Bekommt Fuhrberg ein Palliativzentrum?

Die Stadt Burgwedel beabsichtigt, das Grundstück An der alten Schmiede in Fuhrberg zu verkaufen.

Stadteigenes Grundstück im Dorfkern soll verkauft werden - Ortsrat gab grünes Licht - Ortsnahe Ergängzung der Versorgung Schwerstkranker geplant

FUHRBERG (bgp). Die Stadt Burgwedel beabsichtigt, ein Grundstück in der Straße An der alten Schmiede zu verkaufen, ein Konzept für die mögliche Bebauung gibt es bereits. Der Ortsrat hat dazu ein Anhörungsrecht, da sich die Fläche im Ortskern in prägender Lage befindet. Am Dienstagabend gab dieser einstimmig grünes Licht für den Verkauf des Grundstücks, das in zwei Flächen aufgeteilt werden soll. Eine endgültige Entscheidung seitens der Stadt steht allerdings noch aus.

Zur Förderung des örtlichen Gewerbes sollen 345 Quadratmeter des insgesamt 2.619 Quadratmeter großen Grundstücks an den Inhaber der benachbarten Fahnenfabrik verkauft werden. Der Käufer hat so die Möglichkeit, seine Gewerbefläche zu erweitern. Die übrigen 2.274 Quadratmeter sollen an Dr. Sven Andresen und Heiko Drangmeister zur Errichtung eines integrativen Palliativ-Zentrums veräußert werden. Die beiden Nutzungen sollen laut Sitzungsvorlage vertraglich abgesichert werden. Demnach werden die Kosten des Abbruchs von den Käufern übernommen und müssen nicht von der Stadt Burgwedel getragen werden.

Schon länger befanden sich die Pläne in der Warteschleife, nun könnte das angeschobene Konzept von Andresen und Drangmeister Wirklichkeit werden: „Wir möchten gerne ein Zentrum mit 12 Plätzen als ortsnahe Ergänzung der vorhandenen Palliativstruktur errichten.“ Der Standort in Fuhrberg sei ideal, da das Zentrum durch die gute Verkehrsanbindung auch überregional gut erreichbar sei, so Andresen. Der Allgemein- und Palliativmediziner stellt sich für das Konzept eine enge Vernetzung mit lokalen Ärzten, Pflegediensten und dem Hospizdienst vor, um mit gebündeltem Fachwissen Schwerkranke optimal versorgen zu können. „Die Kollegen können dort auch weiterhin ihre Patienten betreuen“, betont Andresen.
Rund 900 Quadratmeter Grundfläche soll der Gebäudekomplex umfassen, die Krankenzimmer ebenerdig mit Zugang zum begrünten Garten geplant werden.
Das Palliativzentrum wird durch eine gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) betrieben werden. Bei Erfüllung aller Auflagen übernimmt die Krankenkasse 95 Prozent der Kosten für die Patienten, die restlichen 5 Prozent werden über einen Förderverein durch Spenden finanziert. „Das Palliativzentrum ist offen für alle Patienten“, erklärt Heiko Drangmeister das Aufnahmeprinzip.
„Die ambulante Versorgung hat höchste Priorität!“, betont Andresen den integrativen Charakter des Palliativzentrums. So wollten die meisten schwerkranken Menschen ihren letzten Lebensabschnitt erfahrungsgemäß zuhause in ihrem gewohnten Umfeld verbringen. Erst wenn das nicht mehr möglich sei, könne die Person dann ortsnah im Palliativzentrum weiter betreut werden. In manchen Fällen sei es sogar möglich, die Patienten zur medikamentösen Einstellung zunächst aufzunehmen und anschließend wieder in ihr häusliches Umfeld zu entlassen.
Beide Akteure sehen das Projekt als eine langfristige Investition in die Zukunft an, da vor dem Hintergrund des demographischen Wandels auch der Bedarf an Palliativbetreuung steigt. Die zentrale Lage begünstige einen selbstverständlichen Umgang mit Sterbenden, sie würden dadurch „mitten ins Leben“ geholt und seien nicht isoliert von der Außenwelt.
Die endgültige Entscheidung über den Verkauf des Grundstücks an die drei Interessenten wird nun Anfang März im Verwaltungsausschuss der Stadt Burgwedel fallen.