„Der Neue“ und das Volks- und Schützenfest

Die Beteiligung an den Umzügen zum Wettmarer Schützenfest war größer als in den Vorjahren. (Foto: Renate Tiffe)
 
Ortsbrandmeister Karsten Weigt beim Ehrentanz mit seinem Stellvertreter Ingo Bähre. (Foto: Renate Tiffe)

Bewährungsprobe für Andreas Genske an der Spitze von „Gut Ziel“

WETTMAR (ti). Achtzehn Jahre lang hat Joachim Schluckebier-Risse die Geschicke vom Schützenverein „Gut Ziel Wettmar von 1902“ gelenkt. Anfang dieses Jahres trat Andreas Genske die Nachfolge an.
Die Frage stand im Raum, wie das erste Schützenfest unter seiner Leitung verlaufen würde. Hing es damit zusammen, dass die Zahl der Gäste und Teilnehmer am Kommersabend groß war und der Umzug am Sonntag so lang wie kaum jemals vorher? Genske bekam viel Zuspruch. Mit anderen Worten: er hat die Bewährungsprobe glänzend bestanden.
Pünktlich um 19.30 Uhr war der Zug der Schützen zum Kommers am Freitagabend im Festzelt eingetroffen. Gleich bei der Begrüßung stellte Genske die Bedeutung des Schießsports heraus, der gelegentlich nicht als Sport anerkannt werde. Er lud ein zum Selbstausprobieren und warb für den Verein, indem er Aufnahmeformulare verteilte.
Auch der Bürgermeister meinte, dass es sich um einen Sport handele, der unterschätzt wird. In Wettmar werde er jedoch perfektioniert auf der schönsten Anlage der Region, betonte Dr. Hendrik Hoppenstedt. Er lobte die Arbeit des langjährigen Vorsitzenden, die weit über die Grenzen Burgwedels hinaus Anerkennung finde. Die umfangreiche Jugendarbeit im Verein hob Wettmars neuer Ortsbürgermeister Michael Kranz hervor. Sie sei Sozialarbeit am Platz, meinte er und machte auch aufmerksam auf die gute Zusammenarbeit unter den Vereinen im Ort.
Vor dem gemeinsamen Königsessen wurden die Kinder- und Jugendköniginnen geehrt. Bemerkenswert ist, dass Sandra Krüger, neun Jahre alt, nach 2011 schon zum zweiten Mal Kinderkönigin mit dem Lichtpunktgewehr geworden ist. Die Jugendscheibe errang Melissa Schluckebier-Risse.
Bevor er die Pokalsieger und mit Silke Bäßmann die Gewinnerin der Glücksscheibe bekannt gab, trug Genske, der es auch sonst mit der Literatur hielt, noch ein Schützengedicht vor. Feierlich wurde dann die Königsproklamation vollzogen. Glücklich ließ sich Dietlinde Rieckenberg als Damensiegerin die Kette umlegen und das Diadem aufsetzen. Gelassener nahm Thomas Reinike die Königsscheibe entgegen. Die Volksscheibe ging an Dennis Segger und die Juniorenkette an Isabel Müller.
Eine wichtige Ehrung hatte zwischendurch stattgefunden. Joachim Schluckebier-Risse wurde wegen seiner großen Verdienste um den Verein per Satzungsbeschluss zum Ehrenvorsitzenden ernannt – was ihm, dessen lockeres Mundwerk Legende ist, kurz die Sprache verschlug. „Du bist der Ehrenvorsitzende und ich bin der Chef“, nutzte Genske die Gunst der Stunde.
Dem Königstanz soll an diesem Abend keine lange Nacht gefolgt sein, was am Samstag dann bei vollem Zelt kräftig nachgeholt wurde. Die Scheiben waren beim Umzug im Dorf und mit vielen Schaulustigen alle angenagelt worden. Bei der Schützenkönigin mussten die Annagler mit einem Hoflader am Giebel hochgehievt werden und bei Familie Reinike kletterte Holger Brunkhorst aufs Dach, um die Scheiben anzubringen. Neben Vater Thomas wurde auch Tochter Marina geehrt, die Landesverbandskönigin 2012 geworden war und den 2. Platz im Bundeswettbewerb belegt hatte, wie der Vorsitzende stolz und in gereimter Form vermerkte.
Es war ein schönes Bild wie der lange Festumzug am Sonntag vor dem Dorfgemeinschaftshaus einschwenkte, sich an der Bruchstraße entlang bewegte, und das Ende noch an der Hauptstraße zu sehen war. Drei Kapellen begleiteten den Zug, der vorher dem Pflegeheim am Immenweg seinen obligatorischen Besuch abgestattet hatte.
Etwas Besonderes hatten sich die Schützen anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Feuerwehr ausgedacht. Weil es mit der erwünschten Volksscheibe nicht geklappt hatte, konnten die Feuerwehrleute eine Überraschungsscheibe an der Giebelseite des Hauses anbringen. Ortsbrandmeister Karsten Weigt zeigte sich gerührt und deutete dies als schöne Geste der Freundschaft und Kameradschaft, die zeige, dass es „wieder funktioniert unter den Wettmarer Vereinen“. Als für den eingeforderten Ehrentanz keine Dame zu haben war, schnappte er sich kurz entschlossen seinen Stellvertreter Ingo Bähre für ein paar Runden unter lautem Hallo.
Ein Schützenfest – leider mit einem kriminellen Vorkommnis im Hintergrund, dem Festwirt wurde die Kasse geraubt, in einer Art Aufbruchstimmung für viele. Er wolle alles dafür tun, dass die Dorfgemeinschaft noch mehr zusammenwächst, sagt Andreas Genske, der seit sieben Jahren in Wettmar wohnt und seit 2½ Jahren dem Verein angehört. Wenn es läuft bei über 200 Mitgliedern, gehe es so weiter. Nur wo etwas nicht laufe, wolle er eingreifen.


Apollo-Pokal für die Bogenschützen

Offiziell ist die Sparte der Bogenschützen im Januar dieses Jahres gegründet worden. Sie zählt derzeit etwa 20 Mitglieder. Das Angebot, die Sparte schon mit am Königsschießen zu beteiligen, wurde auch von anderen Mitgliedern des Schützenvereins gern angenommen.
27 Schützen mit Pfeil und Bogen traten zum Wettbewerb an. Rainer Fredermann, vorher Ortsbürgermeister in Wettmar und jetzt Landtagsabgeordneter, stiftete für den Sieger einen Pokal, den sog. Apollo-Pokal. Der griechische Gott mit den vielen Eigenschaften sei u.a. auch der Gott der Bogenschützen, erklärte er launig.
Den Pokal gewann Karsten Schluckebier, der Schießsportleiter des Schützenvereins. Er habe zum ersten Mal mit dem Bogen geschossen bekannte er freimütig – „das Glück des Anfängers“. Nach einem Jahr gibt er die kleine Bronzestatue an den Nächsten weiter und erhält einen Orden an dessen Stelle.