Auf dem Weg zur mobilen Beratung im ländlichen Raum

(Foto: Renate Tiffe)

Lebensberatungsstelle legte Statistik 2008/2009 vor

ISERNHAGEN FB (ti). Statt eines Jahresberichts, der nur alle zwei Jahre erscheint, legte die Lebensberatungsstelle für Burgwedel, Isernhagen und Wedemark jetzt die Statistik für die Jahre 2008/2009 vor. Sie besagt, dass sich die Zahl der Neuanmeldungen und der Fälle, die aus den Vorjahren übernommen wurden, kaum verändert hat. 712 Anmeldungen waren es 2008 und 698 im Jahr 2009. Bei den Gründen für die Inanspruchnahme einer Beratung lässt sich ein Trend erkennen: Die Schwerpunkte liegen bei den Ehe-/Partner-Problemen und bei der Erziehungsberatung, gefolgt von Geld- und Arbeitsplatzproblemen.
Im Jahr 2009 wurden in den Fällen von Partner- und Erziehungsproblemen 268 bzw. 266 Beratungen nachgefragt, die damit in etwa gleich lagen zu 2008. Bei Geld- und Arbeitsplatzproblemen stieg die Zahl von 176 auf 207. Wenn insgesamt auch Schwankungen zu beobachten sind, so gebe es doch eine anhaltende Inanspruchnahme, eher mit einer Steigerung, erläuterte dazu der Geschäftsführer der Einrichtung, Hans-Jürgen Herrmann. Das weitgefasste Angebot werde von allen gesellschaftlichen Schichten wahrgenommen.
Finanzprobleme betreffen vor allem den Mittelstand. Bei den Suchtproblemen, um weitere Tätigkeitsbereiche anzusprechen, nehmen neben Alkohol und Drogen die Internetspiele zu, etwa wenn Jugendliche nicht mehr am normalen Leben teilnehmen. PC und Fernseher spielen auch in der Erziehungsberatung eine Rolle, wenn Eltern sich fragen, wann deren Nutzung bedenklich wird, was schon im Kindergartenalter beginnt. Elf Suizidfälle gab es in beiden Jahren, die meist Auswirkungen auf ein großes Umfeld haben. Der Fall Enke hat das Thema Depressionen in den Fokus der Öffentlichkeit gebracht.
Nach wie vor kommen die neuangemeldeten Klienten zu jeweils einem Viertel aus den Kommunen Burgwedel, Isernhagen und der Wedemark, der Anteil der Wedemark steigt allerdings. Das restliche Viertel kommt aus einem größeren Umkreis. Die Schwangerschaftskonfliktberatung ist zentral an die Lebensberatungsstelle in Isernhagen FB vergeben worden. Und nicht zuletzt genießt diese einen guten Ruf, der weit in die Region reicht, beispielsweise in der Paarberatung. „Wir sind als niederschwellig bekannt, d.h. kurzfristig und kostenlos erreichbar,“ hatte Herrmann schon vorher die rege Inanspruchnahme begründet.
Bei den drei Kommunen, die gerade ihre finanzielle Unterstützung für die nächsten drei Jahre zugesagt haben, kommt die Ortsnähe hinzu. In jedem der drei Zentralorte, in Großburgwedel, Altwarmbüchen und Mellendorf, unterhält die Lebensberatungsstelle Außensprechstellen, in denen zeitgleich, jeweils donnerstags von 17.00 bis 18.00 Uhr offene Sprechzeiten stattfinden. Auch dort können Beratungstermine telefonisch unter 05139/892828 vereinbart werden.
Eine Anmeldung ist allerdings etwas anderes als eine Beratung, die in der Regel 50 Minuten dauert. Zunächst werden die drängendsten Schwierigkeiten angesprochen, die sich oft in ihrer Problematik überschneiden. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Unser Angebot vorzuhalten ist eine totale Herausforderung“, sagt Gabriele Steinberg, die die Außenstelle in Altwarmbüchen über der Post betreut. Das Abklären vor Ort sei eine wichtige Aufgabe, die manchmal auch in eine kleine Beratung mündet, weiß Reinhard Becker aus Erfahrung, dessen Außenstelle im Mellendorfer Schulamt zur Zeit am stärksten in Anspruch genommen wird. Für die Stelle in Großburgwedel neben der Seniorenbegegnungsstätte ist Hans-Jürgen Herrmann zuständig. Mit ihren Sprechstunden vor Ort komme die Lebensberatungsstelle in Isernhagen einer künftigen mobilen Beratung im ländlichen Raum schon sehr nahe, resümiert er.