Der schönste junge Großpudel dieser Welt steht in Großburgwedel

Marion Zimmermann hat mit ihrem Großpudel Graphic Silverdollars einen Weltsieger in der Jugendklasse präsentiert. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Marion Zimmermann wurde mit „Graphic Silverdollars“ Weltsieger

GROSSBURGWEDEL/PARIS (hhs). Graphic Silverdollars ist eine Schönheit in seiner Rasse, und er hat das auch schriftlich in Form einer Urkunde. Anfang Juli wurde der prächtige silberfarbene Großpudel auf der Welthundeausstellung in Paris in der Jugendklasse präsentiert und er hat alle Konkurrenten auf den Titel hinter sich gelassen. Dennoch, Graphic Silverdollars trägt seine Nase deswegen nicht höher als zuvor, er ist ein ganz normaler Hunde, nimmt gemeinsam mit sechs anderen Großpudeln am Leben von Marion und Herbert Zimmermann teil. Er ist aufmerksam und ruhig, ziemlich verschmust, sucht Kontakt, und er ist freundlich. Nach einer kurzen Kennenlernphase legt er sich hin, Herrchen und den Gast ständig im Blick. Graphic Silverdollars beobachtet und wartet ab. Wenn sein Name im Gespräch fällt, sind ein paar dezente Schwanzwackler unvermeidbar.
Der Hund sei ein Import aus den USA, erzählt Herbert Zimmermann, und sie hätten das Tier erst im Mai dort abgeholt. Seine Frau Marion und eine Freundin, Brigitte Copeland, beide sind in der Szene der Liebhaber dieser Großpudel keine Unbekannten, sind die Eigentümer. „So ein Hund ist nicht billig und kostet einen Haufen Geld“, begründet Herbert Zimmermann den gemeinsamen Erwerb. Graphic Silverdollars werde bei ihnen zu Hause in Großburgwedel mit den anderen Hunden zusammenbleiben.
Welthundeausstellungen sind kein Selbstzweck, es geht dabei darum, in den vielen Hunderassen den für die Weiterzucht der Rassen geeigneten Nachwuchs zu sichten. Das läuft nach international festgelegten und verbindlichen Regeln ab. Hunde bis zu einem Alter von 18 Monaten werden in der Jugendklasse geprüft, später noch einmal, wenn sie mindestens drei Jahre alt sind, in der Altersklasse.
Graphic Silverdollars hat sich in seiner Rasse gegen 449 Mitbewerber durchgesetzt.
Und darauf können die Zimmermanns stolz sein: Der Hund wird nur zur Schau zugelassen, wenn er frei von genetischen Krankheiten ist wie zum Beispiel Hüftgelenkdysplasie. Das tierärztliche Attest darüber muss vorgelegt werden. Auf der Ausstellung selbst werden die Tiere auf Gebäudefehler untersucht, ebenso auf Fehler im Gebiss und an den Augen sowie bei Rüden auf Hodenfehler.
Dann wird bei vielen Rassen die Qualität des Haares und dessen Korrektheit auch in der Farbe geprüft. Schließlich muss sich der Hund bewegen, was insbesondere bei Pudeln unter unbedarften Zuschauern häufig zu Erheiterungen führt, wenn die Besitzer dann mit ihren Hunden an der Leine im Kreis herumstolzieren, laufen, traben oder sogar einen Galopp zu präsentieren versuchen. Hierbei sehen die erfahrenen Richter, ob der Bewegungsapparat des Tieres korrekt ist.
Und natürlich gehört insbesondere bei Pudeln ein Haarschnitt dazu. Pudel müssen in regelmäßigen Abständen „zum Friseur“, denn sie wechseln ihr Haar nicht wie die meisten anderen Hunderassen zweimal jährlich: Ihr Haar wächst kontinuierlich weiter, wie bei Menschen oder Schafen. Und hier haben sich eine Reihe von Frisuren im Lauf der vergangenen hundert Jahre durchgesetzt, von denen viele recht ulkig wirken. Da gibt es den „Löwen“, oder die „Karakulschur“, einen „Modeschnitt“ oder einfach „Continental“ und viele andere mehr. Natürlich hat die Ursache dafür, die gute Kosmetisierbarkeit des Pudelhaares, auch zu Auswüchsen geführt. Die meisten der Schnitte aber gehen auf die Zeit zurück, in denen Pudel in allen Bereichen der Jagd am Wasser eingesetzt wurden. Dazu konnte man keinen zotteligen Hund gebrauchen, die Hinterhand musste trotz dicker und isolierender Haarpracht in ihrer Bewegung frei bleiben. Nur unten über den vier Pfoten ließ man Haarpuscheln stehen, was für stärkeren Vortrieb beim Schwimmen sorgte. Auch der Brustkorb wurde kaum geschoren, hier sollte das Haar vor Kälte schützen. Ebenfalls links und rechts des Rückens blieben zwei Polster zum Schutz der Nieren stehen. Das hatte damals hohen Gebrauchswert und sicherte die Gesundheit des Hundes auch bei kaltem Wasser. Auch die Rassenbezeichnung „Pudel“ erinnert noch an den Einsatzbereich der Tiere. „Puddeln“ war früher ein Begriff für plantschen, was Pudel auch heute noch gern aus Anlage tun. Der „Continental-Schnitt“, den auch Graphic Silverdollars trägt, gibt diesen alten „Jagdschnitt“ ziemlich genau wieder.
Bei der Jagd werden heute keine Großpudel mehr eingesetzt, aber sie haben sich andere Arbeitsbereiche erobert. Pudel gelten als intelligent und gelehrig und sie sind ausgesprochen friedlich und insofern sehr pflegeleicht. Sie werden zu Blinden- und Assistenzhunden ausgebildet und auch zu Leichenspürhunden.
Wie aber wird die Zukunft von Graphic Silverdollars aussehen? „Er ist jetzt der ganze Stolz seiner Rasse“, sagt Herbert Zimmermann nicht ganz ohne Stolz. „Der Rüde geht jetzt in die Zucht, und wir hoffen alle, dass er seine blendenden Anlagen gut vererbt“. Ein lustiges Leben für den jungen Rüden, dessen Name und Bewertung Großburgwedel in aller Pudelzüchter Munde bringen wird. Marion und Hebert Zimmermann wissen das, immerhin ist Graphic Silverdollars schon ihr sechster Pudel, der den Titel Weltsieger tragen darf.