbruch liegen Dank des Einsatzes der damaligen Gemeinde Burgwedel und der Landwirte dort für den Brachvogel gute Bedingungen vor. Die Kommune hat im Zentrum des Brutgebietes Flächen erworben und die Landwirte motiviert, auf ihren Flächen Grünlandwirtschaft extensiv zu bewirtschaften. Sie erhalten für die damit verbundenen Nutzungs- und Ertragsausfälle Ausgleichszahlungen. Dieser Weg wurde damals etwas abfällig als bezahlter Naturschutz bezeichnet, hat aber bundesweit Vorbildcharakter erlangt. Die wenigen Brachvögel, die es Ende der Siebziger hier noch gab, sind im Bestand erhalten worden. Weitere Brachvogelbestände gibt es in unserem Bereich noch nördlich des Bissendorfer Moores und Richtung Celle in Dasselsbruch.
Man sollte vorsichtig sein beim Betrachten der Vögel: Sie hassen schnelle Bewegungen in ihrer Umgebung und haben eine Fluchtdistanz von 200 Metern. Störungen nehmen sie ernst, man sollte keinesfalls versuchen, nahe an sie heran zu kommen und deswegen den Weg zu verlassen. Ein gutes Fernglas ist hilfreich dabei und sollte nicht fehlen.