Christoph van Hal & die Double High C Bigband begeisterten im Amtshof

Der Konzertabend mit Christoph van Hal und der Double High C Bigband wurde zu einem hochklassigen Musikerlebnis für die Besucher. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Christoph van Hal ist der Arrangeur der Band und begeisterte als Solist mit der Trompete und charismatischer Sänger. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Besucher bemängeln die Klimaanlage im Veranstaltungssaal

GROSSBURGWEDEL (hhs). Christoph van Hal und die Double High C Band haben den noch jungen Amtshof in Großburgwedel am Mittwochabend seinem bisher anspruchsvollsten Härtetest unterzogen. Der Saal und van Hal haben dabei gezeigt, was sie können, und auch, was nicht: Der Saal kam mit dem Klangvolumen und der Kraft der Band gerade so eben klar. Mehr wird nicht gehen. Und es sollte über Verbesserungen der Klimaanlage nachgedacht werden. Schon vor der Konzertpause war es stickig und über die Maßen heiß. Christoph van Hal und die Double High C Band machen hervorragenden Swing, die Konzertbesucher waren begeistert. Besseres Musikalisches aus der jüngeren Vergangenheit hatte das Musik begeisterte Publikum Burgwedels lange nicht genießen können.
Swing von der Bigband, das erinnert an großartige Musiker wie Duke Ellington, Lionel Hampton, Count Basey und viele andere mehr. Swing, der steht für ein Lebensgefühl, er ist gewissermaßen melodiöser Jazz zum Tanzen, das ist die Zusammenführung von Entertainment und Musik und damit Immer ein ganz besonderes Erlebnis. Was aber ist Swing musikalisch? Es bedeutet eigentlich Schwung oder Schwingen, ein Vorgang, der immer mit Bewegung verbunden ist. Musikalisch wird die Dynamik dieser Bewegung vom Schlagzeuger nach dem klassischen Swing-Schema Viertelnote gefolgt von zwei Achtelnoten in ständiger Wiederholung dieser Folge vorgegeben. Das Swing-Gefühl wird dadurch erreicht, indem die Musiker die erste Achtelnote immer etwas länger als die zweite spielen, also beide zusammen etwas länger als ein Viertel. Das s(ch)wingende, beinahe federnde Rhythmusgefühl ist erreicht.
Die klassischen Bigbands bestanden meistens aus 17 Musikern, der Bandleader fungierte häufig auch als Arrangeur der Musikstücke und als Solisten. Waren die Vorläufer aus dem Bereich des Jazz höchstens auf acht Musiker begrenzt, die obendrein von ihrer Improvisation- und musikalischer Kooperationsfähigkeit lebten und kaum Noten nutzten, dann ging das nun nicht mehr. Festgeschriebene Arrangements in Form von Partituren wurden allein wegen der hohen Zahl der Musiker notwendig, der Raum für Improvisationen wurde geringer aber in Form von arrangiertem Raum für Soli deutlicher. Die Stücke wurden harmonisch durchgearbeitet, kompliziertere Harmonien entstanden. Das ist sicherlich die Ursache dafür, dass hinter jeder erfolgreichen Bigband ein erfolgreicher Arrangeur stehen musste.
Das ist bis heute so geblieben, hinter der Double High C Bigband steht Christoph van Hal, als Arrangeur, Solotrompeter und Sänger. Damit steht er in der Tradition von Jimmy Dorsey, Lionel Hampton, Glenn Miller, Benny Goodman, Peter Herbolzheimer und schließlich Duncan Galloway, der mit dem Pasadena Roof Orchestra Weltruhm erlangt hat.
Das Konzert am Mittwoch lässt auch für Christoph van Hal und seine Musiker auf eine große Zukunft hoffen. Da war van Hal zunächst als Arrangeur. Selbst bekannte Titel hatte er bearbeitet und in eine wohltuende Mischung mit seinen eigenen gestellt. Es begann mit „Sunny“, eine frische Version, die das Publikum gleich zu Beginn zu stürmischem Beifall hinriss, lief weiter zu „Aurelie Die Deutschen flirten so subtil“, van Hals Version des „Wir sind Helden Schlagers. Da gab es Applaus auf offener Szene, als van Hal dann sang „du erwartest viel zu viel, ach Aurelie, so klappt das nie“. Dann ging es weiter zu „Mackie Messer“ und spätestens hier bewies Christoph van Hal dass er's kann: Hervorragende Arrangements schaffen, die seiner Bigband auf den Leib geschrieben schienen und von dieser mit einer unglaublichen Leichtigkeit und Freude dargeboten wurden. Van Hal glänzte dabei als Entertainer, indem er für kurze aber harmonisch überleitende Moderationen sorgte, Faxen mit der Band betrieb und als Solist, der auf unnachahmliche Weise mit der Trompete glänzte. Er stelle sich in eine Reihe mit Robbie Williams und Roger Cicero, flachste er, aber auch dafür erhielt er vom Publikum seinen verdienten Applaus. So ganz abwegig erschien das nicht an diesem Abend.
Die Double High C Bigband besteht besteht aus zwölf Berufsmusikern in beinahe klassischer Besetzung Piano/Keyboard, Gitarre, Bassgeige, Drums, drei Saxophone, fünf Blechbläser Trompete/Posaune. Insbesondere nach der Pause an diesem Abend zeigten sie ihr individuelles Können. Viele hervorragende Soli, stellenweise wurde es „jazziger“, die Berufsmusiker drehten auf, dass die Zuhörer beinahe aufsprangen und mitmachen, tanzen wollten. Vielleicht war es die intime Nähe von Bigband zu Publikum, die Bühne ging an diesem Abend direkt in das Gestühl über, die diesen Funken der Lebensfreude überspringen ließ.
Eines wurde allerdings offensichtlich an diesem Abend: Der Amtshof war ausverkauft bis auf den letzten Platz und die Klimaanlage war deutlich überfordert. Wenn die Musiker schwitzen bei der Arbeit ist das eine Sache, anders wird es aber zu bewerten sein, wenn den Konzertbesuchern der Schweiß über den Nacken läuft. Hier sollte man intensiv über eine Nachbesserung nachdenken, denn an diesem Abend lag die Außentemperatur nicht bei 30 sondern bei etwa 20 ° C.
Es war ein großartiges Erlebnis, van Hal und diese Bigband kennen zu lernen, darin waren sich die meisten Konzertbesucher einig. Eines störte ein wenig insbesondere die Gäste, die Plätze in den ersten zehn Reihen hatten: Es war viel zu laut für einen Großteil des eher älteren Publikums. Hier ist der Amtshof an seine Grenzen gestoßen. Wer allerdings das Glück hatte, weiter hinten zu sitzen oder einfach an der Rückwand stand, hatte ein einzigartiges Erlebnis.