Burgwedeler Landvolk unterstützt bundesweite Imagekampagne

So ganz zufrieden ist Jörg Heuer, Vorsitzender des Landvolks Burgwedel nicht mit seinem Weizen: Die Körner dürften etwas größer sein, meint er und vermutet als Ursache die Trockenheit im April. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Jörg Heuer: „Wir haben hier eigentlich nur Familienbetriebe“

BURGWEDEL (hhs). Der Deutsche Landvolkverband fährt gegenwärtig eine bundesweite Imagekampagne für die Landwirtschaft, und der Landvolkverband Burgwedel unterstützt diese. Zum einen wird in diesem Sinne plakatiert, zum anderen gibt es ausführliche Informationen im Internet unter www.lvkh. Kampagne 2011. Jörg Heuer, Landwirt in Fuhrberg und Vorsitzender des hiesigen Landvolks, erklärt den Ansatz: „Wir wollen auf breiter Ebene informieren. In der Vergangenheit ist die Landwirtschaft in Misskredit gekommen, was sicherlich in Entwicklungen wie Massentierhaltung und Agrarindustrie seine Ursache hat“.
„In unserem Bereich Burgwedel haben wir im engeren Sinn weder Massentierhaltung noch Agrarindustrie“, erläutert der Vorsitzende die gegenwärtige Situation und er stellt klar. „Auch wir Landwirte sind zur Umsatzsteigerung verpflichtet. Es handelt sich bei den Betrieben weitgehend um Familienbetriebe. Wenn man es wirtschaftlich und mit Ernst betrachtet, kann man keinen von ihnen als Massentierhalter oder Agrarindustrie sprechen. Ein Betrieb, der zum Beispiel 1.000 bis 2.000 Schweine hält, ist kein Massentierhalter. Die Schweinemast kann hier rein wirtschaftlich nur ein Nebenbereich sein“, sagt Heuer. Von Massentierhaltung spreche man ab etwa 10.000 Tieren. Auch dem Vorwurf, einige Höfe hätten sich zu Agrarindustriebetrieben entwickelt, kann er nicht nachvollziehen: „Ein Kennzeichen von Industrie ist immer, dass dort Arbeitsteilung praktiziert wird. Das gibt es hier in keinem Fall“, erläutert Jörg Heuer die Begrifflichkeit. „Wenn sich ein landwirtschaftlicher Familienbetrieb in Richtung Agrarindustrie entwickeln will, kann er allein nicht viel bewegen. Ich brauche dann größere und vor allen Dingen mehr Flächen, die es aber allgemein in der Region nicht gibt. Wir haben hier allenfalls hochtechnisierte Betriebe“.
Zu diesen zählen schließlich auch Betriebe, die eine Biogasanlage betreiben. „Der Landwirt als Energiewirt, dieser Bereich wird sich im Zuge der Energiewende ausweiten“, sagt er. Und es werden weitere Biogasanlagen im Lande entstehen. Die Bevölkerung halte das auch für problematisch, insbesondere befürchte sie die Steigerung des Maisanbaus auf den Flächen. Er selbst halte das für unproblematisch und erklärte das am Beispiel der Ortschaft Fuhrberg. Dort bestehe eine Biogasanlage seit vielen Jahren, eine weitere sei in Planung. „In den vergangenen Jahren sind in der Gemarkung Fuhrberg im Durchschnitt 1.400 Hektar Mai angebaut worden. „An diesem Anteil wird sich kaum etwas ändern“, schätzt Heuer die Entwicklung ein und begründet seine Sicht der Dinge: „Ein großer Teil der Maisernte geht traditionell in die Viehhaltung als Futter, der kleinere in die Energiegewinnung, nicht nur in Fuhrberg, auch in andere Anlagen. Wenn hier die zweite Biogasanlage kommt, dann werden die Mais produzierenden Landwirte ihren Mais nicht mehr „exportieren“ nach Celle oder in die Wedemark. Dann wird die neue Anlage versorgt“.
Im Bereich Burgwedel herrsche noch Vielfalt in der landwirtschaftlichen Produktion: Im Wesentlichen würden Gerste, Roggen, Weizen, Kartoffeln, Zuckerrüben, Raps angebaut, hinzu kämen Milchvieh und Schweinezucht und -mastbetriebe, und einzelne Hähnchenmastbetriebe. Letzte seien auch häufig Stein des Anstoßes wegen der Bedingungen in den Ställen. „Was soll der Landwirt tun?“ fragt er. „Die gesetzlichen Vorschriften zur Hühnerhaltung muss man als Mindeststandards ansehen. Natürlich sind Verbesserungen möglich, kosten aber viel Geld. Wer ein ganzes Hähnchen für 2,50 Euro in der Tiefkühltruhe finden will, muss sich mit den Bedingungen der Haltung abfinden“.
Der Familienbetrieb Heuer in Fuhrberg habe sich in den vergangenen Jahren ein weiteres Standbein geschaffen durch die Produktion von Spargel, Erdbeeren und Blaubeeren, sagt er. Weitere Bereiche sind die Produktion von Industriekartoffeln und Zuckerrüben und etwas Getreide. „Meine Berufskollegen und ich sind alle hochmotiviert“, sagt Heuer abschließend, „obwohl unabhängig von der Qualität der Ernte es rein preislich nicht viel abzugreifen gibt. Wir wissen, dass wir eine hohe Verantwortung für die Volksernährung tragen, aber die Situation ist so, dass Nahrungsmittel überall auf der Welt knapp sind. Wir produzieren alle unsere Produkte mit großer Leidenschaft“, sagt er nachdenklich und schmunzelt: „und diese Leidenschaft ist auch gefragt, wenn wir eine schlechte Ernte leidenschaftlich ausgleichen müssen“.