Des Lesers Meinung

Thema Freibad Großburgwedel

Für die Mehrheitsentscheidung der Parteien der Stadt Burgwedel, das ortsansässige Freibad in dieser Saison geschlossen zu lassen, habe ich in keinster Weise Verständnis. Natürlich hat die Stadt Burgwedel, als Betreiberin des Bades, die Verantwortung, dass sich dort Nutzerinnen und Nutzer nicht mit dem Corona-Virus infizieren.
Ich hätte mir jedoch für die Stadt Burgwedel ebenso kreative Köpfe gewünscht, wie die, die in anderen Städten und Gemeinden tätig waren, um ein passendes Hygienekonzept zu entwickeln. Die Konzepte der Bäder in Mellendorf und Burgdorf zeigen, dass diese auch ohne zusätzliches Sicherheitspersonal und Risiken umgesetzt werden können.
Zudem ist mir unverständlich, dass dem/der Einzelnen nicht der verantwortungsvolle Umgang mit der Pandemiesituation zugetraut wird. Bedauerlicherweise wurde durch die Stadt Burgwedel weder soziale noch weiterführende gesundheitliche Verantwortung für ihre Mitbürgerinnen und Mitbürger übernommen.
Es gilt zu bedenken, dass das Freibad von der breiten Öffentlichkeit, also von Menschen aller Altersgruppen und Gesellschaftsschichten, genutzt wird. Kinder, die aufgrund der wirtschaftlichen Situation ihrer Familie weder in den Urlaub fahren noch an Ferienpassaktionen teilnehmen können, entfällt mit der Nichtöffnung des Freibades eine weitere Freizeitaktivität, die sie umsonst hätten nutzen können.
In Burgwedel leben 40% Seniorinnen und Senioren. Auch diesen Menschen gegenüber steht die Stadt Burgwedel in der Verantwortung. Ihnen und möglicherweise weniger mobilen Menschen unserer Stadt ist das Freibad als ein wichtiger Baustein der Gesundheitsvorsorge sowie der sozialen Begegnungsstätte genommen.
Sich jetzt damit zu rühmen, die bereits seit drei Jahren bekannten Baumaßnahmen durchführen zu wollen, erscheint mir unangebracht. Diese könnten auch zu anderen Zeiten durchgeführt werden. Das Jahr hat ja bekanntlich 12 Monate. Besonders während der Zeit der Corona-Pandemie benötigt die Gesellschaft Normalität. Dazu hätte auch die Öffnung des Freibades gehört.
Die erwähnten Mehrkosten von 106 000 Euro erscheinen hoch. Der Stadt Burgwedel stehen aus ihrem Etat jedoch 3 bis 4 Millionen Euro zur Verfügung, mit denen keine Pflichtaufgaben bezahlt werden müssen. Dann handelt es sich nur noch um 3 Prozent dieser Summe. Das sollte der Stadt Burgwedel doch ihre soziale Verantwortung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern Wert sein, damit diese auch in dieser Saison ihr Freibad nutzen können.
Auch wurden für das Bad bereits geschätzte 7 000 Euro ausgegeben, indem es mit neuem Wasser befüllt wurde. Die Ausgabe dieser Steuergelder macht nur Sinn, wenn zu einer Öffnung des Bades käme. Vielleicht muss der Stadt der Unmut ihrer Bürgerinnen und Bürger durch eine Kundgebung demonstriert werden, um zu zeigen, wie wichtig ihnen ihr Freibad ist.
Sollte die Stadt Burgwedel bei ihrer Entscheidung bleiben, kann man nur hoffen, dass bis Mai 2021 ein Impfstoff entwickelt wurde, ansonsten muss das Bad auch dann noch geschlossen bleiben, weil die Stadt so verantwortungsvoll mit ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern umgeht.

Inga Matthießen
Großburgwedel