Autorenlesung: „Salomon Finkelstein Häftling 142 340“

Salomon Finkelstein wird nach der Lesung Fragen beantworten. (Foto: Axel Herzig)

Renate Müller De Paoli und Salomon Finkelstein im Kulturkaffee

ISERNHAGEN Am Samstag, den 29. September, um 20.00 Uhr lädt das KulturKaffee Rautenkranz in Isernhagen F.B. zu einer besonderen Bücherlesung ein. Die Autorin und freie Journalistin Renate Müller De Paoli stellt ihr Ende Juni erschienenes Buch „Salomon Finkelstein Häftling 142 340“ vor.
Salomon Finkelstein hat das Konzentrationslager Auschwitz überlebt und 60 Jahre lang darüber nicht gesprochen. Erst ein Schlüsselerlebnis vor fünf Jahren anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz stimmte ihn um. Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski sprach über die Pflicht der Überlebenden, Erfahrungen weiter zu geben. „Er hat mir aus dem Herzen gesprochen“, so Finkelstein später. Er wusste nun, dass er nicht weiter schweigen darf.
In Zusammenarbeit mit Renate Müller De Paoli ist aus den Erinnerungen Salomon Finkelsteins eine bemerkenswerte Biografie geworden, die in Zusammenarbeit von Region und Stadt Hannover in der Hahnschen Buchhandlung erschienen ist. Erscheinungstermin war der 30. Juni, der Vorabend zu Finkelsteins 90. Geburtstag. Die Autorin wird aus dem Werk lesen, Salomon Finkelstein wird anwesend sein und anschließend für Fragen zur Verfügung stehen.
Finkelstein wurde 1922 in der Stadt Lodz in Polen geboren. Er ist heute ein weißhaariger älterer Herr mit stets heiteren braunen Augen und ein geselliger Mensch. Er liebt Geschichten, heißt es, gleichzeitig misstraue er aber dem Erzählen“. Das sei auch ein Grund, weshalb er so lange geschwiegen habe.
„Ich bin nicht so gewandt, dass ich die Dramatik der damaligen Zeit in die heutige übertragen kann“, wird er zitiert, und: „Auschwitz ist nicht darstellbar“. Für sich betrachtet, ein ungewöhnliches Eingeständnis für jemanden, der seit nunmehr fünf Jahren in Schulen über den Holocaust berichtet. Vollkommen normal allerdings für jemanden, der das Grauen erlebt hat. Erst das Wissen um die Grenzen des Erzählens ermutigt dazu, es immer wieder zu versuchen.
Salomon Finkelsteins Martyrium beginnt mit dem Deutschen Überfall auf Polen im Jahr 1939. Mit seiner Familie wird der 17-Jährige in das Getto von Lodz gesperrt. Später muss er als Zwangsarbeiter bei Frankfurt/Oder an der Reichsautobahn mitbauen. 1943 wird er nach Auschwitz deportiert, wo er im Außenlager Buna Fabrikgebäude für die IG Farben erreichten muss. Im Januar 1945 wird er in das KZ Dora Mittelbau bei Nordhausen deportiert. Das Kriegsende erlebt Salomon Finkelstein auf einem der sogenannten Todesmärsche.
Zwei Jahre sei er kein Mensch gewesen, nur eine Nummer, so Finkelstein in seinen Erinnerungen. Er berichtet vom Hunger im Getto, die Menschen seien so schwach gewesen, dass sie sich an den Wänden festhalten mussten. Und von seiner Begegnung mit dem berüchtigten KZ-Arzt Josef Mengele in Auschwitz und auch von dem SS-Dienstgrad, der auf den Schornstein zeigte und sagte: „In die Freiheit kommst Du nur auf diesem Weg“. Und er erinnert sich auch an seinen Freund Abraham Mastbaum, der, als Finkelstein dem Tode nahe auf dem Boden seiner Baracke lag, ans Fenster klopfte und ihm eine Kartoffel anbot.
Die Lesung im Rahmen der LiteraturZeit im KulturKaffee Rautenkranz, Hauptstraße 68 in Isernhagen F.B. statt. Sie beginnt dort am 29. September um 20.00 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt beträgt zehn Euro.