Campus Isernhagen wächst

Bauleiter Maik Hansen vor dem Träger, der gerade auf die tragenden Wände abgesenkt wurde. In der Hand hält er einen "analogen Deckenplan", den ein Vorabeiter auf einem Stück Holz für die Kollegen skizziert und beschriftet hat.
 
Die Eisenflechter leisten einen harten Job in der glühenden Sommersonne.

Dachbinder für Sporthalle am Schulzentrum montiert – 2. Etage auf neuem Schulgebäude im Bau

ISERNHAGEN/ALTWARMBÜCHEN (bgp). Während andere sich in den Sommerferien am Badesee vergnügen, leisten Stahlbauer, Eisenflechter, Poliere und Maurer in der glühenden Sonne einen harten Job. Auf der Baustelle am Helleweg gehen die Bauarbeiten für den Campus Isernhagen zügig voran. Das neue Schulgebäude mit Erdgeschoss und erstem Obergeschoss steht schon als Rohbau, das zweite Obergeschoss ist im Bau.
Die Wände der angrenzenden Vierfeld-Sporthalle ragen imposant in den blauen Himmel, am vergangenen Mittwoch wurden die riesigen Dachbinder mit einem 160 Tonnen Kran auf die tragenden Elemente gehoben. Dort sollten sie eigentlich mit Bolzen verankert werden, doch die fehlten noch.
Bauleiter Maik Hansen fragte beim Lieferanten in Löbnitz bei Leipzig nach, eilends wurde die Sendung auf den Weg gebracht, denn die Binder sollten noch am gleichen Tag fertig montiert und gesichert werden. „Da ist wohl was schief gelaufen, aber das kriegen wir schon hin“, sagt der tatkräftige Mann, der auf der Baustelle alle Dinge regelt, die im praktischen Tagesgeschäft anfallen. Die Informationen gibt er gleich weiter an Florian Petersen, der als Projektleiter für das ausführende Bauunternehmen Züblin Gewerke koordiniert, engen Kontakt zum Bauträger hält und den Gesamtüberblick behalten muss.

Kranführer leisten Filigranarbeit

Petersen ist Ingenieur und hat seinen fünfjährigen Sohn Mattes an der Hand, der ihn zum ersten Mal bei einer Baustellenbegehung begleitet. Der riesige Kran begeistert den Kleinen, der mit seinem Helm auf dem Kopf interessiert verfolgt, was auf der Baustelle passiert. Als Berufswunsch gibt er prompt „Kranführer“ an, denn diesen bewundert er besonders. Währenddessen lässt der Kranführer den 28 Meter langen Betonbinder vorsichtig in die Richtung drehen, wo er ihn auf die tragenden Elemente absenken muss. Dabei behält er seine Kollegen genau im Blick. Sie zeigen ihm an, wo er das gigantische Betonfertigteil auf die vorgesehenen Aussparungen in den Wänden einlassen muss.
Hansen ist hochzufrieden, als das Teil endlich sicher auf der Wand liegt und ergänzt: „So ein Binder wiegt 21 Tonnen, das geht nur über einen Sondertransport, der noch von weiteren Fahrzeugen begleitet wird.“ Besonders die Straßenecke von der Hannoverschen Straße in Richtung Helleweg sei kritisch, ließ der Bauleiter wissen. Der Transportzug für die Binder misst insgesamt 35 Meter, da könne es beim Abbiegen schon mal eng werden. Manchmal seien sogar Straßensperrungen nötig, damit so große Transporter an engen Stellen abbiegen und bis zur Zielbaustelle gelangen könnten, so Hansen. Rund zweieinhalb Stunden dauert der Transport aus Löbnitz bis zur Baustelle am Helleweg. „Die Schwertransporter müssen bis 6.00 Uhr morgens die Autobahn verlassen haben“, sagt er und blickt auf ein riesiges Fahrzeug, das mitten in der zukünftigen Sporthalle auf die Entladung des nächsten Binders wartet.
Julia Bilczuk verfolgt die Montage des Deckenbinders „auf Augenhöhe“. Sie steht mit der Leitungsgruppe auf dem neuen Schulgebäude, das demnächst die zweite Etage erhält. Von dort aus ist alles gut zu sehen. Die Masterstudentin studiert Bauingenieurwesen an der Technischen Universität Braunschweig und absolviert ihr Praktikum. Insgesamt vier Monate wird sie am Ende der Praktikumszeit auf der Baustelle des Campus´ Isernhagen verbracht haben. Bis Mitte August bleibt sie noch. „Hier ist man richtig dran am Geschehen und lernt in der Praxis viele Abläufe kennen, die man im Studium einfach nicht zu sehen bekommt“, sagt die Studentin begeistert. Sie werde in alle Dinge eingebunden, habe jede Menge gelernt und werde viele neue Eindrücke mitnehmen, wenn es nach dem Praktikum mit der Theorie weitergehe, so Bilczuk.

Eisenflechter müssen konzentriert arbeiten

Torsten Hartmann vom Amt für Gebäudewirtschaft der Gemeinde Isernhagen und Kollegin Julia Stolte, Leiterin der Abteilung Schulen, Kultur und Sport, beobachten ebenfalls den Fortgang der Bauarbeiten am Campus, der im Juli 2020 fertiggestellt und übergeben sein soll. Bisher wurden laut Maik Hansen rund 2.500 Kubikmeter Ortbeton, Fertigteile ausgenommen, verbaut. „1.800 Tonnen Stahl stecken bereits in der Konstruktion“, sagt der Bauleiter und blickt zu den Eisenflechtern hinüber, die in der gleißenden Sonne lange Metallteile und -bügel in mehreren Schichten auf den Betonelementen verlegen. Dabei kommt es auf konzentriertes und genaues Arbeiten an: „Wenn du da im Kopf nicht sortiert bist, hast du ein Problem“, betont er voller Respekt vor dem harten Job der Kollegen.

Vierfeld-Sporthalle wird 1.625 Quadratmeter groß

Nebenan reiht sich unterdessen Binder an Binder auf den Wänden der Sporthalle, die insgesamt 1.625 Quadratmeter groß sein wird und sich in vier Einzelhallen mit Wettkampfqualität unterteilen lässt. Drei Einzelhallen sind mit Tribünen als Versammlungsstätte für bis zu 600 Personen vorgesehen. Daran gliedert sich eine Geräteturnhalle mit zwei 50 Meter Laufbahnen an. Neben der Standardausstattung mit Toren, Körben und Sprossenwänden ist auch eine 7 Meter hohe Boulderwand vorgesehen. Im 1. Obergeschoss werden Räume für Gymnastik, Kraftsport und ein Theorieraum mit angegliederter Teeküche für Vereins- und Schulsport eingerichtet. Doch vorher muss erst einmal das Dach fertiggestellt sein und der Betonboden gegossen werden. Die Bauarbeiten gehen täglich voran und können am Bauzaun gut beobachtet werden. Ein Blick von oben auf die Baustelle ist auch über die Webcam möglich, deren Bilder auf der Seite der Gemeinde unter www.isernhagen.de abrufbar sind.