Das Großburgwedeler Mahnmal soll gedenken und informieren

Habbo Knoch (links), Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, referierte über seine Vorstellungen zum Mahnmal. Ortsbürgermeister Otto Bahlo (Mitte) und Dr. Hendrik Hoppenstedt (rechts) hören aufmerksam zu. (Foto: Renate Tiffe)
 

Annäherung an eine neue Stätte des Erinnerns auf dem Friedhof

GROSSBURGWEDEL (ti). Geradezu geläutert schien der Großburgwedeler Ortsrat als Ortsbürgermeister Otto Bahlo den Tagesordnungspunkt mit dem Reizwort „Mahnmal“ aufrief. In Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt wurde Habbo Knoch, dem Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsische Gedenkstätten, Gelegenheit gegeben, seinen Vorschlag zur Gestaltung des Ortes auf dem Friedhof zu unterbreiten, der an die Toten des Ersten und des Zweiten Weltkrieges erinnern soll.
Knoch äußerte sich nicht weiter zu den historischen Fragen, die in Großburgwedel lange genug kontrovers diskutiert worden seien. Er wollte auch keine historischen Recherchen mehr. Jetzt stehe das Interesse, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen, im Vordergrund, betonte er.
Zur Konkretisierung schlug er eine neue Form des Erinnerns vor: Es solle nicht nur die Ebene des Gedenkens geben, so wie mit dem bisherigen Mahnmal, auf dem lediglich die Namen genannt wurden. Es habe sich als sinnvoll erwiesen, bestimmte Informationen nicht unerwähnt zu lassen. Bei der Neugestaltung solle eine Ebene der Information hinzugefügt werden.
Auf einem einheitlichen Gelände sollten also zwei getrennte Zonen geschaffen werden, die aufeinander verweisen. Die Namen - alle Namen - werden der Informationsebene zugeordnet, während die Gedenkebene mit einer aussagekräftigen Inschrift versehen werden soll. Individuellem Gedenken werde auf diese Weise ebenso Raum gegeben, wie dem Wissen über die ganze Bandbreite zweier Weltkriege und des Nationalsozialismus, so Knoch. Einbezogen wird das vorhandene Denkmal mit den Namen der Toten des Ersten Weltkrieges. Zusätzlich solle auf einer Stele im Eingangsbereich der historische Ort näher erklärt werden.
Knoch gab zu, dass seine Vorstellungen vorerst noch abstrakt erscheinen. Auch die Nachfragen der Zuhörer, die die Ausführungen mit Spannung verfolgt hatten und nach der Abstimmung in einer eingeschobenen Einwohnerfragestunde zu Wort kamen, ließen kein genaueres Bild von der künftigen Gedenkstätte erkennen. Der Sorge, dass nach dem eventuellen Herausfinden weiterer Opfergruppen die Diskussion wieder „bei Null“ beginnen werde, trat Ortsbürgermeister Otto Bahlo entgegen. Er verwies auf die jetzt einstimmige Zustimmung des Ortsrates und dessen Beschluss, nach dem nur von Großburgwedeler Bürgern die Rede sein könne. Bei den vorhandenen Grabkreuzen handele es sich um gefallene deutsche Soldaten, stellte er richtig, was mehrfach falsch dargestellt worden war.
Auf Anfrage teilte der Ortsbürgermeister nach der Sitzung mit, dass sich nun zunächst der Beirat der Stiftung mit der Neugestaltung der Gedenkstätte befassen werde. Kurzfristig werde dann der Ortsrat die Öffentlichkeit informieren. Bis zum Volkstrauertag solle die Neugestaltung der Gedenkstätte beendet sein - zwei Jahre nachdem mit dem „Mahnmal“ auf dem Friedhof die Burgwedeler in eine falsche Ecke gerückt worden waren. Die Rufschädigung der jungen Stadt war dabei billigend in Kauf genommen worden. Zurückgeblieben ist das zerstörte „Tor der Erinnerung“.