Ausstellung im Rathaus: „Abtauchen“ in fremde Welten

Die Künstlerin Sabine Kinast (Hannover) hier neben ihrem Bild „Slow“ von 2008, stellt den Menschen in der Mittelpunkt ihrer Malerei. (Foto: Anna Kentrath)
 
Anne Prenzler, Kunsthistorikern der Universität Braunschweig, führte bei der Vernissage in die Malerei von Sabine Kinast ein. (Foto: Anna Kentrath)

Kunstverein präsentiert Bilder von Sabine Kinast

GROSSBURGWEDEL (ak). Kaum hat das neue Jahr begonnen, präsentiert der Kunstverein Burgwedel/Isernhagen wieder eine neue Ausstellung im Rathaus der Stadt Burgwedel. Die Reihe der regionalen Künstlerportraits fortsetzend, lud der Verein Freitagabend zur Vernissage der Hannoveraner Künstlerin Sabine Kinast, die unter dem Titel „Abtauchen“ ihre neuesten Arbeiten vorstellte.
Die junge Künstlerin widmet sich seit 2007 freischaffend ausschließlich der Malerei, bildete sich in diesem Bereich in Trier und Salzburg fort. Beruflich kommt sie eigentlich aus dem Bereich der Darstellenden Kunst. Die geborene Berlinerin absolvierte eine Ausbildung in Gesang, Tanz und Schauspiel an der Berliner Schule für Bühnenkunst, war als Sängerin in unterschiedlichen Bands zu hören und ließ schließlich ein Schauspielstudium am Max Reinhardt Seminar in Wien sowie der Hochschule für Musik und Theater Hannover folgen.
Hieraus resultiert vermutlich auch ihre starke Auseinandersetzung mit figürlichen Darstellungen. Menschen, in verschiedenen Positionierungen, mal dominant gegenüber ihrer Umwelt, mal beherrscht von der Umgebung, kennzeichnen ihre Malerei. Kinast setzt sich hierbei mit verschiedenen Bewegungsabläufen auseinander, vom fliegenden Astronauten über Fahrradfahren bis hin zum Balanceakt auf dem Dach. Wie theatrale Inszenierungen muten viele ihrer Bilder an, wenn sie ihre Figuren, stark abstrahiert oder auch deutlich herausgearbeitet, in verschiedenen Wirklichkeiten agieren lässt, wie einer Unterwasserlandschaft, oder am Fuße eines fallenden, sich faltenden Heißluftballons oder in einen abstrakten Strudel aus Farben radelnd.
Anne Prenzler, Kunsthistorikerin an der Uni Braunschweig, führte am Abend der Vernissage in das Werk von Sabine Kinast ein. Der Mensch stehe im Mittelpunkt der Malerei der Künstlerin, so Prenzler, häufig im Aufbruch begriffen, in „Grenz- und Schwebezuständen“. Kinast schaffe es aus eigenen Erfahrungen, aber auch den Medien zu schöpfen, um schließlich daraus „allgemeine Sinnbilder zu entwickeln“. Anhand einer eigenen „Symbolsprache“ schaffe sie beispielsweise das Gefühl des Unendlichen und Ungewissen zu vermitteln, ob im All oder in einer abstrahierten Unterwasserwelt. Die oftmals dargestellten sinnbildhaften Grenzsituationen, erläuterte Anne Prenzler den Besuchern der Vernissage, fordern zur „Begegnung mit uns selbst“ auf, der „spannendsten Reise überhaupt, der Reise ins eigene Unterbewusstsein“.
Besonderes Interesse der Kunsthistorikern weckte des ungewöhnliche Bild mit dem Titel „Goldmarie“, das gewollt eine Assoziation mit dem Märchen der „Frau Holle“ zu lässt, jedoch vielmehr wie im „Goldesel“, das Edelmetall im Erbrechen zu Tage fördere. Die „sehr sprechende“ Körperhaltung der jungen Frau kontrastiere mit der Thematisierung des Krankhaften, der „präzisen Setzung des Goldes auf dem Boden“. Humor und Groteske würden dieses Bild ebenso prägen, wie die Diskrepanz von Eleganz und Ekel, der „neuen Goldmarie“.
Insbesondere in diesem Bild von Sabine Kinast zeige sich, so Prenzler weiter, dass „viel erzählt wird, aber nur anerzählt“, der Betrachter wird eingeladen, „eigene Geschichten“ in den Arbeiten zu sehen.
Die Ausstellung „Abtauchen“ von Sabine Kinast ist bis zum 28. Januar 2011 in den Zeiten Mo/Di 8-17 Uhr, Mi/Fr 8-12,30 und Do 8-18 Uhr im Rathaus der Stadt Burgwedel geöffnet.