Der „Pfingstvogel“ braucht Hilfe

Der Pirol liebt Standorte mit großen, stattlichen Bäumen. (Foto: NABU/Werner Heinrichs)

Pirole nisten in Kronenbereichen von Erlen, Eichen oder Pappeln

Region Hannover (r/bs). Unter dem volkstümlichen Namen „Pfingstvogel“ kann sich hierzulande kaum jemand etwas vorstellen – nicht mehr: Und doch geht es um eine ganz besonders auffällige, für hiesige Breiten große Vogelart: den Pirol.
Männliche Pirole mit ihrem goldgelb-schwarzen Gefieder – die Weibchen sind grünlich-schwarz ausgefärbt – erreichen die stattliche Größe einer Amsel. Dass sie den Menschen kaum auffallen, liegt an ihrer Lebensweise: Sie zählen zu den Bewohnern der Baumkronen.
„Aber den Gesang, den flötenden Ruf, wird kein Vogelfan vergessen“, sagt Rüdiger Wohlers vom NABU Niedersachsen. Auch diesen hat der Volksmund karikiert, indem er dem Pirol, der 1990 NABU-„Vogel des Jahres“ war, den Beinamen „Vogel Bülow“ verpasste. „Das flötende ‚didlioh‘ ist nicht zu überhören“, schmunzelt der NABU-Aktive, der den Langstreckenzieher charakterisiert: „Der Pirol kehrt Ende April, Anfang Mai zu uns zurück, nachdem er den Winter im tropischen Afrika verbracht hat.
Es sind ungeheure Flugleistungen, die der Pirol erbringen muss, denn seine Überwinterungsgebiete liegen südlich der Sahara, insbesondere in den Wäldern Ostafrikas bis hinunter nach Mosambik. Aber auch in West- und Südafrika überwintern sie. Bereits Ende Juli, Anfang August machen sich die hiesigen Pirole nach dem Ende der Brut wieder auf den langen Weg gen Süden“, berichtet Wohlers, der den Pirol für eine der faszinierendsten Vogelarten hält.
Und doch macht sich der NABU Niedersachsen Sorgen um den Pirol, der aufgrund seiner Gefährdung mittlerweile bis in die Vorwarnliste der Roten Liste der gefährdeten Arten vorgerückt ist: „Pirole lieben Standorte mit großen, stattlichen Bäumen, sehr gern in Gewässernähe. Auwälder, alte Parks, gewässerbegleitende Baumgruppen, aber auch Alleen, Parks, große Gärten und Streuobstwiesen mit altem, hohem Baumbestand werden gern von Pirolen besiedelt.
Oft nisten sie in Kronenbereichen von Erle, Eiche oder Pappel. Sehr kunstvoll wird dort vom Weibchen durch allerlei Schling- und Wickelarbeiten ein napfartiges Nest in eine Astgabel gebaut, das durch Einspeichelung miteinander aus Halmen, Fäden und anderen Pflanzenbestandteilen verwoben und abgedichtet wird – eine echte architektonische Meisterleistung in der heimischen Vogelwelt“, zeigt sich der Naturschützer begeistert.
Probleme hat der Pirol leider genug: Seine Hauptnahrung, Insekten, wird weniger. Auwälder sind großenteils verschwunden, viele Streuobstwiesen ebenso. Seit den 60er Jahren gehen größere Feldgehölze und Bauminseln in der ausgeräumten Landschaft zurück. Und: In seinen Überwinterungsgebieten schwinden die tropischen Wälder durch Einschlag und infolge des menschengemachten Klimawandels. Hinzu kommt, dass etliche Pirole immer noch auf ihrem langen, gefährlichen Zugweg in den Süden illegal getötet werden.
„Wir machen uns große Sorgen, dass auch der Pirol in nicht allzu ferner Zeit nur noch im Heimatmuseum zu sehen sein wird“, bringt es der NABU-Mitarbeiter auf den Punkt. „Dem Pirol kann durch konsequenten Schutz alten Baumbestandes, durch Erhaltung von Auwäldern, aber auch durch Schutz und Neuanlage von Streuobstwiesen mit alten, hochstämmigen Sorten, sowie durch Klimaschutzmaßnahmen geholfen werden“, sagt Wohlers. „Und wer den Platz in seinem großen Garten hat, kann dort Eiche, Erle, Pappel und andere Großbäume pflanzen – und sie auch groß wachsen lassen. Der Pirol wird‘s danken!“ Der Naturschützer ruft auf: „In den entsprechenden Lebensräumen, vielleicht nahe Fluss oder See, lohnt es sich nun, dem flötenden ‚Didlioh‘-Ruf des Pirols zu lauschen – schöner geht´s nicht!“
Der NABU Niedersachsen hält ein kleines Info-Paket aus der Bauplansammlung für Nisthilfen und der Farbbroschüre „Vögel im Garten“ bereit. Es kann angefordert werden gegen Einsendung einer 5-Euro-Banknote beim NABU Niedersachsen, Stichwort ‚Vögel im Garten‘, Alleestr. 36, 30167 Hannover.