Begeisterung über Nachhaltigkeit

Dr. Hendrik Hoppenstedt (2. v. r.) und Rainer Fredermann (r.) informierten sich am Werktisch über die technische Ausstattung bei den Initiatoren des Repair Cafés Dr. Günter Schroeder und Klaus Schubert (3. und 4. v. l.). (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Dr. Hendrik Hoppenstedt besuchte das Repair Café in der Seniorenbegegnungsstätte

Von Bettina Garms-Polatschek

GROSSBURGWEDEL. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Hendrik Hoppenstedt informierte sich über die Initiative „Repair Café“ in der Burgwedeler Seniorenbegegnungsstätte.
Bei der Begrüßung räumte der Staatsminister augenzwinkernd Defizite im technischen Bereich ein: „Meine Frau ist Handwerkertochter, sie kann alles, ich nicht!“ Hoppenstedt, der in Begleitung des CDU-Landtagsabgeordneten Rainer Fredermann kam, hörte in der Gesprächsrunde so einiges aus der Praxis des Repair-Teams, das neben technischen Fähigkeiten auch ein Stück Lebenserfahrung weitergibt.
Über 30 Ehrenamtliche reparieren im Wechsel alle vier Wochen defekte Geräte, die schon älter sind und bei denen sich eine Reparatur normalerweise nicht mehr lohnt. Manchmal genüge nur ein kleiner Kniff, um sie wieder funktionsfähig zu machen, erzählen die Gründer Dr. Günter Schroeder und Klaus Schubert. Neuere Geräte seien häufig auf eine sehr begrenzte Lebensdauer ausgelegt und so konstruiert, dass eine Reparatur durch Laien nicht möglich sei. Auch in so einem Fall schauen sich die Fachleute an, ob noch etwas zu machen ist.
Gasbetriebene Geräte, Elektrik am E-Bike und Verbrenner werden nicht repariert, das sei aus Gründen der Sicherheit nicht machbar, betonen die Initiatoren. Als Konkurrenz zum Fachhandel sehe die Initiative sich nicht, da dieser an den Reparaturen von alten Geräten ohnehin nichts verdienen könne. 215 Reparaturen seien im vergangenen Jahr durchgeführt worden, 119 davon erfolgreich und 13 teilweise erfolgreich. Dabei seien die Begegnungen und Geschichten der Besitzer rund um „das alte Schätzchen“ besonders interessant.

Die Wartezeit wird versüßt

In der Regel können die Besucher im Repair Café warten, bis das Gerät kontrolliert und repariert ist. Die Wartezeit wird ihnen zusätzlich versüßt mit Kaffee und Kuchen, den die Frauen aus dem Team selbst backen. Reparatur und Bewirtung sind zwar kostenlos, doch über eine angemessene Spende freuen sich die Aktiven, da im Laufe der Zeit schon einige Spezialwerkzeuge angeschafft wurden. Allerdings gebe es auch Fälle, in denen das Team nichts mehr ausrichten könne, weil Ersatzteile nicht mehr lieferbar seien oder das Gerät „endgültig den Geist aufgegeben“ habe. Die Besucher bekämen dann den freundlichen Hinweis, dass sie das Gerät „guten Gewissens entsorgen können“, so Bernd Wilts aus Bissendorf, der mit seiner Frau Karin Riekers seit 2015 das Repair Café in der Wedemark initiiert und organisiert hat.

Gemeinschaftlichkeit ist entscheidend

Schroeder und Schubert hatten 2017 zu Beginn der Initiative in Burgwedel vor allem „Gemeinschaftlichkeit und Hilfe zur Selbsthilfe“ im Blick. Neben dem sozialen Aspekt gehe es auch darum, der Wegwerfgesellschaft etwas entgegen zu setzen, so die Akteure. „Wir waren damals sehr überrascht von der großen Resonanz“, erklärte Schubert.
Einerseits sei schnell eine Gruppe von rund zwanzig Helferinnen und Helfern zusammengekommen, andererseits habe sich die Initiative auch bei den Bürgerinnen und Bürgern rasch herumgesprochen und sei sehr gut angenommen worden. Das Reparaturteam ist beruflich und altersmäßig bunt aufgestellt. Vom ausgebildeten Handwerker bis zum Professor findet sich alles darin.
„Alles was einen Stecker hat, wird jedoch nur von Fachleuten repariert, die auf Grund ihres Berufes dazu befugt sind“, hält Schubert fest. Ein Mitstreiter im Team ist der syrische Lehrer Azad Shekhe. Er ist über das Helfernetzwerk Isernhagen zum Repair Café in Burgwedel gekommen. Der junge Mann ist froh, dass er dort mithelfen kann.
Sein Spezialgebiet sind Mobiltelefone, die er laut seiner Teamkameraden „mit viel Geschick und ruhiger Hand“ repariert. „Ich fühle mich hier sehr wohl“, sagt Shekhe und freut sich, dass er als Nebeneffekt seine Deutschkenntnisse in diesem Ehrenamt weiter ausbauen kann. Obwohl der technische Bereich eher „männerlastig“ sei, wirft Schroeder lachend ein, gebe es auch Frauen im Team. Zwei von ihnen seien im technischen Bereich tätig, eine kümmere sich um Näharbeiten und drei weitere Helferinnen richteten das Catering aus.

„EU-Richtlinie wäre sinnvoll“

Die Ehrenamtlichen haben jedoch nicht nur die Nachhaltigkeit vor Ort im Blick. Sie ärgern sich schon lange darüber, dass moderne Geräte bei Defekten meist entsorgt werden müssten. Sie seien oft verklebt oder verschweißt, sodass sie sich nicht öffnen ließen und dann erst recht Beschädigungen davontrügen. Hendrik Hoppenstedt nahm aus der Gesprächsrunde den Wunsch an die Politik mit auf den Weg: „Eine EU-Richtlinie für die Industrie, welche die Reparierbarkeit von Geräten garantieren muss, wäre sinnvoll!“