Burgdorfer Jäger werden aktiv: „Keine Ostern ohne Osterhasen“

Jetzt ist Rammelzeit bei den Hasen und man kann sie auch tagsüber gut in den heimischen Revieren beobachten. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Junghasen darf man niemals berühren, solange sie von der Häsin gesäugt werden. (Foto: Joachim Neumann)

Hasenbestände werden gezählt/Junghasen in keinem Fall berühren

ALTKREIS BURGDORF (hhs). Ostern steht vor der Tür und während Groß und Klein sich auf die Suche nach den Ostereiern machen, rücken die Jägerinnen und Jäger der Jägerschaft Burgdorf den (Oster)hasen selbst in den Mittelpunkt: Jedes Jahr im Frühjahr beteiligen sich im Altkreis Burgdorf zahlreiche Jäger an den Zählungen und Bestandseinschätzungen von Meister Lampe.
„Ostern kann kommen“, so Hans-Otto Thiele (Röddensen), stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Burgdorf, „nach wie vor ist Meister Lampe bei uns in der Region heimisch.“ Dies sei umso erfreulicher, da Hasen besonders sensibel auf Veränderungen in ihrer Umwelt reagieren. So trifft sie der Wandel in der Kulturlandschaft mit dem häufig ein Verlust der Lebensräume einhergehe in besonderer Weise. Auch Witterungsverhältnisse und ein vermehrtes Auftreten natürlicher Fressfeinde könne Einfluss auf die Hasenbestände haben. „Neben unseren Biotoppflegemaßnahmen sind die Zählungen und Einschätzungen der Hasenbestände im Rahmen der Wildtiererfassung Niedersachsen (WTE) besonders wichtig“, erklärt Hans-Otto Thiele weiter. „In Zusammenarbeit mit dem Institut für Wildtierforschung in Hannover erhalten wir dadurch wissenschaftlich fundierte Aussagen zu Vorkommen, Populationsgröße und Besatzentwicklung der Hasen im Altkreis Burgdorf.“
Grund genauer hinzuschauen gibt es dieser Tage nicht nur wegen der Ostereier: Von Natur aus dämmerungsaktiv, ist Lepus europaeus, so der wissenschaftliche Name des Langohrs, jetzt zur Paarungszeit besonders aktiv – gerade auch am Tag. „Allen, die sich unsicher bei der Unterscheidung von Hase und Kaninchen sind, bietet sich jetzt die Chance, Anschauungsunterricht zu nehmen“, ermuntert Presseobmann Oliver Brandt (Burgdorf) zu genauen Hinsehen in Feld und Flur. Wer genau hinschaut, kann die unübersehbaren Unterscheidungsmerkmale deutlich erkennen: Zunächst sei der Feldhase um einiges größer als das Kaninchen und mitunter auch doppelt so schwer. Die deutlich längeren Ohren – „Löffel“ genannt – mündeten beim Hasen in eine gut erkennbare schwarze Spitze, Kaninchen hätten hingegen nur ein dünnen schwarzen Rand an ihren Löffeln, nennt Oliver Brandt weitere Unterscheidungsmerkmale. Wenn Hasen vom Betrachter wegliefen, sehe man ihren schwarzen kurzen Schwanz nach unten gehalten, beim Kaninchen in gleicher Bewegung schaue deren Steert beinahe fröhlich wirkend nach oben und leuchte gewissermaßen weiß nach hinten.
Auch in ihrer Lebensweise unterscheiden sich Hase und Kaninchen: Während Meister Lampe in der Feldflur lebt und sich als Ruhestätte nur eine Mulde scharrt, die sogenannte Sasse, legen Kaninchen weitverzweigte unterirdische Baue an. Große Unterschiede gibt es auch beim Nachwuchs: Die Junghasen kommen sehend und behaart zur Welt, die Häsin legt sie versteckt ab. Kaninchen werden nackt und blind geboren, als Nesthocker verlassen sie in den ersten Lebenswochen nie den elterlichen Bau.
Eine große Bitte haben Jäger und auch Naturschützer gleichermaßen in Bezug auf unseren Hasen: Junghasen sollten in keinem Fall berührt werden und immer an der Stelle liegengelassen werden, an der man sie findet. Hier ist Mitleid mit einem „von der Mutter verlassenen Tier“, vollkommen unangebracht und führt meistens zum Tod des jungen Hasen. Auch der Transport des Jungtieres in fachgerechte Betreuung zum Beispiel ins Artenschutzzentrum Leiferde des NABU bei Gifhorn bringt kaum etwas anderes als das Ende des Junghasen. Das hat seinen Grund: Häsinnen suchen ihre Jungen allenfalls zweimal täglich zum Säugen auf, meistens in der Dämmerung, den Rest des Tages bleiben die Jungen auf sich allein gestellt. Dieses Verhalten hat sich in der Evolution bewährt, sonst gäbe es schon lange keine Hasen mehr.
In der Hasenpflege sind die Mitarbeiter der Auffangstation in Leiferde auf sich allein gestellt. Es gibt keine Hasenammen und deswegen keine Hasensäuglingsmilch. Ersatzmilch für Hasen aus dem Tierhandel hat sich nicht bewährt. Die meisten dort abgegebenen Junghasen dort verhungern nach einiger Zeit, was in freier Natur nicht geschehen würde, wenn man das Jungtier nicht anfasst und einfach liegen lässt.