Der erste Stolperstein ist Dr. Albert David gewidmet

Die Arbeitsgruppe kümmert sich um das Schicksal der NS-Opfer: Bürgermeister Axel Düker, Jürgen Zimmer, Andrea Stroker, Rolf Fortmüller und Irmtraud Heike. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Arbeitsgruppe sammelt Informationen zu NS-Opfern

GROSSBURGWEDEL (hhs). In der letzten Ratssitzung in der Amtszeit von Burgwedels Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, den Opfern der Nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Burgwedel mit sogenannten Stolpersteinen zu gedenken.
Die Stolpersteine sind ein Projekt des Kölner Künstler Gunter Demnig. Es handelt sich bei ihnen um eine Messingtafel mit dem Namen des Opfers der NS-Herrschaft und einem Hinweis auf dessen Schicksal. Diese Tafeln werden vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz des Opfers in das Pflaster eingelassen. In Deutschland hat Demnig in mehr als 500 Kommunen diese Stolpersteine verlegt.
Der erste Stolperstein in Burgwedel ist dem wohl prominentesten Opfer in Großburgwedel vorbehalten. Er ist Dr. Albert David gewidmet, an dessen Schicksal auch die Dr. Albert-David-Straße im Zentrum Großburgwedels erinnert.
Der jüdische Arzt soll sich am 9. Mai 1940 mit einer Giftspritze das Leben genommen haben, um der direkt bevorstehenden Verhaftung durch die Gestapo zu entgehen. Gunter Deming kommt am 29. Juni nach Großburgwedel und wird diesen ersten Stolperstein an der Ecke Burgdorfer Straße/Alter Postweg verlegen.
Hoppenstedt hatte diese Form des Gedenkens an die Opfer des NS-Regimes damals gewissermaßen als persönliche Herzensangelegenheit bezeichnet und ihr angesichts der jahrelangen Mahnmaldebatte besondere Bedeutung beigemessen. Inzwischen hat die Stadt Burgwedel die geschichtliche Aufarbeitung dieser Opferschicksale mit aller Sorgfalt in die Wege geleitet.
Bürgermeister Axel Düker erläuterte vor der Presse, dass eine Arbeitsgruppe entstanden sei, in der neben ihm als Verwaltungsspitze die Leiterin des Ordnungsamtes Andrea Stroker, der Journalist Jürgen Zimmer, Großburgwedels Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller auch die Historikerin Irmtraud Heike tätig geworden ist. Frau Heike ist mit einem Werkvertrag an die Stadt gebunden. Die Arbeitsgruppe soll in den kommenden Jahren die Schicksale der Opfer recherchieren.
Man habe die Opfer in vier Gruppen geteilt. Dr. Albert David stehe für die Gruppe der jüdischen Opfer, eine weitere Gruppe sind die drei Opfer der Euthanasie, vier Opfer der Sinti und Roma und die 28 Säuglinge polnischer Zwangsarbeiterinnen, die in Großburgwedel zu Tode kamen. Jedes Jahr, so erläuterte es Großburgwedels Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller, wolle man einer Opfergruppe gedenken und die Stolpersteine setzen. Fortmüller hat den ersten Stolperstein für Dr. Albert David finanziert.
Auch für die übrigen Stolpersteine setzt die Stadt Burgwedel auf das Engagement ihrer Einwohnerinnen und Einwohner. „Ein Stolperstein kostet 120 Euro in der Anschaffung. Wir hoffen, dass viele Mitbürgerinnen und Mitbürger die Kosten für einen Stein übernehmen“, so Bürgermeister Axel Düker.
Man müsse auch mit Folgekosten für Pflege rechnen. „Irgendwann muss die Messingplatte gesäubert und poliert werden“. Wer so einen Stolperstein sponsern möchte, überweise 120 Euro auf eines der bekannten Konten der Stadt Burgwedel unter dem Stichwort „Stolperstein“.
Die Arbeitsgruppe benötigt auch noch Hinweise auf die Biografien der Opfer. Dazu werden Zeitzeugen gesucht. Auch zum Schicksal von Dr. Albert David sind noch nicht alle Fragen geklärt. Wer dazu noch Unterlagen und Dokumente hat, möge sich bitte im Rathaus Großburgwedel unter 05139-897311 melden.