Dem „Klinken putzen“ ein Schnippchen geschlagen

Mit Zahnbürsten bewaffnet machten sich Maike und Marcus gemeinsam ans „Klinken putzen“. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Mit heimlicher Heirat die Freunde überrascht

FUHRBERG (hhs). Es war eine außergewöhnliche Geschichte, die sich in den vergangenen Tagen in Fuhrberg abspielte: Marcus Giesche und seine langjährige Lebensgefährtin Maike Drechsler kamen aus dem gemeinsamen Bulgarien-Urlaub zurück.
Eigentlich nichts Besonderes, doch diese News machte im Freundeskreis schnell die Runde: Maike würde am Mittwoch ihren 30. Geburtstag feiern und sollte altem Brauch gemäß „Klinken putzen“. Die Prozedur des „Treppe fegens“ hatte Marcus zu seinem 30. auch über sich ergehen lassen müssen. Nun war also Maike an der Reihe – Termin war Mittwochabend um 18.00 Uhr auf dem Dorfplatz.
Schon eine halbe Stunde zuvor waren einige liebe Freundinnen und Freunde vor Ort, um den Platz noch etwas mit zeitgemäßen Dekos aufzumöbeln: Luftballons und natürlich einige Holzplatten, auf denen mit Zahncreme und anderen klebrigen Massen versehene Türklinken angebracht waren. Daneben tauchten einige Flaschen mit Wasser auf, ein Becher mit zwei Zahnbürsten. Es gehörte wenige Fantasie dazu sich auszumalen, was von Maike verlangt werden würde.
Zur allgemeinen Freude packte eine der Organisatorinnen dann eine Menge Kunststoffbecher aus, und einige Flaschen: „Ich habe hier Sekt, Bier und Wasser“, rief sie in die Schar der knapp 40 Schaulustigen, die nicht lange zögerten, dieser unmissverständlichen Einladung zu folgen.
Unterdessen hatten einige andere des Planungsteams Maike ausstaffiert und abgeholt. Die junge Frau war mit altmodischem Kittel, Kopftuch und Gummistiefeln kostümiert worden, erweckte den äußerlichen Anschein einer Oma aus den Fünfziger Jahren, die sich für den Frühjahrsputz präparierte. In diesem Aufzug wurde Maike auf einem Bollerwagen zum Ort der Tat gezogen, Lebensgefährte Marcus hinterher schreitend. Unter dem Gejohle der Freunde und Bekannten bog der Trupp auf den Dorfplatz ein.
Die Freunde begrüßten die beiden heimgekehrten Urlauber, und als einer anhob nun das kommende Prozedere für Maike zu erläutern, fiel ihm Marcus ins Wort: „Maike muss das heute Abend nicht machen, wir haben geheiratet." Betretene Stille unten vor den Stufen. Marcus und Maike fassten in die Taschen, und steckten sich gegenseitig die Ringe auf. „Wir waren in Las Vegas, dort kann man nach vier Tagen heiraten“, klärte er die Runde auf. Nach der kurzen Schrecksekunde brach der Jubel aus.
Neun Jahre seien sie schon zusammen, erklärte der frischgebackene Ehemann gegenüber den Burgwedeler Nachrichten. Er habe seine Maike auf dem Flughafen in Düsseldorf gefragt, ob sie ihn heiraten wolle. Sie habe „ja“ gehaucht. Er hatte zuvor recherchiert, dass in Las Vegas eine schnelle Heirat möglich ist und dass von Düsseldorf ein Direktflug dorthin gehe. Also wurde Bulgarien verworfen und Nevada gebucht. Am 12. Mai habe die Hochzeit stattgefunden.
Dann folgten die Gratulationen und schließlich sagte der Ehemann zu seiner Frau: „Wenn man verheiratet ist, soll man alles gemeinsam tun, lass' uns nun die Klinken putzen." Sie ergriffen die Zahnbürsten und begannen das mühsame Werk. Zwischendurch gab es Sekt, das ein oder andere Bier oder Wasser. Nach gut 20 Minuten ging es dann heimwärts, wo mit Speis' und Trank ordentlich Hochzeit gefeiert wurde.