Die besten Spring- und Dressurreiter trafen sich beim Großen Preis von Isernhagen

Ludger Beerbaum auf „Chaman“ entschied das Stechen für sich: Null Fehler und Bestzeit für den Routinier. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Furioser letzter Ritt im Umlauf von Annkathrin Heydenreich, RuF Isernhagen: Sie setzte alles auf eine Karte, machte Fehler und gab dann aber auf, um ihre „African Queen“ zu schonen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Anmut und Eleganz im perfekten Zusammenspiel im Kurz Grand Prix: Isabel Werth siegte auf „El Santo“. Mit „Der Stern Old“ erreichte sie auch den zweiten Platz. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Springreiter Ludger Beerbaum siegte nach Stechen/Isabell Werth unangefochten in der Dressur

ISERNHAGEN H.B. (hhs). Am Sonntag ging das Turnier des Reit- und Fahrverein Isernhagen und Umgebung mit seinem traditionellen Höhepunkt zu Ende, dem Grand Prix von Isernhagen. Und es gab keine großen Überraschungen: Das „S-Springen mit drei Sternchen“ gewannen die Favoriten. Ludger Beerbaum gewann das Stechen vor Henrik von Eckermann.
Beerbaum, der erfolgreichste Springreiter Deutschlands seit Beginn der achtziger Jahre, kommt seit Jahren nach Isernhagen, und meistens gewinnt er. Henrik von Eckermann ist auch kein Nobody in der Reiterszene, seit 2004 ist er Bereiter bei Beerbaum in Riesenbeck. Gegenwärtig kämpft er selbst um die Aufnahme in den schwedischen Olympiakader. Auch bei den hier startenden Dressurreitern stellt sich die Elite ein: Die fünffache Olympiasiegerin Isabell Werth, ihre „Kollegin“ Heike Kemmer, die mit ihrem unvergessenen Fuchswallach Bonaparte 2004 ihr erstes olympisches Mannschaftsgold holte. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Warum kommen sie ausgerechnet ins beschauliche Isernhagen zum Turnier? 2012 ist Olympiajahr, so einfach ist das. Und ein besser für Pferd und Reiter organisiertes Turnier als in Isernhagen zur Vorbereitung, dafür müsse man schon ganz schön weit fahren, heißt es.

Nationales Turnier - internationales Flair

Das Reitturnier in Isernhagen hat sich den Ruf erarbeitet, ein nationales Turnier mit internationalem Flair zu sein. Das kommt nicht von ungefähr, denn immer häufiger finden sich Reiterinnen und Reiter aus dem Ausland hier ein: In diesem Jahr Tadahiro Hayashi, ein gebürtiger Japaner, der in Deutschland reitet, Dennis Nielsen, ein Däne, Helena Lundbeck aus Schweden, Meihmei Zhu, eine Chinesin, Mikko Mäentausta und Lotta-Riikka Rintamäki aus Finnland. Entweder arbeiten sie hier im Bereich Reitsport, und/oder sie versuchen in Deutschland ihre Karriere in Gang zu bringen.
Deutschland ist Pferdeland und Niedersachsen ganz besonders. Isernhagen liegt in des Landes Mitte, Isernhagen hat beste Böden, die die Verletzungsgefahr bei den Pferden nahezu ausschließt und Isernhagen, ganz im Besonderen das Reitturnier, ist familienfreundlich. Das Turnier bietet alles für die Reiterfamilien: reiterliche Spring- und Dressurwettbewerbe für alle Altersgruppen und Leistungsstandards. Dazu gibt es umfassende Organisation, ausreichend Stallungen, ein Rahmenprogramm auf der Reitanlage, das kaum zu toppen ist, wunderschöne Landschaft und einen Reit- und Fahrverein als Veranstalter, dem keine Mühen zu schwer sind, auftretende Probleme schnell und reiterfreundlich zu lösen.

Teilnehmerzahlen steigen

In diesem Jahr gab's schon vor Turnierbeginn ein Problem: Da für die Veranstaltung so viele Nennungen abgegeben worden sind, mussten die ersten Prüfungen bereits auf den Mittwoch vorverlegt werden. Die Teilnehmer ließen sich davon aber nicht zurückhalten, sodass das Starterfeld gut belegt war. Der erste, vorgezogene Veranstaltungstag war gleich sehr erfolgreich für den gastgebenden Verein. Bereits drei Prüfungen fanden am Mittwoch statt.
Die Springprüfung Klasse L, musste aufgrund der hohen Starterzahl in zwei Abteilungen geteilt werden. In der ersten Abteilung siegte Neele Glinz, vom RV Sottrum und Umgebung, in der zweiten Abteilung siegte Victoria von der Leyen vom RFV Brelinger Berg. In dieser Prüfung konnten die Gastgeber bereits eine erste Platzierung verbuchen, denn den dritten Rang belegte hier Alexandra Witte vom RFV Isernhagen und Umgebung.
Ganz besonders freuen konnte sich der Gastgeber aber über den Sieg in der letzten Prüfung des Tages, der Springprüfung Klasse M über zwei Phasen. Hier gewann Annkathrin Heydenreich vom RFV Isernhagen und Umgebung in einer herausragend schnellsten Zeit von 29,95 Sek mit ihrem Pferd General Sterling Price in der zweiten Phase. Auch die folgenden Tage boten jede Menge an reiterlichen Höchstleistungen.
Prominentester Gast des Samstags war Bundesminister Philipp Rösler mit seiner Gattin und Kindern, ganz familiär, die sich von der Veranstaltung sehr angetan zeigten. „Wir kennen das Vereinsgelände gut und sind sehr gerne hier. Es ist eine gelungene Veranstaltung. Unseren Kindern gefällt besonders der Streichelzoo“, sagte der Minister.
Die sportlichen Höhepunkte des Tages waren sicher das S**- Springen mit Stechen und die Dressurprüfung Kl. S***-Kurz Grand Prix. Im Springen konnte diesmal Mikko Mäentausta aus Finnland das Stechen für sich entscheiden, der Sieg in der Dressur ging an Isabell Werth auf El Santo. Leonie Bramall, die für den RuF Isernhagen startet, landete auf Märchenprinz im Mittelfeld.

