Das Ende einer Ära: das letzte Rasenmähertreckerrennen

An beiden Tagen erinnerte das Rennen mit den unglaublichen Mengen an Staub an die Rallye Paris-Dakar. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Blick von oben auf das Renngelände in Thönse: Das riesige Ausmaß gibt einen Hinweis darauf, welche Organisationsleistung hinter einem Rasenmähertreckerrennen steckt. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Mirko Slomka, Trainer von Hannover 96, gab eine Autogrammstunde, deren Erlös dem Kinderschutzbund Burgwedel zugute kommt. (Foto: Hans Hermann Schröder)

„Thönse 24 bleibt bestehen. Wir lassen uns was Neues einfallen“

THÖNSE (hhs). Es war das letzte Rasenmähertreckerrennen am vergangenen Wochenende in Thönse, und es hatte an beiden Tagen so etwas von der Rallye Paris Dakar: jede Menge Staub, den die Rennboliden in dunkelbraunen Wolken hinter sich aufwirbelten, der dann vom leichten Südostwind über das gesamte Renngelände verteilt wurde und in jede Pore drang.
Der sich bei den Zuschauern in den Nasenlöchern festsetzte, die Gehörgänge verstopfte und wie ein dunkler Schleier auf die Augen legte. So etwas konnten selbst hart gesottene Rasenmähertreckerrennen-Fans nicht erinnern, noch niemals in den elf Jahren hatte es vor diesem Kultereignis eine derartig lange Trockenperiode gegeben.
Doch das trübte weder die gute Laune der Gäste noch der Fahrer. Es war wieder eine rundum gelungene Veranstaltung: Keine Unfälle bei den fünf Rennläufen, auch in den Besuchermassen, es sollen wieder so um die 25.000 gewesen sein, blieb es ruhig, einige Wespenstiche und ein Hexenschuss sollen die Sanitäter beschäftig haben und bei vielen Fahrerinnen und Fahrern mussten sie etwas gegen die Blasen an den Händen unternehmen. Eine positive Bilanz zum Abschluss. Das Gros der Besucher war am Samstag gekommen, was sicherlich an dem ganz besonderen Angebot an diesem Tag lag: die ersten Rennen, das legendäre Nachtrennen und dann die Party auf dem Zelt mit anschließendem Feuerwerk.
Die Männer vom Verein Thönse 24 hatten bei diesem letzten Rennen alle zwei Herzen in ihrer Brust: zum einen eine gewisse Freude darüber, dass diese zu bewältigende Riesenaufgabe Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Rasenmähertreckerrennens ab Sonntagabend Geschichte sein würde. Zum anderen auch eine ganze Menge Wehmut, dass es nun ein für alle Mal vorbei ist mit dieser Idee, vorbei auch auf dem Höhepunkt ihres Erfolges.
Heinz-Theo Rockahr, Mitglied bei Thönse 24, brachte es auf den Punkt: „Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, diese Idee hier in Thönse umzusetzen. Und der gewaltige Erfolg hat uns immer wieder bestätigt. Aber der Fehler, den wir sicherlich gemacht haben: wir haben die Rennen zu groß haben werden lassen. Wir sind zu schnell gewachsen“. Damit sei auch das Risiko für alle Beteiligten dramatisch gestiegen. Aber man werde sich in Thönse wieder etwas Neues einfallen lassen. Der Verein Thönse 24 bleibe in jedem Fall bestehen.
Man darf also gespannt sein, was die neun Mitglieder vom Verein Thönse 24 sich als nächstes Ziel setzen werden. Heinz-Theo Rockahr zumindest gab sich absolut zuversichtlich und deutete an, dass es schon die ein oder andere Idee in der Ortschaft gebe. So richtig rauslassen aus dem Sack wollte er die Katze aber nicht.
Der Samstag forderte Mensch und Material besonders. Es war trocken und heiß von Anfang bis Ende. Drei Rennen waren zu fahren, eine harte Belastung für die Rennmaschinen und auch für die Fahrerinnen und Fahrer. Der erste Lauf setzte Unmengen an dunkelbraunen Staub frei. Immer wieder erläuterten die beiden Moderatoren Elmar Schulz und Heiko Wöhler, dass die Staubmengen im zweiten Lauf zurückgehen werden, weil dann schon auf feuchtem Erdreich gefahren werde. Doch dieser Zustand hielt nur wenige Minuten, bis die ehemals leicht feuchte Erde von Sonne und Wind wieder knochentrocken war.
