Beim Gang durchs Vogelschutzgehölz gehörten Regenschirme zur Standardausrüstung

Begrüßung im Regen: Horst Hagenberg, ganz links im Bild, erklärte der ersten Besuchergruppe kurz die Geschichte des Vogelschutzgehölzes, bevor es auf die etwas eingeschränkte Entdeckertour ging. (Foto: Hans Hermann Schröder)
 
Peter Böer erläuterte den Besucherinnen und Besuchern anhand von Präparaten, welche Vogelarten sie beim anschließenden Rundgang beobachten können. (Foto: Hans Hermann Schröder)

Traditionelle NABU-Veranstaltung am Pfingstmontag war sehr gut besucht

GROSSBURGWEDEL (hhs). Seit vielen Jahren lädt der NABU Burgwedel Isernhagen immer am Pfingstmontag ein und stellt dabei sein Vogelschutzgehölz vor. Nur an diesem Tag, dem Pfingstmontag, öffnen die Naturschützer ihr kleines Paradies für die Öffentlichkeit und bieten vier geführte Spaziergänge an auf dem etwa zwei Hektar großen Gelände. Dabei ist dann das Erstaunen groß darüber, welche Vielfalt an Fauna und Flora es hier zu erleben gibt. Beinahe sprachlos sind dann Mitbürgerinnen und Mitbürger, die zum ersten Mal den Weg hierher gefunden haben. Was von draußen, außerhalb des Zaunes, aussieht wie ein Kiefernmischwald, entpuppt sich innen drin als Paradies für Tiere und Pflanzen mit vielen unterschiedlichen Lebensräumen auf engstem Raum.
Die Wetterprognosen für diesen Pfingstmontag waren denkbar schlecht: Da war die Rede von durchgängigem Regen bis in den Nachmittag hinein und wechselnden Winden mit Sturmböen. Das bewährte Team vom NABU Burgwedel Isernhagen, dass diese Erfolgsveranstaltung seit vielen Jahren durchführt, hatte sich darauf vorbereitet: Viele Präparate blieben in ihrem Lager im alten Schlauchturm, Nur was Platz unter einem Gartenpavillon hatte, durfte mit nach draußen. Das Informationsmaterial zu vielen verschiedenen Spezialthemen wurde draußen vorsichtshalber mit einer Plane abgedeckt. Befürchtungen, dass an diesem Tag die Besucher wegbleiben würden wegen des Wetters, bewahrheiteten sich aber nicht. Burgwedels und Isernhagens Naturbegeisterte erwiesen sich als wetterfest und auch als Frühaufsteher: Zur ersten Führung um 10.00 Uhr kamen knapp 20 Besucher, es regnete zwar kräftig, aber alle waren entsprechend gekleidet und mit Regenschirmen „auf das Schlimmste vorbereitet“, wie es eine ältere Besucherin mit zweideutigem Humor ausdrückte.
Unterdessen waren Horst Hagenberg, Peter Böer, Wilfried Seidel und Manfred Schumacher damit beschäftigt, letztes Anschauungsmaterial aus dem Vogelschutzgehölz „zu besorgen“: Einer ging zum Tümpel, einen Kescher in der Hand, und schnell waren zwei Molche und einige wenige Kaulquappen ganz kleine Fische, Moderlieschen, zum kleinen Aquarium unter dem Pavillon gebracht. Wilfried Seidel kam mit einer Wasserpflanze im Glas zurück: „Das ist eine Krebsschere“, erklärte er den ersten Besuchern. „Die schaut nur aus dem Wasser heraus mit ihrer weißen Blüte. Der imposante Rest, vor allen Dingen die Blätter, nach denen sie ihren Namen hat, bleibt immer unter Wasser“, erklärte er weiter und hob das Zwei-Liter Einweckglas in die Höhe. „Und schauen Sie mal genau hin, da sind jede Menge Wasserflöhe im Glas“, freute er sich.
Dann begann die Führung mit einer ganz schlechten Nachricht für viele: Horst Hagenberg und Peter Böer teilten den Besuchern mit, dass es nur eingegrenzte Führungen durch ihr Paradies geben wird: „Unser Rohrweihenpärchen brütet in diesem Jahr wieder am Teich“, hieß es zur Begründung. Im Jahr 2008, als diese prächtigen Greife zum ersten Mal hier für Nachwuchs gesorgt hatten, wurde das von den Naturschützern auch so gehandelt. Etwas Abstand zum Weihennest im Schilf und möglichst wenig stören. Lange Erklärungen, was eine Rohrweihe ist, mussten die Naturschützer nicht geben, denn ein Vogel zog mit mächtigem Flügelschlag seine Runden über dem Vogelschutzgehölz, während der zweite sich mit dem eigentlichen Brutgeschäft befasste. Die erste Gruppe hat schließlich noch besonderes Glück und konnte das Turmfalkenpaar, das oben im alten Schlauchturm eingezogen ist, bestaunen. „Könnte man denn oben auf dem Turm nicht ein Storchennest anlegen?“, fragte ein Besucher. Horst Hagenberg und Peter Böer schmunzelten. „Das macht wenig Sinn“, erklärten die beiden, denn der Turm schaue nicht weit genug über die Baumwipfel hinaus. „Der Storch ist ein Segelflieger und braucht freien Anflug, damit er bei jeder Windrichtung auf seinem Nest landen kann“, wusste Hagenberg das Problem zu erläutern.
Dann begann die erste Führung mit Hinweisen auf die Möglichkeiten, die das Vogelschutzgehölz auf engem Raum bietet. Da gab es Erklärungen, mit welchen Mitteln man im eigenen Garten Insekten und Vögeln helfen kann, dass ein Feuchtbiotop schnell zu einem Lebensraum wird für viele Lebewesen, die man sonst eigentlich gar nicht mehr wahrnimmt. So entgegnete eine ältere Besucherin mit gewissem Erstaunen, als sie die Molche im Aquarium sah, sie habe diese Tiere zum letzten Mal lebendig gesehen als Kind vor etwa 70 Jahren.
Dass es während dieser ersten Führung beinahe ununterbrochen regnete, interessierte niemanden dabei. Alle hielten durch bis zum Schluss nach einer guten Stunde, und da warteten schon die nächsten Besucherinnen und Besucher. Insgesamt kamen an diesem Tag 65 Gäste ins Vogelschutzgehölz. deutlich weniger als im Vorjahr, wie es Horst Hagenberg ausdrückte, aber eben trotz des schlechten Wetters immer noch ein sehr gutes Ergebnis.
Der NABU Burgwedel Isernhagen habe schon das ein oder andere Mal überlegt, diese traditionelle Pfingstveranstaltung aus dem Programm zu nehmen, es aber immer wieder verworfen. „Wir werden bei diesem einen Tag der allgemeinen Öffnung unseres Schutzgehölzes bleiben“, sagte Hagenberg. Die Begründung ist einfach: Man schlachtet kein Erfolgsmodell. Die Besucherinnen und Besucher hatten noch eine andere, ebenfalls einleuchtende Begründung parat: „Wenn hier nicht Ruhe herrschen würde übers ganze Jahr, wäre dieses kleine Paradies schnell zerstört“, sagte ein Besucher. „Bei uns am Gartenteich würden auch Teichhuhn, Rohrsänger und Enten brüten, wenn wir nicht ständig im Garten wären“, brachte er es auf den Punkt.