Beim Tag der offenen Tür präsentierte der Heimatverein seine Schätze

Der Bauerngarten bei der Heimatdiele ist ein Schmuckstück ländlicher Gartenkultur. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Mit Trecker und Wagen wurden die Interessenten zur Bockwindmühle gefahren. Rainer Fredermann, Mitglied des Heimatvereins und Ortsbürgermeister, und Gerd Brenecke, dessen Vorsitzender, begleiteten die Tour. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Besucher interessierten sich für den Stand des Wiederaufbaus der Bockwindmühle

WETTMAR (hhs). Der Heimatverein für das Kirchspiel Engensen Thönse Wettmar hatte am vergangenen Sonntag zum Tag der offenen Tür geladen. Alle wissen es, seit einem Jahr steht die Umsetzung und der Wiederaufbau der Bockwindmühle im Mittelpunkt des Interesses. Dieses Baudenkmal hat neulich am neuen Platz Richtfest gefeiert, jetzt haben die Mitglieder schon mit der Verbretterung begonnen, um das Schmuckstück winterfest zu machen. Bei allem Tun um die Bockwindmühle darf man allerdings nicht vergessen, dass der Heimatverein auch in anderen Bereichen ausgesprochen aktiv ist, und davon konnte man sich am vergangenen Sonntag auf dem Gelände rund um die Heimatdiele auf einzigartige Weise überzeugen.
Da fand zunächst ein besonderes Schmuckstück große Beachtung: Der kleine Bauerngarten mit Kräutern, Blumen und Gemüse und Obst. Er hatte in diesem Sommer offensichtlich unter der großen Hitze gelitten, aber dennoch war es bemerkenswert, welche Vielfalt an alten Sorten hier überlebt: Salbei, Kerbel, Mangold, an einer sonnenbeschienenen Wand eine alte Birnensorte, Gräfin von Paris, als Spalier gezogen, ein prächtig herangewachsener Baum mit einer Menge von Früchten daran. Hier konnte man sich Anregungen holen und Tipps für den eigenen Garten.
Daneben fiel die Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte ins Auge. Ein Ackerwagen aus der Zeit der Pferdegespanne stand für die Entwicklung der Landwirtschaft vor dem Zeitalter der Traktoren. Diese Wagen aus Holz, eisenbereift, waren überall in Europa in nahezu gleicher Bauweise verbreitet. Hier in Deutschland kamen sie erst zu Beginn der sechziger Jahre aus der Mode, als die Pferde als Zugtiere beinahe vollkommen von den Traktoren ersetzt wurden. Mit den althergebrachten Ackerwagen verschwand auch ein weit verbreitetes Handwerk: Die Stellmacherei. Stellmacher bauten diese Ackerwagen und in nahezu jedem Dorf gab es einen Betrieb dafür. Gemeinsam mit den Dorfschmieden zogen die Stellmacher den Reif auf das Holzrad, eine Kunst die heute nur noch in Museumsdörfern zu bewundern ist. Der Metallreif wurde stark erhitzt, dehnte sich dabei aus und wurde eng über das Holzrad geschlagen. Dann wurde er mit Wasser abgeschreckt, zog sich wieder zusammen und umschloss das Holzrad fest.
Schließlich die Sammlung ländlicher Geräte auf dem Boden der Heimatdiele. Hier sieht es aus wie in dem Magazin eines Museums. Hunderte von Geräten finden sich dort, beschriftet und gepflegt. Sie bieten einen Überblick über 200 Jahre dörfliche, landwirtschaftlich geprägte Kultur.
Darunter in der Heimatdiele boten die Damen des Vereins ein Kuchenbüfett an. Herrliche Torten, Obstkuchen und mehr fanden dort ihre Freunde, während draußen die Engenser Dorfkapelle aufspielte, auf gewohnt flotte Weise.
Auf dem Hof stand auch das Mühlenmodell und stieß auf großes Interesse. Hier konnte man sehen, wie so eine richtige Bockwindmühle funktioniert, wie die Drehung der Flügel umgesetzt wird, bis sich am Ende dann die Mahlsteine drehen und endlich Mehl herauskommt. Hatte man das angeschaut und anschließend mit Trecker und Wagen die Fahrt zum neuen Standort der Bockwindmühle hinter sich gebracht, dann erkannte man sofort, welche großen Anstrengungen dem Heimatverein noch bevorstehen. Die gesamte Technik der Bockwindmühle muss noch eingebaut werden.
Diese Qualitäten des Heimatvereins müssen sich inzwischen weit herumgesprochen haben, denn es fanden sich ungewöhnlich viele auswärtige Besucher an diesem Tag ein bei der Heimatdiele. Während die Kinder zur Unterhaltung die Erbsenklopfmaschine ausprobieren konnten, fachsimpelten die Gäste mit den Mitgliedern, stärkten sich am Bratwurststand und genossen, wie gesagt, drinnen Kaffee und Kuchen und draußen die anderen ortsüblichen Getränke. Ein schöner Nachmittag, mit jeder Menge Informationen für große und kleine Besucher und für den Heimatverein Werbung in eigener Sache.