Beamte auf die Schippe genommen

Elfriede Schwarz (Mitte, Hella Seegers) ahnt nichts vom „Geist im Rathaus“ (r., Esther Jacob), der fortan ständig an der Seite von Theobald Müller ist. (Foto: Bettina Garms-Polatschek)

Viermal ausverkaufte Komödie „Der Geist im Rathaus“ sorgte für Lachtränen

Von Bettina Garms-Polatschek

KLEINBURGWEDEL. Wer noch nicht wusste, wie schwer das Leben in deutschen Amtsstuben bisweilen sein kann, bekam bei der Vorstellung der Laienspielgruppe Wettmar einen launigen Eindruck davon.
Die engagierten Darsteller und ihre zahlreichen Helfer hatten mit der Komödie „Der Geist im Rathaus“ am ersten Novemberwochenende wieder einen Erfolg auf die Beine gestellt, der ihnen vier ausverkaufte Vorstellungen bescherte. Sie sorgten auf der Bühne mit allen gängigen Klischees über das deutsche Beamtentum für gute Laune im Veranstaltungssaal des Seniorenpflegeheims Lindenrieck.
Theobald Müller (Wilfried Künstler) und seine Kollegin Elfriede Schwarz (Hella Seegers) haben es schwer im Vorzimmer der Bürgermeisterin. Am Vormittag muss die Zeitung durchgearbeitet werden, damit man es rechtzeitig zur Mittagspause schafft. Theobald fühlt sich gesundheitlich nicht auf der Höhe, denn vom „Lesen der vielen Rundschreiben“ wird ihm ständig schwindlig.
Sein Zustand bessert sich auch nicht, als der grüne Geist der ehemaligen Beamtin Nikola Nachtigall (Esther Jacob) auf den Plan tritt. Sie war fünfzehn Jahre zuvor im Rathaus einem Schlaganfall erlegen und hatte mit dem Kopf vornüber auf der Schreibtischplatte gelegen.
Bemerkt hatten die Kollegen es aber erst drei Tage später, da sie vermuteten, Nachtigall „mache Überstunden“. Seither geistert sie durch das Rathaus und bekommt alles mit, was dort so passiert. Sichtbar ist sie allerdings nur für Theobald, der sich zunehmend damit abfindet, das Gespenst als ständige Begleitung im Amt an der Seite zu haben, obwohl es „nicht in den Verordnungen steht“.
Somit entgeht ihm auch nicht, dass Bürgermeisterin Sieglinde Haselbusch (Susanne Lahmann) gemeinsam mit dem findigen Unternehmensberater Roland Hein (Anton Schaper) den Abriss des Rathauses plant. Die ausgekochte Person will gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem ein Supermarkt auf der frei werdenden Fläche gebaut und eine Fusion mit der Nachbargemeinde eingefädelt werden soll.
Das Amt der Oberbürgermeisterin über die beiden Gemeinden will sie selbstredend übernehmen. Der Berater verspricht sich von dem Bauprojekt eine hohe Provision und winkt der Bürgermeisterin mit einem „günstigen Dienstwagen“. Diese entschließt sich jedoch, besser zehn Euro dafür zu zahlen, damit sie nicht in den Verdacht der Korruption gerät.
Die ganzen Verwicklungen werden durch die mitteilungsbedürftige Putzfrau (Ulrike Bigalke) und zwei dörfliche Klatschbasen (Doris Kunisch und Reni Günther) nicht besser, zumal auch noch die Wahrsagerin Esmeralda (Sandra Kunisch) ihre Fähigkeiten spielen lässt.
Die Komödie in drei Akten von Hans Schimmel spart nicht mit Seitenhieben an die Politiker, die das Volk mit leeren Versprechungen vor der Wahl hinhalten. Das Hauptaugenmerk liegt jedoch auf den deutschen Beamten, die von Theobald mit einem humorvollen Augenzwinkern als „Träger der Nation“ bezeichnet werden, denn diese seien „einer träger als der andere“.