Der Poet in der Schuldenfalle begeisterte das Publikum

Poet Lennard Krause (v.l.) und König (r.) Sicco Bremer begeisterten das Publikum mit ihrem humorvollen verbalen Schlagabtausch. (Foto: Anna Kentrath)
 
Mit nur wenigen Requisiten schafften es die Akteure der Theatergruppe der Pestalozzi-Werkstatt eine unterhaltsame Geschichte zu erzählen. (Foto: Anna Kentrath)

Szenenapplaus für die Theatergruppe der Pestalozzi-Werkstatt

BURGWEDEL (ak). Für einen vollen Saal sorgte vergangenen Freitagabend die Theatergruppe der Werkstatt für behinderte Menschen der Pestalozzi-Stiftung in der Aula der Förderschule in Großburgwedel. „Vorhang auf“ hieß es für das mittlerweile 5. Theaterstück unter der Anleitung des freien Theaterpädagogen Matthias Bittner. Über neun Monate lang hatten die 10 Teilnehmer der Theatergruppe gemeinsam das Stück erarbeitet, sich eine Geschichte überlegt und persönliche Erlebnisse und Gefühle mit einfließen lassen.
Nichts sei vorgefertigt, klärte Theaterpädagoge Matthias Bittner stolz das Publikum auf. „Es gibt eine Idee des Stückes und mit dieser arbeiten die Leute“. Die Akteure der Theatergruppe hatten eine Geschichte entwickelt, einen szenischen Ablauf, sich über Requisiten und Kostüme Gedanken gemacht, doch der Text wurde improvisiert. Gar nicht so einfach, in der jeweiligen Situation spontan die passenden Worte zu finden, das stellte auch das Publikum fest, welches treffende Formulierungen immer wieder mit begeistertem Klatschen honorierte.
Die Zuschauer ließen sich schnell von der Begeisterung der Schauspieler mitreißen, reagierten auf die Ansprache der Akteure und gaben immer wieder Szenenapplaus. Eine ausgelassene, man kann sagen, familiäre Stimmung, die die anfängliche Nervosität einiger Schauspieler schnell abbaute.
In die Ausgangssituation konnte man sich schnell hinein versetzen. Der mittellose Schriftsteller wird von seinem Vermieter bedrängt, die ausstehende Miete zu begleichen. Neben diesem werden weitere Personen bei dem Schuldner vorstellig, denn auch Friseur und Finanzamt stellen Forderungen, die der Autor nicht begleichen kann. Der Vermieter stellt ein Ultimatum, fordert die Zahlung bis Mitternacht und der Schriftsteller gerät ordentlich ins Schwitzen, bei der Fertigstellung seines Romans, der den erwünschten Erfolg bringen soll. Auch die Liebe kam in diesem Stück nicht zu kurz, die Tochter des Vermieters hat den Schreiberling in ihr Herz geschlossen. Roman und Wirklichkeit scheinen im Verlauf des Stückes immer weiter zu verschmelzen, der Schriftsteller wird zum Poeten, der Vermieter zum König und auch ein verschwundener Schatz rückt in den Mittelpunkt des Geschehens.
Mit wenigen Requisiten schuf die Theatergruppe eine Kulisse, die kaum verändert werden musste. Besonders raffiniert war ein leerer Bilderrahmen, der an der hinteren Wand hing und immer wieder ein neues „lebendes“ Bild enthielt.
Den Kern des Stückes bildete der verbale Schlagabtausch zwischen dem Poeten gespielt von Lennard Krause und dem König, Sicco Bremer. Mit wunderbarer Situationskomik und humorvoll frechen Bemerkungen improvisierten sie sich durch das Stück. Poet Lennard Krause schien dabei nicht nur in der Geschichte die Handlungsstränge seines Romans zu verknüpfen, auch das Theaterstück selbst wurde von ihm zusammengehalten, da er genau wusste, wer wann auf der Bühne zu sein hatte, und der im Fall der Fälle zu lang werdender Pausen bis zum nächsten Auftritt gekonnt überspielte.
Ein unterhaltsamer Abend bot sich den Zuschauern, die die besondere Stimmung zu schätzen wussten. Mit einem Satz traf Theaterpädagoge Bittner die Wirkung dieser Aufführung ganz deutlich: „Auf jeden Fall sind alle mit ganz viel Enthusiasmus dabei“.