„Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus...“

„Der Mai ist gekommen...“ (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
„...die Bäume schlagen aus....“ (Foto: Hans Hermann Schröder)

Allgemeine Aufbruchstimmung zum Sommer macht sich breit

BURGWEDEL (hhs). Morgen ist der 1. Mai, und da sollen nach dem bekannten Lied, für dessen Text der Dichter Emanuel Geibel als junger Mann im Jahr 1841 gesorgt hat, die Bäume ausschlagen. Mit dem Begriff „ausschlagen“ ist das allerdings so eine Sache: Pferde schlagen aus, und Esel auch, wenn sie zornig sind, aber auch vor Lebensfreude, wenn sie nach langem Aufenthalt im Stall endlich wieder an die frische Luft dürfen. Bei den Tieren ist es ähnlich wie bei uns Menschen nach diesem Winter: Sonne, frische Luft, Wärme, Licht, das lockt ins Freie, in die Natur, um Teil zu sein des allgemeinen Wiedererwachens. Schlagen die Bäume nun aus oder treiben sie aus? Austreiben ist eigentlich ein Begriff dafür, das Vieh nach dem letzten Frost wieder auf die grünende Weide zu treiben, das geschieht auch Anfang Mai. Egal, ob sie ausschlagen oder austreiben, hinaus ins Freie, es beginnt die schönste Zeit des Jahres!

Dabei hat Emanuel Geibel nur das auf den Punkt gebracht, was schon zu seiner Jugend überall in Deutschland und auch seinen Nachbarländern üblicher Frühlingsbrauch war: Zu Maibeginn wurde der Sommer begrüßt, entweder mit den Maibäumen, was ab dem 12. Jahrhundert durch Quellen belegt ist, oder durch so genannte „Schmuckmaien“, kleine Bäumchen oder Pflanzen, die man der Liebsten, dem Pfarrer oder dem Bürgermeister schenkte. Der klassische Maibaum, wie wir ihn heute kennen, bis auf den Wipfel entastet, geschmückt und in die Erde gerammt, ist zum ersten Mal im 16. Jahrhundert in Franken als Orts-, Tanz- und Ausschankbaum erwähnt worden.
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts pflegten die Burschenschaften diese Maitraditionen. In deren Rahmen hatte auch Emanuel Geibel die Faszination des Wonnemonats Mai für sich entdeckt. Sein Gedicht drückt diese in starken Worten aus. Die volkstümliche, eingängige Melodie stammt vom Justus Wilhelm Lyra und entstand 1843.
Und natürlich ist der 1. Mai auch gesetzlicher Feiertag in vielen Ländern dieser Welt. Er wurde von der Zweiten Internationalen 1890 auf ihrem Gründungskongress als Kampftag der Arbeit begründet und erstmals mit Massendemonstrationen begangen. Es ist eine der vielen Perversionen der nationalsozialistischen Gewaltherrscher, dass sie nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und der Installierung der Deutschen Arbeitsfront 1933 den 1. Mai als „Tag der nationalen Arbeit“ ideologisch umgewertet haben. Im Ostblock wurde der 1. Mai als „Internationaler Kampf- und Feiertag der Werktätigen“ mit organisierten Massenaufmärschen begangen und von Staatspartei oder Einheitsgewerkschaft organisiert.
Diese ganz unterschiedlichen Ausprägungen hatten ganz und gar nichts miteinander gemein, allenfalls, dass sie an frischer Luft draußen stattfanden. Auch das hatte Geibel schon empfunden und formuliert in der sechsten und letzten Strophe seines Gedichts: „O Wandern, O Wandern, Du freie Burschenlust! Da wehet Gottes Odem So frisch in die Brust; Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt: Wie bist Du doch so schön, O Du weite, weite Welt!“ Also auf ins Grüne, zur nächsten Maibaumfeier, das Leben genießen...