Der Mühlenbaum steht rechtzeitig zum Mühlentag

Der Mühlenbock steht auf dem neuen Fundament. Damit haben Wiederaufbau und Restaurierung der Bockwindmühle begonnen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
1.„Ein guter Bohrkern mit engen Jahresringen, da lässt sich das Alter bald sehr genau bestimmen“, urteilte Erhard Preßler. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Heimatverein präsentiert zum Mühlentag uralte Grützmühle

WETTMAR (hhs). Der Donnerstag dieser Woche war ein großer Tag für den Heimatverein für das Kirchspiel Engensen Thönse Wettmar. Wie geplant stand morgens gegen 7.30 Uhr ein Kran am neuen Standort für den Wiederaufbau der Bockwindmühle. Auch die Mitarbeiter der Zimmerei Blümner aus Bismark in der Altmark waren vor Ort und obendrein ein weiteres Fahrzeug der Preßler GmbH, ein Unternehmen aus Gersten/Lingen Ems, dass sich auf dendro-chronologische Altersbestimmungen von Holz spezialisiert hat. Gerd Brenneke, der Vorsitzende des Heimatvereins, und seinen Mitstreitern fiel ein Stein vom Herzen: Der Mühlenwiederaufbau hat begonnen, die Stimmung war entspannt, denn schnell begannen die Handwerker ihr Werk.
Zunächst legte der Kran die beiden schweren Schwellenhölzer auf die vier Fundamente im rechten Winkel übereinander, und dann ging es an den Mühlenbaum. Doch dieser wurde erst einmal in eine Position gelegt, in der man gefahrlos an ihm arbeiten kann. Der Grund: Nun wollten Erhard und Dino Preßler erst einmal einige Löcher in das alte Eichenholz der Mühle bohren, damit sie das korrekte Alter der Mühle bestimmen können. Dazu gehört eigentlich nicht mehr, als eine Bohrmaschine und ein langer hohler Bohr, der einen Kern aus dem massiven Holz heraus bohrt. Das ist vollkommen unspektakulär und im Prinzip Handwerksarbeit. „Die Bohrkerne werden im Betrieb noch weiter behandelt, damit wir die Jahresringe gute erkennen können“, erklärte Erhard Preßler das Verfahren. „Wichtig dabei ist, dass wir einen Kern dabei haben, der sich an der so genannten Waldseite, also im Jahr des Fällens des Baumes, direkt unter der Rinde des Baumes befand“, erklärt er das weitere Procedere. „Jahresringe aus Jahren mit guten Wachstumsbedingungen sind breiter als solche aus Jahren mit schlechten Lebensbedingungen. Da für alle Bäume einer Art in einem bestimmten Gebiet die Lebensbedingungen annähernd gleich sind, weisen alle Bäume dieser Art dieser Region etwa die gleiche charakteristische Abfolge von schmalen und breiten Jahresringen auf“, erläutert Preßler in einer Formulierung, die einem Lexikon alle Ehre machen würde, den Ansatz der Dendrochronologie. Sein Unternehmen habe Vergleichsproben, die den gesamten Zeitraum bis 8.000 vor Christi abdecken. Der Vorteil zu anderen Verfahrensweisen liege darin, dass dieser Zeitraum auch lückenlos dokumentiert werden kann, man deswegen fest davon ausgehen könne, dass am Ende ein korrektes Datum feststehen werde.
Am späten Vormittag wurde der Mühlenbaum aufgestellt und mit den Streben gesichert. Ein schöner Moment, denn damit war der eigentliche Bock der Mühle wieder aufgestellt.
Die erste Gelegenheit, sich einen Eindruck über die Anstrengungen des Heimatvereins bei der Wiederinstandsetzung der Bockwindmühle zu machen, besteht am kommenden Montag aus Anlass des bundesweiten Mühlentages. Von 11.00 bis 18.00 Uhr sind die Mitglieder des Heimatvereins vor Ort und beantworten alle Fragen. Die Besucherinnen und Besucher werden dort auch verpflegt, mit Kaffee, Kuchen, Bratwurst, Bier und Brause. Und etwas ganz besonderes gibt es dabei auch zu sehen: Der Heimatverein hat das wohl älteste Teil der Bockmühle, die „Grützmühle“ als Leihgabe bekommen. Mit diesem besonderen Gerät wurde früher aus Hafer, Gerste, Roggen, Weizen, Dinkel, Buchweizen und anderen Getreiden Grütze gemahlen. Grütze war in früheren Jahrhunderten die wichtigste „Beilage“ auf den Tafeln der ländlichen Haushalte. Erst mit dem Aufkommen der Kartoffeln wurde sie aus dieser Rolle beinahe vollständig verdrängt. Gut 200 Jahre soll diese Grützmühle in der Bockwindmühle ihren Dienst verrichtet haben.