Beim Thema „Wolf“ fühlen sich viele Menschen von der Politik allein gelassen

Das Podium v.l.: Wolfsbotschafter Peter Griemberg, Artenschutzreferent im Niedersächsischen Umweltministerium Konstantin Knorr, Thomas Behling, Wolsberater der Region Hannover, Bürgermeister Axel Düker und der Moderator des Abends, Philipp Neessen. Friedhelm Stein, stehend, bei seinem Statemant gegen den Wolf.
 
Wolfsbotschafter Peter Griembergs ließ nur eine Frage offen: Wie unterdrückt man seine Angstwitterung bei der Erstbegegnung mit einem Wolf?

Lebhafte Podiumsdiskussion der JUSOs Burgwedel Isernhagen im Amtshof

GROSSBURGWEDEL (hhs). Podiumsdiskussionen der Jungsozialisten haben eine lange Tradition im Land, einige von ihnen haben Geschichte geschrieben. Das hat niemand von der Podiumsdiskussion erwartet, zu der die Jungsozialisten Burgwedel Isernhagen in den Amtshof zum Thema „Wölfe in der Region Hannover“ eingeladen hatten. Der engere Anspruch der Veranstaltung lag darin, einen Zugang zum Thema „Wolf“ zu finden in dem Spannungsfeld zischen den Ängsten der Bevölkerung und den Belangen des gesetzlich verankerten Artenschutzes.
Die SPD-Bundestagsabgeordnete Caren Marks eröffnete den Abend mit einer kleinen Einführung: Der Wolf sei immer der „Böse Wolf“ gewesen, wie es uns schon die Märchen nahe bringen würden, sagte sie. Man solle der Art offen gegenüber stehen. Dann waren die Teilnehmer an der Reihe: zunächst der JUSO-Vorsitzende Philipp Neessen, der sein Amt als Moderator angenehm dezent und sachlich ausübte. Anschließend der sogenannte „Wolfsbotschafter“ Peter Griemberg vom NABU, der sich in platter Wolfs-PR erging. Die Wölfe hätten hier bei uns jede Menge Unsinn mit jugendlicher Freude begangen. Er führte unter anderem aus, dass etwa 1.000 Wölfe in Niedersachsen notwendig seien, um den hiesigen Bestand als gesichert zu bezeichnen. Seine Botschaft: „Der Wolf wird dauerhaft nach Niedersachsen zurückkehren, wenn wir ihn denn lassen! Er ist schon da- und er kam alleine!“ Und seine Antwort auf die Frage: Was tun, wenn ich einem Wolf begegne? „Respekt vor dem Wildtier haben und freuen! Stehen bleiben, nicht weglaufen, nicht hinterher laufen! Langsam zurückziehen, Dominanz zeigen, laut ansprechen, Hände klatschen, mit den Armen wedeln, nicht anfassen, fotografieren.“ Es war an dieser Stelle absolut verständlich, dass nun jemand aus dem Publikum die Frage stellte, ob denn überhaupt jemand vom Podium schon eine Wolfsbegegnung hinter sich habe. Schweigen von allen Teilnehmern.
Thomas Behling ist Wolfsberater in der Region Hannover und im Hauptberuf Förster. Er gab sich vorsichtig: Es sei schon etwas Besonderes in Zeiten des allgemeinen Artenverlusts, dass jetzt Arten hier wieder heimisch werden, die vor langen Jahren ausgerottet worden sind. Er nannte neben dem Wolf insbesondere den Seeadler. Er glaube, der Wolf habe hier ein Bleiberecht. Die Schäden an Nutztierbeständen müssen schneller und unkompliziert ausgeglichen werden und man müsse in jedem Fall die vom Wolf betroffenen Menschen mit ihren Sorgen ernst nehmen. Behling griff im weiteren nur noch einmal in die Debatte ein: Die Natur sei immer grausam, entgegnete er, als ein Wolfsvideo thematisiert wurde, in dem Isegrim ein Rehkitz auffraß.
Und schließlich noch Burgwedels Bürgermeister Axel Düker. Der beließ es klugerweise bei einem Appell an Vernunft und Sachlichkeit. Eine undankbare Rolle hatte an diesem Abend der Artenschutzreferent im Umweltministerium Konstantin Knorr. Er hatte die Sicht der Landesregierung zum Thema Wolf zu vertreten. Man sei willens, für bessere und kostengünstige DNA-Tests zu sorgen. Auch die Erstattung für Wolfsschäden an Nutztierbeständen werde beschleunigt. Auf Nachfrage musste Knorr eingestehen, dass es angesichts der hohen im Raum stehenden Bestandszahlen für Canis lupus in Niedersachsen keine Begründung mehr für die Beibehaltung des höchsten Schutzstatus gibt.
Zuletzt ein bekennender Gegner der Duldung des Wolfes in der Region Hannover: Friedhelm Stein, Ortsbürgermeister in Engensen und Heidschnuckenzüchter. Sein Credo: „Wir haben sehr gut ohne den Wolf gelebt. Das Risiko einer Katastrophe nahe der Landeshauptstadt ist sehr hoch“. Er wolle den Abschuss der Großraubtiere dulden. Stein wurde in seinem Vortrag leider abgewürgt wegen Überschreitung der Zeit. Deswegen ist ein wichtiger Aspekt vollkommen unter den Tisch gefallen. Deswegen folgt er nun an dieser Stelle. Friedhelm Stein hatte seine Schularbeiten gemacht. In seinem Manuskript ist zu lesen: „Die Zahl von 30 tödlichen Wolfsattacken auf Menschen in den letzten 60 Jahren in Westeuropa, Russland und Nordamerika bei einer geschätzten Wolfspopulation von deutlich über 100.000 Tieren zeigt auch, dass die Chance, außerhalb Russlands in der Natur durch einen Wolf zu Tode zu kommen, im Bereich eines Sechsers im Lotto liegt-nur- Lotto spielt man freiwillig und mit Geld.“
Nach der Öffnung der Diskussion beklagten sich in erster Linie private Tierhalter aus dem ländlichen Raum, dass sie mit der Duldung des Wolfes gezwungen werden, große Investitionen zum Schutz ihrer Tiere aus der eigenen Tasche zu zahlen. Dazu gab es gleich mehrere Wortbeiträge ähnlicher Tendenz. „Hier hat die Landesregierung von Anfang an alles versemmelt, was zu Versemmeln war“, gab jemand aus dem Parkett zu bedenken. Widerspruch gab es dafür nicht.
Ein einheitliches Fazit lässt sich zu dieser Podiumsdiskussion kaum ziehen. Bedenklich ist, dass sich die privaten Tierhalter sehr von der Landesregierung alleingelassen fühlen. Ein Besucher brachte es auf den Punkt: „Sind denn die Interessen des Wolfes mehr wert als die der Bevölkerung?“ fragte er in die Runde. Bedenklich ist auch, dass der Eindruck erweckt wurde, dass überhaupt niemand in der Regierung über einen „Plan B“ nachdenkt, der dann greift, wenn irgendwo ein Wolf für die Katastrophe mit Personenschaden sorgt. In in diesem Zusammenhang sollte auch Peter Griemberg, der Wolfsbotschafter, etwas nachdenklicher werden. Eines ist sicher: Mit jedem Tag, an dem die Wolfskatastrophe nicht stattfindet, kommt sie einen Tag näher.
Allerdings ist eins deutlich geworden: Das Wolfsmanagement in Niedersachsen ist in jeder Beziehung von Grund auf unzureichend.