Der erste Stolperstein erinnert an Dr. Albert David

Der erste Stolperstein in Großburgwedel erinnert an den jüdischen Arzt Dr. Albert David, der sich 1940 angesichts der drohenden Deportierung 74jaährig das Leben genommen hat.

"Weiterer Schritt Burgwedels zur Aufarbeitung der Geschichte"

GROSSBURGWEDEL (hhs). Am Montag hat der Künstler Günter Demming den ersten Stolperstein in Großburgwedel gesetzt, am Alten Postweg. Der Stein ist eine Messingplatte, in etwa in der Größe eines Pflastersteins und erinnert an Dr. Albert David. Die Inschrift lautet „Hier wohnte und praktizierte Dr. Albert David, JG. 1866, Berufsverbot 1938, gedemütigt/entrechtet, Flucht in den Tod, 18.6.1940“. In den kommenden zwei bis drei Jahren werden weitere Stolpersteine für alle Opfer der Naziherrschaft in Großburgwedel gesetzt.
Es war eine bewegende Veranstaltung, die entgegen aller Erwartungen unter großer Beteiligung der Bevölkerung ablief. Knapp 170 Burgwedeler waren dorthin gekommen. Neben dem Stadt- und dem Ortsrat waren viele Vertreter der Verwaltung, der Kirchen und aus den vereinen und Verbänden gekommen. Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller hatte die Patenschaft für diesen ersten Stolperstein übernommen. Während der Künstler Günter Demming den Stein in das Pflaster einsetzte, begleitete ihn Michael Walrabenstein mit der Klarinette.
Ortsbürgermeister Rolf Fortmüller dankte in seiner kurzen Begrüßung allen, die an der Umsetzung des Projekts Stolpersteine mitgewirkt haben. Die Steine sollen mahnen, nicht zu vergessen und die Lehren aus den Geschehnissen der Vergangenheit für die Zukunft zu ziehen. Burgwedel Bürgermeister Axel Düker ordnete die Stolpersteine als weiteren Schritt Burgwedels zur Aufarbeitung der Geschichte des Naziterrors hier. Der Kantor der jüdischen Gemeinde in Hannover Andre Sitnov werde anschließend das jüdische Sterbegebet „El Male Rahamin“ singend auf Hebräisch zu beten.
Sitnov entschied sich für die Version, in der der jüdischen Opfern des Holocausts gedacht wird. Der Text lautet auf Deutsch: „Gott voller Erbarmen, in den Himmelshöhen thronend,
 es sollen finden die verdiente Ruhestätte unter den Flügeln Deiner Gegenwart,
 in den Höhen der Gerechten und Heiligen,
 strahlend wie der Glanz des Himmels, 
all die Seelen der Sechs-Millionen Juden,
 Opfer der Shoah in Europa, ermordet, geschlachtet,
 erbrannt, umgekommen in Heiligung Deines Namens;
 durch die Hände der deutschen Mörder
 und ihrer Helfer aus den weiteren Völkern.
Sieh die gesamte Gemeinde betet für das Aufsteigen ihrer Seelen,
 so berge sie doch Du, Herr des Erbarmens,
 im Schutze deiner Fittiche in Ewigkeit
und schließe ihre Seelen mit ein in das Band des ewigen Lebens. Gott sei ihr Erbbesitz,
 und im Garten Eden ihre Ruhestätte, 
und sie mögen ruhen an ihrer Lagerstätte in Frieden.
 Und sie mögen wieder erstehen zu ihrer Bestimmung
 am Ende der Tage.“
Am Abend fand noch eine Veranstaltung mit dem Künstler Demming, eine Lesung über das Leben von Dr. Albert David sowie eine Diskussion statt.