Burgwedels Schullandschaft soll durchlässiger werden

Kooperation zwischen Haupt-, Realschule und Gymnasium wird angestrebt

GROSSBURGWEDEL (hhs). Eigentlich sei die Stadt Burgwedel mit ihrer Schullandschaft sehr gut aufgestellt, erklärte Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt gestern Mittag auf einer Pressekonferenz. Als Stichworte setzte er ein Gymnasium., das Schulzentrum mit einzügiger Hauptschule und dreizügiger Realschule, die Förderschule, Ganztagsbetreuung für alle Schulzweige in den Klassen 5 bis 7. Darüber hinaus befänden sich alle Schulzweige in unmittelbarer örtlicher Nähe zueinander. Allerdings habe er auch drei Defizite ausgemacht: Die Schüler wandern weg in die Integrierten Gesamtschulen Langenhagen und Wedemark, was die Stadt teuer bezahlen müsse, Die Entwicklung der Schülerzahlen der Hauptschule sinke ständig. In diesem Jahr gebe es 40 Empfehlungen für Schülerinnen und Schüler aus den Grundschulen für die Hauptschule, aber nur acht Schüler wurden dort bisher von ihren Eltern angemeldet.. Dritter und wichtigster Punkt: Es fehlt der Burgwedeler Schullandschaft an Durchlässigkeit. Der Bürgermeister sieht also Handlungsbedarf und plant nun eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung des in Burgwedel vorhandenen Schulangebotes.
Folgende Handlungsansätze wurden inzwischen für eine Veränderung entwickelt: Zunächst soll eine Zusammenfassung von Real- und Hauptschule zu einer „Stadtschule“ (das ist gewissermaßen ein Arbeitstitel für das neue Gebilde, für das es landesweit noch keine Bezeichnung gibt) stattfinden auf der Basis der bestehenden Erlasslage des Landes Niedersachsen. „Die Kernfächer Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache werden schulformdifferenziert unterrichtet. Die weiteren Fächer werden auf der Grundlage schulformspezifischer Kerncurricula unterrichtet. Die Leistungen werden schulformbezogen benotet. Leistungsstarke Schülerinnen und Schüler können nach Beschluss der Klassenkonferenz an realschulspezifischen Unterricht teilnehmen“, erläutert Hoppenstedt das Modell. Die Folge sei, dass die Hauptschüler durch den gemeinsamen Unterricht in einigen Fächern inhaltlich näher an die Realschule herangeführt werden, es zu einer höheren Akzeptanz der Hauptschule führe und zu frei werdenden Lehrerstunden. „Die Durchlässigkeit wird stärker betont“, formulierte es Dr. Hoppenstedt
Zudem soll die Kooperation zwischen der Hauptschule und der Berufsbildenden Schule auf der Basis des so genannten Neustädter Modells verstärkt werden. „Die bedeutet, dass an zwei Tagen pro Woche Unterricht durch die BBS ab der Klasse 9 zur stärkeren Heranführung der Schülerinnen und Schüler an die berufliche Praxis und die Ausbildungsberufe stattfinden wird“, so Hoppenstedt. Er verspricht sich davon eine Menge: „Höhere Akzeptanz der Schüler bei den Ausbildungsbetrieben, mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt, höhere Akzeptanz der Hauptschule, alles in allem bessere Zukunftsperspektiven der Hauptschüler und damit auch eine starke psychologische Wirkung. Nach der Erfahrung des Neustädter Modells liegt die Abbrecherquote bei null Prozent. Bei Erwerb des Realschulabschlusses kann sich die Zeit der nachfolgenden Ausbildung von drei auf zwei Jahre verkürzen“.
Schließlich will Dr. Hendrik Hoppenstedt auch für die Durchlässigkeit „nach oben“ sorgen: Realschule und Gymnasium Burgwedel sollen ebenfalls miteinander kooperieren. Die Schüler der Realschule haben bisher die Möglichkeit, nach Erwerb des erweiterten Abschlusses auf das Gymnasium zu wechseln. In der Regel wechseln diese Schüler in die 10. Klasse des Gymnasiums, da hier neue Lehrinhalte vermittelt werden. „Dieser Weg soll grundsätzlich erhalten bleiben“, so Hoppenstedt. „Zur Unterstützung des erfolgreichen Absolvierens der Qualifikationsphase auf dem Gymnasium ist ein zusätzliches Wahlpflichtangebot in Klasse 9 und 10 für Realschüler in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und einer Fremdsprache und gegebenenfalls einer Naturwissenschaft durch Gymnasiallehrer geplant. Dieses Wahlpflichtangebot könnte individuell durch die Schüler alternativ oder kumulativ gewählt werden“, erklärte es der Bürgermeister.
Insgesamt sollen durch die geplanten Maßnahmen die einzelnen Schulformen gestärkt und gleichzeitig die Durchlässigkeit erhöht werden. „Für die Schülerinnen und Schüler wird dadurch über die gesamte Schulzeit den Fähigkeiten, den Interessen und der individuellen Entwicklung entsprechend ein umfassendes Schulangebot am Schulstandort Burgwedel vorgehalten. Aufgrund der unterschiedlichen Möglichkeiten kann das Abitur nach zwölf Jahren durch unmittelbare Beschulung im Gymnasium oder nach 13 Jahren Beschulung in der Stadtschule erlangt werden“, stellte Hoppenstedt die Möglichkeiten der neuen Schulform vor. Das geplante Modell verbinde die Vorteile des gegliederten Schulsystems mit den Vorteilen der Integrierten Gesamtschule. „Die Schüler können ihren Fähigkeiten und Entwicklungsständen entsprechend gefördert und gefordert werden. Es geht kein Schüler mehr verloren“, so Dr. Hoppenstedts Fazit.
Das vorgestellte Modell sei in dieser Form bisher einmalig im Lande Niedersachen. Er habe Gespräche mit den Schulen und den Elternvertretern geführt, sagte Hoppenstedt. Es sei dieses „Grobkonzept“ dabei herausgekommen. Der Schulausschuss werde sich nach den Sommerferien damit auseinandersetzen, ehe der Stadtrat dann die endgültige Entscheidung fälle. Der Feinschliff an diesem Konzept solle dann später in Zusammenarbeit mit den Schulen und den Eltern stattfinden.