Ausstellung „Frauen der Bibel“ wird im Rathaus gezeigt

Judit, wie sie von Hilke Schulz in der Ausstellung präsentieret wird. (Foto: Hilke Schult)

Eröffnung am Dienstag, 2. August um 18.00 Uhr

GROSSBURGWEDEL (hhs). Im Vorfeld des diesjährigen ökumenischen Kirchtages in der Stadt Burgwedel und der Gemeinde Isernhagen präsentieren die beteiligten Kirchengemeinden eine ganz besondere Ausstellung: „Frauen der Bibel - Mutiger Glaube - Mitten im Leben“. Diese Ausstellung ist in besonderem Zusammenhang entstanden und wurde 2006 erstmals öffentlich gezeigt. In der Zeit vom 2. bis zum 30. August wird sie im Rathaus der Stadt Burgwedel zu betrachten sein während der allgemeinen Öffnungszeiten.
Zur Eröffnung am 2. August werden Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt und Vertreter der Kirchen sprechen. Die Veranstaltung beginnt um 18.00 Uhr. Im Verlauf des ökumenischen Kirchentags vom 26. bis 28. August ist noch eine besondere Aktion geplant: Ewa Karolczak, Pastoralreferentin im Katholischen Internationalen Zentrum Hannover, spricht am 27. August um 10.00 Uhr zum Thema „Frauen der Bibel“.
Im Jahr 1995 beteiligte sich die Frauenbeauftragte des Kirchenkreises Hitfeld, Jutta Hertell an einer Ausstellung und bot dabei ein Quiz an mit den Namen und Geschichten von Frauen, die den meisten Besuchern unbekannt waren. Es gab zwar Bilder dieser biblischen Frauen, natürlich keine Portraits im Sinne von Fotografie oder Malerei, aber die gefielen der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Buchholz, Martha Vogelsang, nicht. Wer kannte auch schon die Geschichten, die hinter den Namen Hulda, Lydia oder Pua und Schifra standen? Deswegen bat Jutta Hertell die Malerin Hilke Schult aus Buchholz, diese Quizfrauen zu malen. Diese entgegnete: „Wenn ich einmal Zeit habe...“. Als Hilke Schulz in den Ruhestand gegangen ist, entstanden die ersten sieben Bilder, 2006 acht weitere.
So war die Situation entstanden, dass Geschichten nicht mehr anonym waren, man verband sie mit einem Gesicht, und dieses Erlebnis war beeindruckend. Die Künstlerin und die Initiatorin entschlossen sich, eine Ausstellung daraus zu machen. In ihren Bildern hat die Künstlerin Hilke Schulz den biblischen Frauen ein Gesicht gegeben. Das Eindrucksvolle an ihnen, sie zeigen starke, selbstbewusste Frauen die sich, zum Teil in Extremsituationen, in einer von Männern beherrschten Welt behauptet haben. In ihren Gesichtern können sich heute viele Frauen wieder erkennen.
Jutta Hertell hat daneben für einfühlsame Texte gesorgt, gewissermaßen Meditationen darüber, was die biblischen Frauen heute den modernen Frauen noch sagen können. Jutta Hertell gelingt dabei der Spagat über zweieinhalbtausend Jahre, sie weckt Hoffnungen und Sehnsüchte, rührt an Situationen, die die Frauen heute mit ihren biblischen Schwestern teilen. Die Kombination von Text und Bild fordert auf zum Dialog, und sie ermutigt, etwas davon für die eigenen Lebens- und Glaubenswege mitzunehmen.
Als Beispiel sei „Judit“, eine Frau aus der israelitischen Stadt Betulia in der ersten Hälfte des sechsten Jahrhunderts vor Christus. Der assyrische Herrscher Nebukadnezar II. hatte Jerusalem erobert. Einige Jahre später forderte er die Unterworfenen auf, einen Feldzug zu unterstützen. Die Resonanz darauf ging gegen Null. Der Herrscher schickte seinen obersten Feldherrn Holofernes mit dem Auftrag los, das Gebiet zwischen Persischem Golf und Mittelmeer einer Strafexpedition zu unterziehen, was nichts anderes als einen Vernichtungskrieg bedeutete. Holofernes hatte die Stadt Betulia eingeschlossen und belagerte sie. Judit war eine junge Witwe, ausgesprochen schön, klug, gläubig und wohlhabend. Am 40. Tag der Belagerung verlies sie Betulia mit einer Magd und erreichte das Lager der Assyrer. Um es kurz zu machen, Holofernes verliebte sich in Judit, es folgte ein Gelage, bei dem Holofernes dem Alkohol stark zusprach. Irgendwann zogen sich seine Diener aus dem Zelt zurück, um die beiden allein zu lassen. Der Feldherr schlief ein, und Judit und ihre Magd enthaupteten ihn mit seinem eigenem Schwert. Als die Soldaten Judit und ihre Mittäterin mit dem Feldherrenkopf aus dem Zelt kommen sahen, flüchteten sie kopflos davon. Die beiden Frauen kehrten heim und es war Friede in Israel, solange Judit lebte.
In der kirchlichen Rezeption dieser Geschichte, die keineswegs historisch belegt ist, wird Judit in der Tradition von Mose als Retterin Israels betrachtet. Die Erzählung war früher Teil der Bibel als „Buch Judit“, heute zählt dieses Buch zu den sogenannten „Apokryphen“, Büchern, die nicht in den kanonischen Schriften unserer modernen Bibel aufgenommen wurden. Ein Blick auf die künstlerischen Umsetzung des Themas „Judit“ lässt die Problematik erkennen: Die bekanntesten Umsetzungen der Enthauptung stammen wohl von Michelangelo, Gentileschi und Caravaggio und diese fordern zu ganz unterschiedlichen Interpretationen auf: Von martialischem Freiheitskampf über Anfälligkeit eines Feldherrn für sinnliche Verführung bis hin zu Opferbereitschaft der eigenen Person in Demut.