Die besondere Kunst des Erzählens neu entdecken

Marc Holmer, der professionelle Erzähler, wusste, wie man Kinder – wie auch Erwachsene – mit Geschichten in seinen Bann ziehen kann. (Foto: Renate Tiffe)

Start eines Pilotprojektes in drei Burgwedeler Kindergärten

GROSSBURGWEDEL (ti). Bei der frühkindlichen Bildung wachsen den Erzieherinnen in den Kindertagesstätten Aufgaben zu, für die sie oft selbst erst geschult werden müssen. Nach neueren wissenschaftlichen Erkenntnissen kommt in der Sprachförderung - neben dem Vorlesen - der uralten Kunst des Erzählens eine besondere Bedeutung zu. In der Erzählwerkstatt haben sich der TüV Nord und der Verein Kind – Wissen – Zukunft (Kiwiz) der Region als Geldgeber zusammengetan, um das neue, alte Wissen in die Kindertagesstätten zu tragen. Ein Pilotprojekt wurde jetzt in Burgwedel gestartet.
Kinder wie Erwachsene erlebten in der Kindertagesstätte II an der Kleinburgwedeler Straße eine Art Märchenstunde. Marc Holmer, ein grauhaariger Mann, gekleidet in einen langen, dekorativen Mantel, gab zwei Beispiele seiner Erzählkunst. Scheinbar mühelos zog er mit seinen Geschichten Jung wie Alt in seinen Bann, indem er Erfahrungen, so wie Kinder sie erleben, mit Elementen der Phantasie verknüpfte. Sozusagen eine phantastische Vorbereitung für die Bildungspartnerschaft, die an diesem Tag hochoffiziell im Beisein des Bürgermeisters unterzeichnet wurde.
Maria Deichmüller, die Leiterin des Kindergartens, erläuterte das Projekt Erzählwerkstatt. Mit dem Übermitteln von Geschichten, Mythen und Märchen soll der Sprachschatz der Kinder reicher, ihre Phantasie und ihr Denken angeregt werden. Am 17. und 18. Februar beginnt bereits die erste Schulung für die Kräfte der Kindertagesstätten. Als Übung können sie ihr Wissen gleich in der täglichen Praxis mit den Kindern weitergeben. Indem die Kinder das Gehörte in ihren Familien weitergeben, hoffe sie, dass die verlorene Kunst des Erzählens wieder neu belebt werde, so Frau Deichmüller.
Als ein pädagogisch hochwertiges Projekt bezeichnete Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt das Vorhaben. In der Schule müsst Ihr viel reden, viel sprechen, viel schreiben, wandte er sich an die Kinder. Das ginge besser, wenn sie die Sprache gut könnten. Er hob hervor, dass auch Eltern beim Start der Erzählwerkstatt anwesend seien. Dieser vollzog sich mit den Unterschriften der drei Leiterinnen der Kindertagesstätten Großburgwedel II wie auch Großburgwedel I und Kleinburgwedel, Maria Deichmüller, Claudia Jäneke und Elke Pfaff sowie den Vertretern vom TÜV Nord und Kiwiz, Dr. Guido Rettig und Manfred Kuhn. Wir möchten die Kinder schon früh darin unterstützen, eigenständig zu denken, sich auszudrücken und in die Lage anderer zu versetzen, sagte Rettig. Den Kindern eine neue Welt zu erschließen, die sie befähigt, mit gleichen Chancen in der Grundschule zu starten, auch im naturwisssenschaftlichen Bereich, beschrieb Kuhn das Anliegen des Projekts. 290 Kinder und 40 Erzieherinnen werden in Großburgwedel an Aktionen der Erzählwerkstatt teilnehmen.
In Vertretung für ihre Mitarbeiterinnen erhielten die drei Kita-Leiterinnen je eine Laterne überreicht. Erzählen braucht auch eine Atmosphäre des Magischen, wenn die Inhalte wirklich ankommen sollen.