Der Grundstein für die Wettmarer Bockwindmühle ist gelegt

Nach der Grundsteinlegung, die Otto Bahlo und Gerd Brenneke vornahmen, übergab der frühere Besitzer der Mühle, Herbert Christian Delfs einen historischen Türklopfer als Geschenk. (Foto: Renate Tiffe)
 
Das Mühlenmodell zum Spendensammeln ist immer dabei. Michael Kranz erklärt zwei jungen Besuchern, wie die Mühle funktionieren wird. (Foto: Renate Tiffe)

Der neue Standort wird als ideal angesehen

Wettmar (ti). Eine große Zuschauermenge, darunter viele Repräsentanten des öffentlichen Lebens, hatten sich am vergangenen Sonnabend auf dem neu erworbenen Grundstück „Auf der Horst“ in Wettmar eingefunden. Der Heimatverein für das Kirchspiel Engensen Thönse Wettmar hatte zur Grundsteinlegung für die Wiedererrichtung der Bockwindmühle auf der leichten Anhöhe am östlichen Ortsrand eingeladen.
„Wir sind froh über die Fläche von 2200 qm, die uns die Kirche abgetreten hat“, betonte der Vereins-Vorsitzende Gerd Brenneke bei der Begrüßung. Von hier aus könne der Blick über Engensen, Thönse und Wettmar schweifen, wo auch der Kirchturm zu sehen ist. Fünf Windmühlen habe es einst in den drei Dörfern gegeben, von denen die eine, nur wenige 100 Meter entfernt, ebenfalls Auf der Horst bis 1924 gelaufen sei. Nie ihrem eigentlichen Zweck gedient hat dagegen die gut sichtbare Mühle von 1920 in Engensen. Brenneke bezeichnete den Standort als „gut“, für den andere weitaus mehr lobende Worte fanden. Als „phantastisch“, „geradezu ideal“ beurteilte ihn der frühere Besitzer der Mühle, Herbert Christian Delfs. Und auch der stellvertretende Stadtbürgermeister Otto Bahlo, der den erkrankten Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt bei der Grundsteinlegung vertrat, sprach von einem idealen Standort.
Die vier Fundamentsblöcke waren bereits errichtet, als Brenneke und Bahlo zur Tat schritten. An der zentralen Stelle, wo demnächst der Hausbaum der Mühle errichtet wird, versenkten sie die metallene Hülse mit wesentlichen Papieren wie der Baugenehmigung und den Protokollen des Heimatvereins neben dem tagesaktuellen Beiwerk wie Zeitungen und Münzen in die vorbereitete Röhre. Auch ein eigens kreierter „Mühlenschluck“ war dabei, als Bahlo die Öffnung penibel mit Zement verstrich. Möge das 400 Jahre alte Bauwerk noch weitere Jahrhunderte Bestand haben und kommenden Generationen Auskunft geben über eine uralte Technik, die diesen Ortschaften einmal zu Reichtum verholfen hat, sagte Bahlo. Selbstverständlich wurde zur Bestätigung des offiziellen Akt mit einem Mühlenschluck angestoßen.
Nach langem Hin und Her mit verschiedenen Grundstückseigentümern hatte sich schließlich die Kirchengemeinde entschieden, das Grundstück auf der Horst zur Verfügung zu stellen- was im Kirchenvorstand nicht unumstritten war. Warum sich die Kirche letztendlich für das Mühlen-Umbau einsetzte, erklärte Pastor Wilfried Karneboge in seiner kurzen Ansprache. Verloren gegangen seien uns Heutigen die Zusammenhänge. Die alten Mahltechniken vermittelten noch etwas von dem biblischen „im Schweiße Deines Angesichts sollst du Dein Brot essen“ , etwas von Saat und Ernte, vom Lebensmittel Brot, aber auch von Erfolg, der mit Arbeit zu tun hat. So gesehen sei eine funktionierende Mühle ein wichtiges Erfahrungsfeld für Kinder und Jugendliche. Seine Worte und der anschließende Segen wurden mit Beifall bedacht.
Vier Tage hatte der Abbau der Mühle an ihrem bisherigen Standort gedauert. In der Woche vor Pfingsten wird der Hausbaum aufgestellt – vermutlich der einzige Teil der Mühle, der noch aus dem Jahr 1581 stammt. Schon bereit liegen die Kreuzschwellen, so dass am Internationalen Mühlentag zu Pfingsten der Bock schon aufgebaut sein wird. Im September wird mit der Fertigstellung gerechnet. Nur die Flügel, sozusagen der Motor der Mühle, werden dann noch fehlen, erläuterte Rüdiger Hagen, der Mühlenbauer. Die 45.000 Euro dafür sind im Kostenvoranschlag bis jetzt nicht enthalten und müssen zusätzlich aufgebracht werden.
250.000 Euro waren für den ersten und den zweiten Bauabschnitt vorgesehen. An den Kosten beteiligen sich neben Stadt und EU die Denkmalpflege, die Volksbank und Einzelspender. Das Mühlenmodell mit dem Unterbau für eventuelle Spenden fehlte auch bei der Grundsteinlegung nicht.
Was den Vereinsvorstand, allen voran Kassenwart Michael Kranz, bei der Finanzierung einigermaßen optimistisch stimmt, ist die große Bereitwilligkeit hiesiger Handwerksbetriebe, sich mit ehrenamtlicher Hilfe an dem Projekt zu beteiligen, indem sie beispielsweise zeitweise Mitarbeiter abordnen. Auf diese Weise waren auch die oben genannten Betonsockel entstanden. „Wir sind als Heimatverein gut vernetzt“, freute sich Kranz.