Deutsche Familiengeschichte

Spannende Unterhaltung mit historischen Kontext auf höchstem Niveau: Peter Prange las im Amtshof aus seinem zweibändigen Roman "Eine Familie in Deutschland"

Bestseller-Autor Peter Prange las im Amtshof aus seinem Roman „Eine Familie in Deutschland – Am Ende die Hoffnung“

GROSSBURGWEDEL (bgp). Angesichts der politischen Stimmung in Deutschland sei ihm besonders daran gelegen, die Mechanismen einer „Saat der falschen Verheißungen“ aus unterschiedlichen Perspektiven darzustellen, sagt Bestseller-Autor Peter Prange zur Einstimmung auf seine Lesung am Dienstagabend im Amtshof Burgwedel. Er kam 1955 im Sauerland als sogenannter „Spätgeborener“ auf die Welt und erlebte in seinem Heimatort noch die Folgen des Zweiten Weltkrieges. „Dort gab es viele Kriegsversehrte und Kriegerwitwen“, schildert der Autor die Eindrücke aus seiner Kindheit. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus habe ihn seit frühester Jugend beschäftigt und sei zum „Lebensthema“ geworden. „Wie kann die Kulturnation Deutschland in eine solche Barbarei verfallen?“ sei eine Frage, die er sich immer wieder stelle. Um sich dem Thema anzunähern, habe er die Nazi-Zeit aus verschiedenen Perspektiven in einer Familiengeschichte miteinander in Beziehung gesetzt und erzählt, so Prange.

Geübt und ausdauernd liest der Autor mehr als eineinhalb Stunden aus dem zweiten Band seines 1500 Seiten starken Romans: „Eine Familie in Deutschland“. Kein Wunder, dass er sich manchmal räuspern und einen Schluck Wasser trinken muss, um dann sofort wieder in die fesselnde Handlung einzusteigen. Ihm gelingt es, die Spannung mit wohl gewählten Auszügen aus seinem Buch während der gesamten Lesung hochzuhalten. Alles dreht sich um die Mitglieder der Familie Ising, die seit Generationen im Wolfsburger Land lebt. Große Veränderungen stehen an, als auf Hitlers Befehl eine riesige Automobilfabrik für den Bau des „Volkswagens“ entstehen soll. Kinderärztin Charly und Filmproduzentin Edda, Autoingenieur Georg und Parteisoldat Horst stehen vor der Entscheidung, sich dem Regime zu widersetzen oder mit dem Strom zu schwimmen. Ihre Eltern sorgen sich derweil um den jüngsten Sohn Willi, der auf Grund einer Behinderung besonders gefährdet ist.
In einer Jahrhundert-Tragödie schildert der Autor ein Stück deutsche Geschichte von der Machtergreifung 1933 bis zur Kapitulation 1945, das an den Figuren und ihren widerstreitenden Interessen lebendig vor Augen geführt wird. Spannende Unterhaltung mit historischem Kontext auf höchstem Niveau. Der zweibändige Roman „Eine Familie in Deutschland“ ist im Verlag Fischer Scherz erschienen.