Bücherei Großburgwedel wurde zum magischen Baumhaus

Grandiose Komik, unvergleichliches Stimmrepertoire und subtile Mimik: Nicole Wollschläger setzte neue Maßstäbe für Lesungen für Kinder und Jugendliche. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Die Schauspielerin zog die Kinder mit Mimik, Gestik und Sprache in ihren Bann. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Schauspielerin Nicole Wollschläger las aus „Insel der Wikinger“

GROSSBURGWEDEL (hhs). Nicole Wollschläger ist Schauspielerin und sie tourt gegenwärtig durch die Lande und fasziniert und animiert Kinder zum Lesen. Am Donnerstag hatte die Bücherei Großburgwedel eingeladen. Auf dem Programm stand „Das magische Baumhaus“, eines der Werke aus den inzwischen schon 44 Bänden von Mary Pope Osborne. Und Nicole Wollschläger war angetan vom Burgwedels Nachwuchslesern: „Die sind wirklich sehr diszipliniert“, lobte sie die Jungen und Mädchen im Gespräch mit Büchereileiterin Jutta Busch. „Die Kinder kennen das schon“, freute sich Frau Busch. „Wir laden mehrmals im Jahr diese Altersgruppe ein“. Und dann war es soweit, die beiden Frauen traten nach vorn vor das große Baumhaus-Poster. Jutta Busch begrüßte die Kleinen und Nicole Wollschläger übernahm alles Weitere.
Sie begann mit einer Aufwärmphase: Sie sei Schauspielerin und werde nun etwas lesen aus der Reihe „Das magische Bauhaus“. Ob denn jemand diese Bücher kenne? 52 der 56 möglichen Arme schossen in die Höhe. „Oh je, so viele“, gab sich Nicole Wollschläger etwas verwundert. Dann fragte sie, was denn das Baumhaus sei, welche Besonderheiten die beiden Protagonisten Anne und Philipp unterscheiden. Die Kinder beantworteten alles bis ins Kleinste korrekt und präzise, und dann kam der Übergang zur Lesung.
Die Schauspielerin bat die Kinder um Hilfe. Sie sollten nun beim Lesen für die entsprechenden Hintergrundgeräusche sorgen. „Wenn in der Geschichte Möwen vorkommen, dann müsst Ihr die Geräusche von Möwen nachmachen“, wurde Nicole präziser. „Wie machen denn die Möwen?“ Ein Kind gab einen Laut von sich, der ein wenig wie „Kiu“ klang. „Gut“, rief die Schauspielerin in die Runde. „Und jetzt alle zusammen und laut“. Und dann wurde die Bücherei beinahe bis in die Grundfesten erschüttert. Ein unglaubliches Möwengeschrei entstand. Es hörte sich genauso an, als würde ein Möwenschwarm über einen Fischkutter herfallen, wenn die Fischer den Beifang in die See zurück kippen.
Und nun begann die Lesung aus dem Band „Insel der Wikinger“. Nicole Wollschläger fasste die Vorgeschichte zusammen und setzte dort ein mit der Lesung, wo das Baumhaus in den Klippen der irischen Küste gelandet ist. Anne und Philipp müssen hier ein Buch finden, hatte ihnen Morgan, Besitzerin des Baumhauses und im Hauptberuf Fee und Zauberin aufgetragen, „... ein Buch, dass Euch in den finstersten Stunden retten wird“. Es war kein Mucks in der Bücherei zu hören von den Besuchern. Das lag offenbar nicht daran, dass die Kinder so fasziniert vom Inhalt der Geschichte waren, denn die meisten kannten diesen Band sicherlich ebenso gut wie die Vorleserin.
Das hatte seine Ursache eher in der Art des Vortrags: Nicole Wollschläger, ausgebildete Schauspielerin, zog alle Register ihrer Stimmausbildung. Jeder vorkommenden Figur verlieh sie eine typische Stimme. Wenn es gegen den starken Wind zu schreien galt, dann schrie sie, und erforderte das Geschehen ein konspiratives Flüstern, dann flüsterte sie ganz leise, aber so deutlich, dass es bis in die letzte Ecke der Bücherei deutlich zu hören war. Und dann erwähnte sie die Möwen, worauf ein Möwengeschrei losbrach, dass fast die Wände erzitterten. Die Kinder waren spätestens jetzt mit Nicole Wollschläger in Irland, der Insel der Wikinger, angekommen.