Biblische Geschichten

Joseph (Jürgen Fliegel), Lieblingssohn des Vaters, wird von seinen eifersüchtigen Brüdern verkauft (rechts Rut Descals).

Großes Schauspiel auf engstem Raum - Theaterkompanie Leipzig fesselte das Publikum mit atmosphärisch dichter Erzählung

FUHRBERG (bgp). Alle Stühle im evangelischen Gemeindehaus Fuhrberg waren am Reformationstag besetzt, als Rut Descals und Jürgen Fliegel von der Theaterkompanie Leipzig mit ihrem Ausflug in „Das geheimnisvolle Testament“ begannen. Sie entführten das Publikum mit klarer, schnörkelloser Sprache in die Welt der Biblischen Geschichten aus dem alten Testament. Die kleine, in weiß gehaltene Bühne und einfache Mittel reichten für die brillanten Darsteller völlig aus, um die Zuschauer über die gesamte Zeit derart zu fesseln, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können.

„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ bildete den Auftakt der atmosphärisch dichten Erzählung, die sich eng am Bibeltext orientiert. Descals und Fiegel verwandelten die gesprochenen Passagen mit schlichten, überwiegend schwarz-weißen Requisiten aus Pappe und Papier effektvoll in lebendige Bilder. Mit angehaltenem Atem verfolgten die Besucher das große Schauspiel auf engstem Raum. Ein Kranz aus Papierfiguren, der von einem drehenden Teller mit der Taschenlampe übergroß auf das weiße Bühnenbild projiziert wurde, reichte völlig aus, Menschen beim „Tanz um das goldene Kalb“ eindrucksvoll darzustellen.

Der Erzählreigen bis zur „Befreiung des Volkes Israel“ wirkte weder belehrend noch moralisierend, da die Figuren charaktervoll dargestellt, ihre Handlungen jedoch nicht bewertet wurden. Die beiden Schauspieler wechselten mühelos in die zahlreichen Rollen und brachten mit einfachen Mitteln zum Ausdruck, dass die Geschichten um Machtstreben, Krieg, Eifersucht und Gier ebenso wie die Kraft der Liebe an Aktualität bis heute nichts eingebüßt haben.