Bürgerforum vermisst ergebnisoffene Diskussion der Bahn

Das Bürgerforum Burgwedel informiert auch die Besucher des IGK-Stadtfestes im September über die neuesten Entwicklungen in Sachen Y-Trasse.

„Aus Sicht der Bahn bleibt die „Y-Trasse“ das Non plus Ultra“

BURGWEDEL (hhs). Das Weihnachtsfest rückt näher und die Y-Trasse auch, das ist das Ergebnis eines Gesprächs der Burgwedeler Nachrichten und den beiden Vertretern des Bürgerforums Burgwedel Lars Dorbandt und Thomas Chlouba.
Beide vermuten unisono, die so genannte „stille Jahreszeit“ werde von der Deutschen Bahn genutzt, um das Projekt Y-Trasse mit seinen bekannten fatalen Folgen für den Bereich der Stadt Burgwedel nun unverändert in Gang zu schieben. Und sie haben Material gesammelt, das diese Befürchtungen eindeutig belegt. Ein Interview von „radiobremen“ vom 14. September 2011 mit Staatssekretär Enak Ferlemann aus dem Bundesverkehrsministerium zeigt die Marschrichtung deutlich, ebenso die Präsentationsunterlagen, die Chlouba Anfang November über das Projekt „Y-Trasse“ von der „Regionalkonferenz Verkehr & Mobilität der Metropolregion Hamburg“ mitgebracht hat.
Zunächst zum Interview von „radiobremen“. Dieses wurde ausgestrahlt am 14. September dieses Jahres. Staatsekretär Ferlemann hat darin auf Nachfrage des Senders ausdrücklich bestätigt, die „Y-Trasse“ zwischen Bremen, Hamburg und Hannover soll erst im Jahr 2020 fertiggestellt sein. Die Frage war auf dem Hintergrund gestellt worden, dass bekannt geworden war, dass für den Trassenbau vor 2015 kein Geld vom Bund zur Verfügung steht. Das sei aber kein Zeichen dafür, dass die wichtige Strecke für Güterzüge überhaupt nicht gebaut werde, so Ferlemann weiter.
Die Bürgerinitiativen an der geplanten Trassenführung sind aufgeschreckt: „ Nach dieser Aussage werden keinerlei Überlegungen mehr angestellt, ob die „Y-Trasse“ überhaupt sinnvoll ist, es geht nur noch um das Wann“, so Lars Dorbandt vom Bürgerforum Burgwedel. Die ergebnisoffene Diskussion des Vorhabens, wie sie die Deutsch Bahn in Burgwedel zugesagt habe, finde nun nicht mehr statt. „Aus Sicht der Bahn bleibt die „Y-Trasse“ das Non plus Ultra“.
Die Präsentationsunterlagen, die der Konzernbevollmächtigte der Bahn Ulrich Bischoping der Regionalkonferenz vorgelegt hat, sprechen ebenfalls Bände, so Thomas Chlouba: „Darin sind die Rahmenbedingungen, die dem Raumordnungsprogramm (ROP) im Jahr 2001 zugrunde gelegen haben, stark verändert worden“, sagt er. Zum einen sei die Geschwindigkeit von 300 auf 250 km/h aus Kostengründen reduziert, zum anderen peile man die Verlagerung eines Großteils der Güterverkehre auf die Tageszeit an. Ziel sei ein Verhältnis von 50 : 50, daher sei eine Umfahrung des Knoten Hannovers notwendig. Drittens werde die Trasse wesentlich stärker für den Güterverkehr genutzt.
Besonders beeindruckend sind die in dieser Präsentation dargestellten verkehrlichen Ziele und die Beschreibung der Maßnahme: Sie bringe Verkürzung der Reisezeiten, zusätzliche Kapazitäten zur Abwicklung der Hafenhinterlandverkehre Hamburg/Bremen-Hannover. Wesentliche Maßnahmen seien der Neubau einer Schnellfahrstrecke für bis zu 250 km/H zwischen Lauenbrück und Isernhagen, der zweigleisige Ausbau und Elektrifizierung für bis zu 160 km/H der Strecke Visselhövede nach Langwedel für die Verbindung Bremen-Hannover, und schließlich, im Originaltext in Rot hervorgehoben, die Verlängerung für den Güterverkehr in Richtung Lehrte. Der Fahrzeitgewinn Hannover-Hamburg betrage 13 Minuten, der von Hannover nach Bremen stolze acht Minuten. Die Bahn habe mit dem Bund eine Planungsvereinbarung über 10 Millionen Euro, mit dem Land Niedersachsen eine über zehn Millionen Euro unterzeichnet, heißt es in der Präsentation.
„Die offene Diskussion, die zugesagt war, hat nicht stattgefunden“, so Lars Dorbandt. „Kommunikation wird von der Bahn als Marketinginstrument eingesetzt“, so sein Fazit. Interessant werde eigentlich nur noch im Zusammenhang mit der Unterzeichnung der Planungsvereinbarung, wer das anstehende Raumordnungsprogramm für die „Y-Trasse“ leiten wird, die Region Hannover oder das Land Niedersachsen.