Schließlich die beiden letzten Rennen am Sonntag. Der erste Durchgang begann in der Mittagshitze. Nach einer guten Stunde war der Boden auf der Rennstrecke so locker geworden und aufgewühlt, dass viele der Rennboliden in dem feinen Boden stecken blieben und wieder in Schwung gebracht werden mussten. Es häuften sich auch kleine Havarien auf dem Kurs. Einige Male gab es leichte Auffahrunfälle, weil der nachfolgende Fahrer im Staub nicht erkennen konnte, dass sein Vordermann im aufgewühlten Boden an Fahrt verlor. Schließlich sorgten einige feste Bereiche im Untergrund zudem dafür, dass die Trecker hohe und weite Sprünge machten. Das erschien der Rennleitung zu risikoreich und deswegen beendete sie diesen Lauf eine halbe Stunde eher als geplant.
In der nun anstehenden Pause arbeiteten mehrere schwere Schlepper mit Räumschilden und Scheibeneggen daran, die Strecke wieder für den Endlauf herzurichten. Zwei Rüttelwalzen verdichteten den Boden und im Zielbereich wurde Wasser gesprengt. Unterdessen hatte Mirko Slomka, der Trainer des Bundesligisten Hannover 96, die Rennstrecke erreicht. Es war eine Überraschung für alle, für die Marcus Fortmüller, Chef des gleichnamigen Gartenbaubetriebs gesorgt hatte.
Völlig problemlos sei es mit Slomka gewesen, erzählte Fortmüller. Er habe ihn angerufen und gebeten, an einer Autogrammaktion für den Kinderschutzbund mitzuwirken. Der Trainer habe sofort eingewilligt, er sei gemeinsam mit seinem achtjährigen Sohn Luk gekommen und gab dann eine knappe Stunde lang ununterbrochen Autogramme für den guten Zweck.
Dann hatte er noch eine zweite Aufgabe zu lösen: Den allerletzten Lauf eines Rasenmähertreckerrennens in Thönse zu starten. Slomka zeigte sich beeindruckt von der Professionalität des Thönser Treckerrennens, die er in allen Bereichen gesehen habe. „Das ist viel besser hier als Formel 1“, sagte er. „Man ist weitaus näher dran, man sieht in der Boxengasse, wie die Techniker schrauben. Es ist unglaublich, was die in der kurzen Zeit wieder hinkriegen“.
Dann hallte der Schuss über die Strecke, und das Rennen ging in seinen allerletzten Abschnitt. Die Ausgangsposition: In den vier Läufen zuvor hatte in der Power-Class das Adventure Racing Team Wiedenrode zwei Runden Vorsprung vor den Mitbewerbern erarbeitet. Das war kaum einzuholen. In der Main-Class sah die mögliche Entscheidung etwas offener aus.
Nur eine Überraschung gab es noch: Ein Mathematikgenie von Thönse 24 hatte herausgefunden, dass in diesem letzten Rennen die Gesamtleistung aller Teams in allen elf Jahren und zwölf Rennen die 100.000 Kilometer Marke überwinden werde. Dafür wurde ein Sonderpreis, Schrott auf Mehrschichtplatte, ausgelobt, der im Verlauf des Rennens noch an das Team „Ratatata“ aus Lindwedel ging.
Nach einer guten Stunde war Schluss mit dem letzten Rasenmähertreckerrennen in Thönse. Zu gefährlich erschien es der Rennleitung, die Fahrerinnen und Fahrer bis zum bitteren Ende durchfahren zu lassen. Burgwedels Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt hatte die denkwürdige Aufgabe übernommen, zwölf spektakuläre Rennen in Thönse mit der gelben Fahne zu beenden. Das Ergebnis in der Power Class wie erwartet: Wienrode siegte. In der Main Class holte sich das Pitzner Racing Team den Titel.
Was bleibt? Erinnerungen an eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die den Namen „Thönse“, die Ortschaft und eine zu Beginn wirklich verrückte Idee weit über die Grenzen Niedersachsens hinaus bekannt gemacht hat. Rasenmähertreckerrennen wurden in Thönse gewissermaßen „hoffähig“, sie wurden ernst genommen, und vielfach kopiert, weil Thönse 24 gezeigt hatte, wie es geht.
„Wenn es elf Jahre lang gut gelaufen ist, ohne große Unfälle oder andere Katastrophen, dann sollte man immer über einen Schlussstrich zur rechten Zeit nachdenken“, hatte ein Besucher am Sonntag Verständnis für die Entscheidung der Veranstalter. Aber eins ist sicher: Es war eine tolle Zeit. Es wird weitaus mehr in Erinnerung bleiben als die Antwort auf die Kreuzworträtselfrage: „Sportereignis auf dem Land mit 23 Buchstaben und fünf „R“: „RASENMÄHERTRECKERRENNEN“.