„Das muss alles zusammen gedacht werden“

Im Burgwedeler Projekt mobil ans #werk soll die Mobilität der Zukunft gestaltet werden (v. l.): Conrad Vinken, städt. Bauamtsleiter Oliver Götze, Jens Asmuth, Axel Düker, Dr. Alexander Kind, Anja Hansch, Juniorprof. Dr. Meike Levin-Keitel, Lisa Nieße und Daniel Roßmann. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Burgwedeler Projekt mobil ans #werk entwirft neue Mobilitätslösungen

GROSSBURGWEDEL (bgp). Burgwedeler Unternehmen haben zunehmend Probleme, Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten.
Als Gründe werden fehlende oder sehr zeitaufwändige Verbindungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum genannt. Neue Lösungen für regionale Mobilität sollen nun mit dem Burgwedeler Projekt „mobil ans #werk – gemeinsam mit Unternehmen mobil“ gefunden werden.
Unter dem Dach des Mobilitätsprojektes wollen örtliche Unternehmen im Verbund mit Arbeitnehmern, der Politik und der Stadt Burgwedel neue Mobilitätskonzepte entwickeln, die nachhaltige Alternativen zum Autoverkehr bilden. Die erste Hürde wurde bereits genommen: Aus dem Zukunftswettbewerb #mobilwandel2035 des Bundesumweltministeriums erhält die Stadt eine Fördersumme von bis zu 150.000 Euro. Mobil ans #werk wurde aus 140 eingereichten Beiträgen von einer Fachjury ausgewählt, bundesweit bekamen zehn Projekte den Zuschlag.
Einen ersten Eindruck, worum es in dem Projekt geht, vermittelte Juniorprofessorin Dr. Meike Levin-Keitel von der TU Dortmund in einer Diskussionsrunde im Campusgebäude der Firma Kind Hörgeräte. Sie stellte mit der Stadt Burgwedel den Förderantrag für den Zukunftswettbewerb #mobilwandel2035 beim Bundesumweltministerium.
Dabei sei es wichtig, die unterschiedlichen Formen der Mobilität mit den Bedürfnissen der Menschen in Einklang zu bringen, so Levin-Keitel. Optimale Erreichbarkeit der Gewerbegebiete ebenso wie eine gute Verbindung zur möglichst belebten Innenstadt oder ein Foodtruck vor dem Betriebsgelände: „Das muss alles zusammen gedacht werden“, unterstreicht sie die zahlreichen Facetten, die in neuen Mobilitätskonzepten mitschwingen.
Der Burgwedeler Unternehmer Jens Asmuth hat seinen Firmensitz im Gewerbegebiet Kleinburgwedel. Das Gastechnologieunternehmen für zukunftsträchtige Wasserstoffantriebe hat in den letzten Jahren stark expandiert. Trotz vieler positiver Standortfaktoren sei es schwierig, Fachkräfte zu finden und dauerhaft zu behalten, erklärt der Wirtschaftsingenieur.
„Das scheitert oft an der sogenannten letzten Meile“, beschreibt er die Situation. Die jungen Menschen kämen zum Bewerbungsgespräch auch mal zu Fuß oder mit dem E-Scooter, da sie zwar mit dem Zug reisten, vom Bahnhof aus aber nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln in die Gewerbegebiete kämen.
Nicht jeder könne oder wolle sich ein Auto leisten, daher brauche es zeitgemäße Alternativen. Damit spricht Asmuth seinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern am Standort Burgwedel aus der Seele. Sie hätten ein „vitales Interesse“ daran, mit besseren Mobilitätsangeboten einen positiven Standortfaktor zu entwickeln, fasst Daniel Roßmann vom Drogerieunternehmen Rossmann zusammen.
Leihräder, Carsharing, Kabinenroller oder E-Scooter zählte er als Möglichkeiten auf, um die „letzte Meile“ bis zu den Firmen zu überwinden.
Alexander Kind vom gleichnamigen Akustik- und Optikunternehmen wünscht sich auch „Platz für einen Koffer“, da beispielsweise Auszubildende aus dem gesamten Bundesgebiet für mehrtägige Schulungen nach Burgwedel mit dem Zug kämen. Auch Shuttle-Kleinbusse vom Bahnhof zum Gewerbegebiet seien denkbar, erklärten die Unternehmer.
Schwierigkeiten mit der Fachkräftegewinnung räumte auch Axel Düker ein. Die Stadtverwaltung sei mit 300 Mitarbeitenden schon eine größere Arbeitgeberin, insbesondere Erziehungspersonal sei Mangelware. Da sich die Arbeitskräfte momentan die Jobs aussuchen könnten, sei es wichtig, mit guten Standortfaktoren wie bezahlbarem Wohnraum und flexiblen Mobilitätsangeboten zu punkten.
Ein Blick in die Statistik zeigt, dass Burgwedel als Kommune mit guter Verkehrsanbindung und starken Unternehmen 7649 Einpendler hat. Ein großer Teil davon kommt mit dem Auto zur Arbeit. Das hohe Verkehrsaufkommen wird zusätzlich verstärkt durch 5.353 Auspendler und 2.358 Arbeitskräfte, die sich innerhalb der Stadtgrenzen vom Wohn- zum Arbeitsort bewegen.
Die insgesamt täglich über 15.300 Pendlerbewegungen bringen die Stadt an die Belastungsgrenze: „Die Kapazität der Straßeninfrastruktur ist zu Stoßzeiten erreicht“, erklärt Bürgermeister Axel Düker.
Daher sei die Optimierung des Radwegenetzes ein weiterer Schritt, betonte der Bürgermeister mit Blick auf die umfangreiche Sanierung und den Ausbau der Radwege durch die Region Hannover. „Da sind wir umsetzungsstark“, hob auch der Fachbereichsleiter für Verkehr der Region Hannover, Conrad Vinken, hervor.
Nun kommt es darauf an, für die nächste Förderstufe „Zukunftsbilder“ zu sammeln. Ideen dazu wollen Stadtplanerin Lisa Nieße und die Burgwedeler Wirtschaftsförderin Anja Hansch in den nächsten zehn Monaten zusammentragen.
Meike Levin-Keitel übernimmt die wissenschaftliche Begleitung. „Wir möchten gerne von Arbeitnehmern- und Arbeitgebern wissen, was ihnen wichtig ist“, so Nieße. Im Verbund mit Region, Stadtverwaltung und Politik solle daraus eine „gemeinsame Vision“ entwickelt werden.
Mit einem guten Konzept und etwas Glück ist Burgwedel unter den fünf besten Projekten, die aus den zehn Beiträgen der ersten Förderstufe ausgewählt werden. Für die Umsetzung der fünf Konzepte aus dem Wettbewerb werden insgesamt 4 Millionen Euro Fördergelder vom Bundesumweltministerium ausgelobt.