Der „XXL-Ostfriese“ praktizierte auf dem Eichenhof

„Lia“, die Stute, die schon acht Monate lahmte, muss nur einen richtigen Beschlag bekommen, so die Diagnose von Tamme Hanken. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Ein Griff des XXL-Ostfriesen und „Ayurveda“ zeigt, wo es weh tut. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Pferdeheiler Tamme Hanken zu Gast in Fuhrberg

FUHRBERG (hhs). Er ist 2,06 Meter groß, etwa 160 Kilogramm schwer, alles beste Voraussetzungen dafür, dass Menschen und Tiere ihn ernst nehmen: Tamme Hanken, Pferdeflüsterer, Chiropraktiker, auf Ostfriesisch traditionell Knochenbrecher genannt.
Wer einem Pferd in die Augen schauen kann, ohne dass das Tier sich großartig bücken muss, wird zwangsläufig zum Fernsehstar, wenn seine Fähigkeiten als Chiropraktiker sich als einzigartig herumgesprochen haben. Der Mann brauchte nur noch einen außergewöhnlichen Titel, um zu allgemeiner Berühmtheit zu gelangen. Unterdessen ist er auch zum Buchautoren gereift. Was lag da näher, als ihn zum „XXL-Ostfriesen“ zu machen? Der XXL-Ostfriese Tamme Hanken gilt in Deutschland als einzigartiger Fachmann für Beschwerden am Bewegungsapparat bei Pferden und Hunden. Gestern Vormittag machte der XXL-Ostfriese auf dem Reiterhof Eichenhof in Fuhrberg Station. Neun Pferde mit langwierigen Beschwerden und ihre Besitzerinnen warteten dort auf ihn und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten.
Julia Hajduk war eine der jungen Frauen, die gestern Morgen auf Tamme Hanken warteten. Ihre Stute wolle nach einem Defekt nicht wieder richtig fit werden. Acht Monate laboriere das Tier nun schon daran, nichts habe bisher richtig geholfen. Sie hatte eigentlich für den 2. September einen Termin mit Hanken auf dessen Hof in Filsum vereinbart, erzählte sie im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten. Dann habe Tamme beinahe beiläufig erwähnt, dass er auch auf den Eichenhof nach Fuhrberg kommen könnte, wenn sie dort mehrere Pferde mit Beschwerden zusammenbekommen würde. Julia Hajduk telefonierte im reiterlichen Bekanntenkreis herum, und schnell waren neun Patienten für den XXL-Ostfriesen zusammen. Die Terminabsprache für den gestrigen Freitag sei dann weiter vollkommen unkompliziert verlaufen, ein Anruf und schon sei alles perfekt gewesen.
Und dann fuhr er auf den Hof, der Pferdeflüsterer. „Moin, ich winke Euch mal zu“, rief er in die Runde der neugierigen Gäste und der Pferdebesitzer, den allen die Furcht vor möglicherweise schlechten Nachrichten ins Gesicht geschrieben stand. Den Anfang machte Julia Hajduk mit ihrer Stute „Lia“. „Einmal im Schritt hin und her“, kommandierte Tamme Hanken, dann tastete er „Lias“ Rücken ab, wobei das Pferd links hinten stark reagierte. Schließlich beschäftigte er sich mit den Beinen. „Links vorn hat Lia eine Entzündung innen“, so die erste Diagnose. Ein anderer Beschlag werde das schnell wieder in Ordnung bringen. Und das mit den Schmerzen des Pferdes hinten links habe sich auch schon erledigt.
Tamme Hanken ist während der gesamten Zeit voll auf seine Pferde-Patienten konzentriert, nichts entgeht seinen Augen. Bei „Ayurveda“ ist er schnell bei der Sache. Hier war ein Defekt im Tritt auf der linken selbst für Laien unübersehbar. „Ich möchte den sehen, der das Pferd reitet. Der muss rechts ein langes Bein haben“, rief er in die Runde. „Ayurveda“ sei deswegen links empfindlich, weil sie den Druck des Reiters vollkommen ungleichmäßig auf die Flanken verteilt erhält. „Der Reiter drückt rechts stärker als links“, erklärte Hanken den Effekt. „Und sie wird deswegen dort empfindlich“. Die Hilfe sei einfach: Der Reiter möge den Steigbügel rechts ein halbes Loch länger machen, dann sei alles bald wieder in Ordnung.
Dann wieder zur allgemeinen Heiterkeit: „Frauen und Pferde, die zu wenig Arbeit und Bewegung haben, werden steif und zickig“, sagt er, und „Aber im Ernst: Ihr seht keinen Tierarzt mehr, wenn das Pferd läuft, eine halbe Stunde Schritt und zwei Stunden Trab und Galopp täglich“.