Burgwedeler CDU feierte das 70-jährige Bestehen der Bundespartei

Ulf Thiele (l.) und Rainer Fredermann (vorne r.) mit den Geehrten der CDU (v. l.): Regina Knips (25 Jahre Mitgliedschaft), Carsten Niemann (25 J.), Bernd Hartwig (25 J.), Dr. Ferdinand Vennemann (25 J.), Brigitte Garbe (40 J.), Jürgen Dobrodt (40 J.) Hans-Henning Kobbe (40 J.), Helmut Leonhardt (40 J.). Karl Neitzke (v. l.) wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Ulf Thiele: „Die CDU muss jünger, weiblicher und vielfältiger werden“

GROSSBURGWEDEL (bgp). Am 20. April 2015 feierte der CDU-Stadtverband Burgwedel unter dem Motto „70 Jahre CDU – wie sieht die Zukunft aus?“ das Jubiläum der Bundespartei, deren Gründung am 26. Juni 1945 in Berlin erfolgte. Ulf Thiele, Generalsekretär der CDU in Niedersachsen, referierte zu diesem Anlass über Zukunftsperspektiven seiner Partei und regte zu mehr Offenheit gegenüber aktuellen Entwicklungen in Deutschland an.
Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Rainer Fredermann, hob in seiner Laudatio die historischen Leistungen der Partei für die Bundesrepublik Deutschland hervor und warb für deren Werte, die auf dem christlichen Menschenbild sowie der Verbindung zur Schöpfung basieren. In seiner Rückschau präsentierte er niedersächsische und bundesweite Wahlplakate, die Erinnerungen an die Ära Adenauer bis hin zur Kanzlerschaft Angela Merkels wachriefen. Die Gründung unmittelbar nach dem Krieg habe vor allem den Aufbau einer neuen Heimat und die soziale Marktwirtschaft als „Stränge der CDU-DNA“ zum Inhalt gehabt.
Im Vorfeld der Veranstaltung wurde Kritik zum Datum der Feier laut. Dazu erwähnte Fredermann, dass man sich der Bedeutung des Datums am Geburtstag Adolf Hitlers durchaus bewusst gewesen sei. Für die maßgeblichen Wochen habe jedoch kein anderer Termin zur Verfügung gestanden und es bestehe kein Zusammenhang zwischen der Feier und dem Hintergrund des 20. April.
Für die kommenden Jahre wünsche sich die Partei eine „Gute Zukunft unserer Heimat“ und stelle die Suche nach neuen Antworten, die auf dem Wertefundament der Tradition der CDU basieren, in den Vordergrund der Arbeit. „Tradition ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme“ resümierte Fredermann. Dem schloss sich Ulf Thiele an, den Tenor einer Mitgliederbefragung aus dem Jahr 2014 zusammenfasste: „Die CDU muss jünger, weiblicher und vielfältiger werden.“ Man müsse gesellschaftliche Entwicklungen zur Kenntnis nehmen und sich darauf einstellen, wenn die CDU weiter als Volkspartei bestehen wolle. Jüngere potentielle Mitglieder seien selten über einen längeren Zeitraum am selben Ort, berufliche und familiäre Verpflichtungen ließen häufig kein ortsgebundenes langjähriges Engagement zu. Daher sei es wichtig, Menschen, die neu in die Partei kämen und sich engagieren wollten, sehr schnell mit Projekten zu betrauen. Sie hätten in der Regel nicht die Zeit, 2 bis 5 Jahre zu warten, um in den Vorstand oder in ein Gremium gewählt zu werden und erst dann Aufgaben zu übernehmen. Die bestehenden Amtsinhaber könnten sehr davon profitieren, wenn sie Vorschläge aus der Projektarbeit anhörten und z. B. in Ratsentscheidungen mit einfließen ließen. So könne man die Last der Arbeit auf weitaus mehr Schultern verteilen und binde eventuelle Mitglieder von Anfang an in die Verantwortung mit ein. Hier sei eine neue „Willkommenskultur“ gefragt, die sich der zeitgemäßen Entwicklung nicht mehr verschließe.
Im Zuge der Diskussion um die Modernisierung der CDU und insbesondere den Ausbau von Betreuungsangeboten für Familien fühlten sich manche der älteren Besucher unwohl. Ein Teilnehmer merkte an, dass die Menschen mehr Eigeninitiative entwickeln sollten und führte ein Beispiel an. Er und seine Ehefrau konnten während eines vierzehntätigen Auslandsaufenthaltes ihre beiden Kinder bei Freunden unterbringen. Ihm war offensichtlich nicht bewusst, dass dazu ein über viele Jahre aufgebautes soziales Netzwerk vonnöten ist. Vor allem Familien, die neu im Ort sind, benötigen eine gute Betreuungsinfrastruktur, die in diesem Fall von der Stadt und anderen Trägern angeboten werden muss, hielt Ulf Thiele dem entgegen. Dadurch sei es möglich, Familien zu entlasten und Freiraum beispielsweise für ehrenamtliches Engagement zu schaffen. In Zukunft komme es darauf an, bewährte Mitglieder zu behalten und neue Interessenten mit dem Willen zum Engagement ausdrücklich willkommen zu heißen. Nur so sei der Nachwuchs auf Dauer gesichert.