Bei der richtigen Boje rechts ab – Orientierung die größte Schwierigkeit im Wasser

Klatschnasser Massenstart über 1500 Meter: Neopren gegen die Kälte ist nur außerhalb der Wertung des Schwimmverbandes erlaubt. (Foto: Svenja Steinseifer)
 
Vorbei an Boje 1 – im Wasser den Überblick zu behalten ist nicht immer leicht (Foto: Svenja Steinseifer)

Viertes Outdoorschwimmen im Altwarmbüchener See ohne Thomas Lurz

Altwarmbüchen (svs). Kalt – da sind sich alle Starter des Wettkampfes über 1500 Meter einig, während sie frierend den See stürmen. „Das sind 21 Grad – genauso kalt wie am Sonnabend“, sagt Pressewart Steffen Jahn. Generell gestartet werde ab 16 Grad. Die größte Tücke beim 4. Outdoorschwimmen im Altwarmbüchener See sei jedoch nicht die Temperatur gewesen – sondern die Orientierung.
„Unsere Schwimmer trainieren normalerweise im Hallenbad, wo sie auf die Fliesen schauen“, sagt Steffen Jahn, Pressewart des Schwimmclubs Altwarmbüchen, „hier sind sie total desorientiert“. Zum vierten Mal starten die Freiwasserschwimmer im Altwarmbüchener See durch – ohne den mehrfachen Weltmeister Thomas Lurz. „Er hat sich in London einen Infekt geholt und musste krankheitsbedingt absagen“, bedauert der 1. Vorsitzende Eckhard Bade das Fehlen des „Ausnahmeschwimmers“ mit „hohen Imagewerten“ für den Veranstalter Schwimmclub Altwarmbüchen.
„Es ist die einzige Freiwasserveranstaltung dieser Art in Niedersachsen“, betont Bade, „und er kommt hier gerne her“. Das gilt auch für Ute Melzian, die sich zunächst einmal nicht warm schwimmt, sondern joggt. Zum vierten Mal tritt die Rentnerin sowohl beim „Aquarunning“ als auch beim „Volksschwimmen“ über 750 Meter an. „Sie ist eine Meisterschwimmerin in ihrer Altersklasse“, verrät Jahn. Melzian ginge es beim „Aquarunning“ nicht um den ersten Platz und ihren souveränen Sieg erklärt sie so: „Ich habe irgendwie meinen eigenen Rhythmus und bin hinterher gar nicht kaputt“. Beim Schwimmwettkampf hingegen seien „so viele schnelle Jugendliche dabei“.
Auch für Ute Melzian bleibe die größte Herausforderung sich im Wasser zu orientieren. „Wenn sie von einem erhöhten Punkt aus auf die Strecke schauen, sehen sie die Bojen gut“, erklärt Andreas König, „wenn sie im Wasser liegen, sind sie auf einmal weg.“ Knallgelb sind sie und markieren einen Dreieckskurs – zwischen den Bojen dient eine einzige Rote als Orientierungshilfe. Per GPS werden sie ausgerichtet – damit hinterher entfernungstechnisch alles stimmt. Generell stecke hinter der Veranstaltung ein hoher organisatorischer Aufwand, der sich lohnen soll.
„Wir veranstalten hier ein Volksschwimmen und meinen das durchaus ernst“, betont Bade, für den die Resonanz auf den offenen Wettbewerb besser sein könnte, „es geht darum, gemeinsam etwas zu erleben – das ist der Reiz. Hinter den zwar schon guten, aber steigerungsfähigen Anmeldezahlen könne die Befürchtung stecken, sich vor allem mit Schwimmern des Vereins messen zu müssen. „Aber die machen sowas normalerweise auch nicht“, sagt Bade. Am Sonnabend sei einer strikt auf eine falsche Boje zu geschwommen und damit weit vom Kurs abgekommen. Insgesamt sei Eckhard Bade zufrieden mit dem vierten Outdoorschwimmen. „Auch der neu eingeführte Staffelwettbewerb ist gut angenommen worden“.
„Outdoorschwimmen bietet ganz andere Möglichkeiten mit der Natur verbunden zu sein“, findet Triathlet König, Strömungen und Wellen gebe es hier im Gegensatz zum Hallenbad. Und einen Massenstart. „Da muss man sich gut positionieren“, weiß der Sportler, „die Startphase ist eine Rennentscheidende Phase.“ Taktiken helfen beim Wettkampf ebenfalls: „Im Wasserschatten, also hinter einem Konkurrenten zu Schwimmen, spart etwas 20 Prozent Kraft.“
„Ausnahmesportler wie Thomas Lurz schaffen die 5000 Meter unter einer Stunde“, weiß Steffen Jahn. „Ein bisschen mit den anderen gespielt“ habe er im letzten Jahr. Warum er so gern nach Altwarmbüchen komme, liegt für Eckhard Bade nahe: „Hier stimmt einfach alles!“ „Eine Eigentümlichkeit, die das Outdoorschwimmen im Altwarmbüchener See zu etwas Besonderem werden lassen, kennt auch Steffen Jahn: „Der See gehört nur zum Teil zu Altwarmbüchen“, verrät er, „man schwimmt quasi einmal kurz nach Hannover und kommt wieder zurück!“
Die Sieger im Überblick:
2500 m Freistil (Junioren):
Tanita-Ileen Hoppe (16:18,59) Schwimmclub Altwarmbüchen von 2005 e.V
Fjordor Weis (14:12,09) Sportclub Langenhagen e.V
2500 m Freistil:
Natalie Charlos (32:56,13) Swim-Team Elmshorn
Alexander Studzinski (30:05,38) SC Wiesbaden von 1911 e.V
2500 m Freistil Wertung nach Richtlinien des Deutschen Schwimmverbandes:
Marcel Stark (42:47,92) SSF Obernkirchen e. V
Offene Wertung: Teodora König (43:55,00) TSV Vorhalle 1879
Christian Kober (34:49, 58) Swim-Team Elmshorn.
1500 m Freistil:
Tanita-Ileen Hoppe (23:08,28) SC Altwarmbüchen von 2005 e.V
Jan van der Marel (22:40,23) SSF Oberkirchen e.V
5000 m Freistil offene Wertung:
Natalie Charlos (1.07:02,15) Swim-Team Elmshorn
Alexander Studzinski (58:39,73) SC Wiesbaden von 1911 e.V
5 km Freistil Wertung des Deutschen Schwimmverbandes:
Isabel Winkel (1.45:07,50) SV Langenhagen 1971
Marcus Reineke (1.16:57,75) SSF Obernkirchen e. V