„Der erste Schritt ist geschafft, sorgen Sie nun für ein festes berufliches Wurzelwerk“

Die erfolgreichen Fleischerei-Fachverkäuferinnen und Fleischergesellen: „Starke berufliche Wurzeln sind wichtig auch für Ihr privates Leben“, gab ihnen Fritz Lindemann mit auf den Weg. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Silvia Hoppe, Mitte, hat als Betriebswirtin des Handwerks zusätzlich noch ihre Prüfung als Fleischerei-Fachverkäuferin abgelegt. Sie erhält von Fritz Lindemann, rechts, und Rolf Nagel Blumenstrauß und ein Präsent. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Fleischer-Innung Burgdorf sprach 5 Fachverkäuferinnen und 2 Fleischer frei

BURGDORF (hhs). Fritz Lindemann, Innungsmeister der Fleischer und in Personalunion Oberinnungsmeister der Kreishandwerkerschaft Burgdorf, wollte nicht die üblichen Bilder bemühen, die eigentlich immer die Freisprechungen der Innungen beherrschen. Er ging, wie er es formulierte, davon aus, dass heute jeder weiß, dass er Zeit seines Lebens weiter lernen muss. Lindemann orientierte sich in seiner Verabschiedungsrede an dem Bild eines heranwachsenden Baumes: „Sie alle kennen die Baumschulen, in den kleine Bäume heranwachsen, sie werden dort gehegt und gepflegt in ihrem ersten Lebensabschnitt. Das ist das Stadium, dass Sie jetzt in ihrem Leben hinter sich lassen müssen, das war ihr erster Lebensabschnitt“.
„Jetzt werden Sie nicht mehr so stark gehegt und gepflegt“, fuhr der Obermeister fort, „Sie müssen sich jetzt bemühen um Ihr starkes, festes Wurzelwerk. Wenn Ihnen das gelingt, werden Sie auch in Ihrem Privatleben erfolgreich sein, dann werden Sie auch ihren eigenen Weg gehen können. Nur mit starken Wurzeln können Sie die Stürme des Lebens bestehen“. Irgendwann würden die Bäume versetzt, würden dann allein stehen als Einzelbaum, von allen Seiten frei. „Dann brauchen sie diese Wurzeln zum Überleben“, gab er den erfolgreichen Prüflingen zu bedenken. „Wenn Sie die Selbständigkeit anstreben, die Bereitschaft zum eigenen Weg spüren, dann tun Sie es“. Er selbst habe diese Entscheidung vor 36 Jahren für sich getroffen und sie niemals bereut.
Die berufliche Problemlage bei Schlachtern und Bäckern ist identisch. Denkt man an vergangene Jahrhunderte, dann wird der Schwund in diesen Bereichen des Nahrungsmittelhandwerks klar: In Hildesheim zum Beispiel war die Innung der Knochenhauer so wohlhabend und zahlreich, dass sie sich das größte Fachwerkhaus der Welt, das heute wieder aufgebaute Knochenhauer Amtshaus leisten konnte. Im gesamten Altkreis Burgdorf gibt es nur noch 16 Innungsbetriebe bei den Fleischern, und nur noch acht Bäckereien. Ursache dafür ist der Kampf um die wirtschaftlichen Marktsegmente zwischen den Lebensmittelkonzernen. Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren und Konditorprodukte beherrschen von dort mit Dumpingpreisen den Markt. Massenproduktion stellt zwar den guten Preis sicher, aber auch die Qualität? Fritz Lindemann und Christian Maaßen und auch Berufsschulleiter Wilfried Klaus waren sich einig: „Sie stehen dafür gerade, dass gute Qualität auf den Warentisch und damit auch zu den Kunden gelangt“, hieß es. Womit auch gleichzeitig das Segment deutlich wurde, worin die drei die Zukunft für Bäcker und Schlachter sehen: Die Selbständigkeit und Eigenverantwortung in der Produktion von Lebensmitteln bester Qualität.
Schnell waren die Zeugnisse und Gesellenbriefe verteilt und dann griff zunächst ein alter Brauch: Aus dem uralten Innungshumpen gab es einen Schluck Prosecco für jeden erfolgreichen Prüfling, anschließend mussten die Herren noch einen Zigarillo rauchen. „Früher waren das dicke Zigarren“, erinnerte sich Lindemann wirklich etwas wehmütig, „und in dem Humpen war richtig guter Korn“. Alle machten diesen kleinen Spaß als Huldigung der langjährigen Traditionen mit. Dann ging es an die Tafel, auf der die Bäcker und Fleischer natürlich Leckeres aus den Innungsbetrieben aufgefahren hatten, der Qualitätssicherung wegen.
Die Gesellenprüfung Schlachter hat Nils Köhne aus Ramlingen vom Lehrbetrieb Albert Hoppe,Hänigse, bestanden. Tim Stein aus Hannover, lehrbetrieb real, hat die Gesellenprüfungim Bereich Vekauf bestanden. Die fünf neuen Fleischerei Fachverkäuferinnen sind Sylvia Hoppe aus Hänigsen, Ausbildungsbetrieb Albert Hoppe Hänigsen, Yvonne Nörenberg aus Lehrte, ausgebildet bei der Wilhelm Cramer GmbH Burgdorf, Ramona Renat aus Lehrte-Arpke, ausgebildet von Mathias Selent, ebenfalls Arpke, Kara Schmidt aus Hänigsen, ausgebildet bei Albert Hoppe und Najette Zeiwulski aus Burgdorf, ausgebildet bei Siegbert Papenburg in Otze.