Ertragreicher Showabend

Ein besonderes Erlebnis war natürlich der große Showabend. Trotz des Regens ließen sich die Zuschauer nicht abschrecken und erlebten grandiose Darbietungen. „Ein Engel zu Pferd“, Henrike Habermann mit ihrem Pony Online Ixes, der musikalisch mit Gesang begleitet wurde, Pferdefussball, die Mannschaften bestanden aus Mitgliedern der Jagdreiter der Böhmer Harrierer Meute und der Niedersachsen Meute, einer Teamtrophy – bestehend je aus einer Reiterin auf einem Pony und einem Reiter auf dem Fahrrad, der Ponyquadrille des Verbandes der Pony- und Kleinpferdezüchter Hannover auf 18 Ponys und einer rasanten Hundeagility-Show.
Höhepunkt der Abendveranstaltung war aber sicherlich die Versteigerung des Oldenburger Stutfohlens LIV zugunsten der ZAG Stiftung „Pro Chance“ aus Hannover. In einem spannenden Versteigerungsgeschehen ging der Zuschlag für das Fohlen schließlich für 7.600 Euro an Eugen Klein, Rechtsanwalt und passionierter Jagdreiter. „Ich freue mich wahnsinnig, dass ich dieses Fohlen ersteigern konnte, ich bin sicher, dass sie einmal eine erfolgreiche Stute werden wird“, freute sich der neue Besitzer.
Ganz zum Schluss wurde dem Vereinsvorstand und allen Zuschauern noch eine Überraschung geboten. Mitglieder des Vereins hatten das Lied „99 Luftballons“ von Nena in den Titel „99 große Preise“ umgedichtet und gaben so ihrer Hoffnung Ausdruck, dass der Verein im kommenden Jahr auf jeden Fall auch den „100. Großen Preis von Isernhagen“ ausrichten kann. Der Hintergrund, die drohende Schließung der Reitanlage durch die Region Hannover wegen ihrer vermeintlichen Unverträglichkeit mit dem Landschaftsschutz, hing wie ein Damoklesschwert über der gesamten Veranstaltung.
 
Der Höhepunkt: Großer Preis

Mit großer Spannung wurde der Große Preis von Isernhagen, ein S***-Springen, schon im Vorfeld betrachtet. Noch am Samstag erschien die Meldeliste zu diesem Wettbewerb unvollständig, ohne die ganz großen Namen. Nennungsschluss war erst am Sonntagmorgen. Dann war klar: Beerbaum reitet mit zwei Pferden, von Eckermann auch, weiter auf der Liste Eva Bitter, Tim Rieskamp-Gödeking und Helena Lundbäck, Schwedens Top-Amazone. Im ersten Umlauf waren zwölf Hindernisse von Reiter und Pferd zu bewältigen in 81 Sekunden. 62 Meldungen lagen zu diesem Springen vor. Der eigentlich übersichtliche Parcours hatte für die ersten Starter seine Tücken. Kaum jemand erreichte fehlerfrei das Ziel. Für viele Reiterinnen und Reiter gab es noch Strafpunkte wegen Zeitüberschreitung.
Auch Ludger Beerbaum kam mit seinem ersten Pferd nicht ohne Fehler davon. Caresse produzierte einen Abwurf, blieb aber in der Zeit. Am Ende dieses Umlaufs hatten neun Reiterinnen und Reiter sich mit null Fehlern für das Stechen in dieser Reihenfolge qualifiziert: Ludger Beerbaum mit Chaman 4, Henrik von Eckermann auf Grace, Markus Brinkmann auf Pikeur Caresini, Alexander Duffy auf WCE Cruco, Peter Korn-Finke auf Calistra 11, Matthias Janßen auf Le Quidam, Christian Glienewinkel auf Pia Pacelli N und noch einmal Henrik von Eckermann auf Gut Neuenhofs Bacarol.
Für den Parcours waren 49 Sekunden vorgegeben. Ludger Beerbaum begann mit fehlerfreiem Ritt und Bestzeit von 38,49 sec. Das blieb unerreicht. Ihm folgten auf den Plätzen Henrik von Eckermann auf Gut Neuendorfs Bacarole. Auch dieses Paar blieb fehlerfrei in 39,59 sec. Dritter wurde Alexander Duffy ebenfalls fehlerfrei in 44,30 sec.