Berufliche Inklusion im Fokus

Mitarbeiter aus dem Rathaus und aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung tauschen sich aus

Burgwedel (r/fh). Einen Vormittag lang haben sich Menschen mit und ohne Behinderung gegenseitig einen Einblick in ihren Arbeitsalltag gegeben: Zwölf Mitarbeiter des Burgwedeler Rathauses und zwölf Beschäftigte aus den Werkstätten der Pestalozzi-Stiftung nahmen an dem „Tauschprojekt“ teil. Eigentlich war es im Rahmen des bundesweiten Programms „S(ch)ichtwechsel“ geplant gewesen, das aber wegen der Corona-Epidemie nicht in der angedachten Form stattfinden konnte. Die Burgwedeler Stadtverwaltung und die Pestalozzi-Stiftung haben dennoch einen Weg gefunden, um den Austausch zumindest im kleinen Rahmen umzusetzen.
Sechs Beschäftigte aus den Werkstätten für Menschen mit Behinderung (WfbM) zeigten jeweils einem Rathausmitarbeiter ihre Aufgaben – von der Landschaftsarbeit im Freien bis hin zum Falten von Versandkartons oder dem Füllen von Kostprobentütchen für die örtlichen Unternehmen. Die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zeigten sich beeindruckt von der Präzision bei diesen Tätigkeiten und zollten den Beschäftigten auch dafür Respekt, dass sie im Sinne des Infektionsschutzes gegenwärtig den ganzen Arbeitstag über einen Mund-Nasen-Schutz tragen.
Sechs andere Beschäftigte der Werkstätten hospitierten ihrerseits jeweils bei einem Mitarbeiter der Stadtverwaltung: Eine Mitarbeiterin der Wäscherei der Pestalozzi-Stiftung lernte beispielsweise die Zentrale des Rathauses kennen und resümierte: „Zu viel Papierkram, aber sonst hat es viel Spaß gemacht. Das möchte ich aber nicht jeden Tag machen, da mache ich lieber meine Arbeit.“ Ein anderer Teilnehmer, der für gewöhnlich im Garten-Landschafts-Bau der Stiftung arbeitet, erfuhr, was auf den Spielplätzen alles kontrolliert werden muss und dass zur Aufstellung neuer Geräte der Platz vermessen wird. Er zeigte sich vor allem davon beeindruckt, dass all diese Daten später digital in ein Computer-Programm einzupflegen sind.
Nach der dreistündigen Praxisphase trafen sich alle Teilnehmer noch einmal in der Pestalozzi-Stiftung, um sich über ihre Erfahrungen auszutauschen und zogen ein positives Fazit: Das Tauschprojekt habe das wichtige Thema der inklusiven beruflichen Bildung in den Fokus genommen. „Die Teilhabe am Arbeitsleben für Menschen mit Behinderung muss bekannter gemacht werden, Corona hat diesen Prozess in der Gesellschaft leider ausgebremst“, so Andrea Sewing, Geschäftsbereichsleiterin Behindertenhilfe bei der Pestalozzi-Stiftung.
Die Umsetzung des Projektes sei aber ein voller Erfolg gewesen. Nächstes Jahr soll das Projekt erneut und in dem geplant größeren Maßstab wiederholt werden. Dann werden niedersachsenweit unter dem Titel „S(ch)ichtwechsel“ Kooperationen zwischen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und Betrieben, Institutionen und Dienstleistern des ersten Arbeitsmarktes angestrebt. Auch das Burgwedeler Rathaus möchte wieder mit dabei sein und hofft, dass sich noch viele weitere Firmen und Institutionen dem Projekt anschließen.