Cremeweiße Blütenpracht bietet auch Leckeres in der Küche

Eine sehr schmackhafte Variante, Holunder zu genießen, sind goldgelb gebackene Holunderpfannkuchen. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Holunderbusch in voller Blütenpracht. Nun sollte man die großen stark aromatischen Blütendolden ernten. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Im Juni blühen überall am Wegesrand die Holunderbüsche

BURGWEDEL (hhs). Der Juni ist der Monat der Holunderblüte. Überall am Wegesrand sprießen diese Pflanzen prächtig, sie sind in Bezug auf ihren Standort nicht wählerisch und sie stellen kaum Qualitätsansprüche an ihren Standort. Jeder kennt diese Pflanze, die bei uns in drei Arten vorkommt, die man allerdings nur nach genauem Hinschauen bestimmen kann. Wenn man Holunder sagt, meint man meistens den „Schwarzen Holunder“. Daneben gibt es hier noch den „Roten Holunder“, der aber eine untergeordnete Rolle spielt. Im Norddeutschen Tiefland ist auch die Bezeichnung „Flieder“ für den Holunder gebräuchlich, wenn man dort Holunderbeeren erntet, sagt man eben „Fliederbeeren“ . Er wird aber auch „Hollerbusch“ genannt, nach seiner Namengeberin, einer Waldfee, die spätere Frau Holle in Grimms Märchen, die für die Schneemengen im Winter zuständig ist und im Frühjahr für die Fruchtbarkeit der Felder.
Der Holunder galt früher als heiliger Baum und er war auf jedem Grundstück zu finden. Er war eine der wichtigsten Heilpflanzen und deckte mit seinen Inhaltsstoffen den Kampf gegen die meisten Wehwehchen des Alltags ab: Holunderblüten mobilisieren die körpereigenen Abwehrkräfte, noch heute sind sie Bestandteil vieler Tees gegen Erkältungskrankheiten. Man verwendete sie gegen Rheuma. Die Beeren nahm man als Abführmittel und der Holunderbeerensaft erfreut sich heute noch großer Beliebtheit als Mittel zu einer Schwitzkur bei Erkältungen.
Die Blüten allerdings bieten nun für einen kurzen Monat die Chance zu kulinarischen Köstlichkeiten. Man sollte es einfach ausprobieren. Ein besonderer Genuss für die warme Jahreszeit ist der Holunderblütensekt. Etwa 12 große Dolden Holunderblüten schneiden. Zu Hause säubern, wenn möglich ohne Wasser. Das ist schnell gesagt, aber Holunderblüten ziehen viele Insekten gewissermaßen magisch an, die dann an den Blütenstängeln auch ihre Eier ablegen. Meistens wird man beim Säubern nicht ohne den Wasserhahn klar kommen. Man benötigt etwa 8 Liter Wasser, dazu noch zwei wirklich große Zitronen in dünne Scheiben geschnitten, ein Kilo Zucker und gut 40 Gramm Weinsteinsäure.
Nun zur Zubereitung: Weinsteinsäure und Zucker in einem großen Topf, am besten einen Tontopf, vermischen, mit dem Wasser auffüllen und solange Umrühren, bis sich Zucker und Weinsteinsäure gelöst haben. Nun kommen die Holunderblüten und die Zitronenscheiben hinein. Den Topf mit einem Deckel versehen, in eine Ecke stellen und jeden Tag den Inhalt umrühren. Nach einer Woche den Inhalt durch ein Seihtuch schütten und anschließend auf Flaschen füllen. Diese schnell verschließen und dunkel, aber nicht zu warm lagern. Der Sekt ist nun fertig und enthält nur sehr wenig Alkohol. Er hält sich etwa ein Vierteljahr.
Und schließlich bieten sich nun auch die Holunderpfannkuchen an. Für vier Personen braucht man acht mittelgroße Holunderblüten, ein Fritteuse oder Pfanne mit hohem Rand und alles, woraus man sonst immer Pfannkuchenteig zubereitet: Drei Eier, eine Prise Salz, ein Viertelliter Milch, 150 Gramm Mehl und etwas Zucker. Aus allen Bestandteilen einen schlanken Pfannkuchenteig rühren. Wenn er zu fest gerät, etwas Mineralwasser zugeben. Während der Teig nun ruht, die Blütendolden waschen und von kleinen Plagegeistern befreien. Dann die Dolden ausschütteln und auf ein Tuch legen. Die Fritteuse in Gang setzen auf 170 °C , oder Frittierfett in der Pfanne erhitzen. Die Holunderblüten in den Teig tunken und leicht abschütteln und ins heiße Fett legen. Wenn sie von beiden Seiten goldgelb sind, ist der Genuss perfekt. Man kann sie so als Dessert genießen oder aber auch als Beilage zu Eis. Guten Appetit!