Bürgerstiftung Burgwedel startet durch

Die Gründungsstifter der Bürgerstiftung Burgwedel. Im Vordergrund der Stiftungsvorstand (v. l.): Wolfgang Stellmacher, Monika Stellmacher und Jürgen Zimmer. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)
 
Prof. Christian Pfeiffer berichtete von seinen Erfahrungen aus der Bürgerstiftungsarbeit und warb pragmatisch mit dem Motto der amerikanischen Vorbilder: „Funding is fun!“. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Festakt zur offiziellen Gründung der „7-Dörfer-Stiftung“

Von Bettina Garms-Polatschek

BURGWEDEL/GROSSBURGWEDEL (bgp). Mit einem Festakt im Amtshof nahm die Bürgerstiftung Burgwedel offiziell ihre Arbeit auf.
Zwischen der ursprünglichen Idee bis hin zur Eintragung in das Stiftungsverzeichnis lagen rund fünf Jahre Planung und das Suchen von Gründungsstiftern, um das nötige Stiftungskapital zu generieren. Flankiert wurden die Bemühungen der Initiatoren von Michael Koch, der sich als Regionalkurator um die Belange von Bürgerstiftungen in Niedersachsen kümmert.
Jürgen Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Burgwedel, betonte in seiner Rede vor allem eines: „Wir sind überparteilich und offen über konfessionelle Grenzen hinweg, und wir sind für ganz Burgwedel da, für alle sieben Ortsteile!“ Das Interesse der Bürgerstiftung sei es, bevorzugt langfristige Projekte im Bereich Jugend, Senioren, Kultur und Heimat zu unterstützen.
Die Stiftung solle nicht Pflichtaufgaben des Staates ersetzen, sondern verstehe sich als Bindeglied, als Vermittler und Berater zwischen Bürgern, Kommunen, Wirtschaft und Vereinen. „Wir sind das Sammelbecken für alle jene, die in den bestehenden Organisationen und Vereinen kein Gehör finden können, weil deren Zweck ein anderer ist“, so Zimmer.
Die Stiftung wolle aber auch Eigeninitiative übernehmen und einen Preis an junge Menschen ab 14 Jahre vergeben, die sich durch Zivilcourage und die Übernahme sozialer Verantwortung besonders verdient gemacht haben. Stadtbürgermeister Axel Düker hob die Bedeutung der Gründung hervor: „Das ist ein ganz wichtiger Abend für Burgwedel“. Eine Bürgerstiftung lebe von den Bürgern und deren Interessen an einer ehrenamtlichen Tätigkeit.
Ulrike Reichart vom Bundesverband Deutscher Stiftungen hatte zwar ihr Gastgeschenk zuhause vergessen, das präsentierte Handyfoto eines Pfennigbaumes vermittelte dennoch die symbolische Bedeutung, die dahinter steckt. Um die Pflanze fest verwurzeln zu lassen, bedarf es mehrerer Faktoren.
Dazu gehöre jemand, der wisse, dass aus einem kleinen Pflänzchen etwas Großes werden könne. Das seien die Gründungsstifter. „Der euphorische Gärtner hat wenig Erfolg, wenn er seine Pflänzchen nicht auf guten Boden setzt“, führte Reichart aus und nannte als zuträgliche Bedingungen fruchtbare Erde und gutes Klima, die sie an günstige gesellschaftliche und politische Voraussetzungen für eine Bürgerstiftung knüpfte. Sie ermutigte die Akteure, die Bürgerstiftung wie eine Pflanze intensiv zu hegen und zu pflegen.
Prof. Christian Pfeiffer war als Hauptredner und Gründer der Bürgerstiftung Hannover zu Gast. Der ehemalige niedersächsische Justizminister und Kriminologe hatte 1995 auf einer USA-Reise die “Community Foundations” kennengelernt. Die großen Verdienste einer Foundation im Bereich der Gewaltprävention beeindruckten und motivierten ihn, dieses Modell auch in Deutschland zu etablieren. 1997 erfolgte dann die Anerkennung der Bürgerstiftung Hannover als zweite ihrer Art in Deutschland.
„Seien sie geduldig“, riet Prof. Pfeiffer und ermunterte dazu, den Gedanken des Allgemeinwohls als festen Bestandteil in der Gesellschaft beharrlich zu etablieren: „Der Reichtum in der Bürgerstiftung lebt von der Qualität der Netzwerke und der Qualität des Umgangs miteinander.“ Zwingend notwendig sei eine gute Öffentlichkeitsarbeit nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, damit der Gedanke weiter getragen werde und viele Spenden zusammen kämen. Entscheidend sei auch, gute Projekte anzuschieben.
Der Redner sparte nicht mit Kritik am deutschen Bildungssystem und nannte ein Beispiel für lohnenswerte Projekte: „18 Prozent der Viertklässler können nicht vernünftig lesen“. Sich nicht um sie zu kümmern sei schlichtweg „dumm“. Der Verein „Mentor“ unterstütze solche Kinder mit Lesepatenschaften, damit sie den Anschluss nicht verlören.
Die Gewaltbereitschaft von Kindern und Jugendlichen in solchen Projekten sei erwiesenermaßen stark zurückgegangen, weil „die Bildung zugeschlagen hat“, warb Prof. Pfeiffer. Auch Musikpatenschaften, mit denen bedürftigen Kindern Instrumente zur Verfügung stünden oder kostenloser Unterricht erteilt werde, seien „der absolute Renner“, gab der erfahrene Bürgerstifter den Burgwedelern mit auf den Weg.
Ein erstes Projekt für alle sieben Ortsteile steht bereits auf dem Plan der Bürgerstiftung Burgwedel. Am 20. September finden im Amtshof zwei Vorstellungen des Figurentheaters Marmelock aus Hannover statt. 184 Erstklässler der Burgwedeler Grundschulen besuchen die Aufführung des Stückes „Fatima und der Traumdieb“, ein syrisches Märchen von Rafik Schami und Els Cools. Die Sparkasse Hannover spendete 1.080 Euro für das erste Projekt.