„Angekommen“: eine außergewöhnliche Buchpremiere

Herausgeberin Monika Franke im Gespräch mit Kulturwissenschaftlerin Zahra Deilami. (Foto: Renate Tiffe)
 
Sprachwissenschaftlerin und Autorin Maria Eilers. (Foto: Renate Tiffe)

Wie Integration stattfindet – ein Buch, eine Veranstaltung im Amtshof

GROSSBURGWEDEL (ti). Lange bevor das Thema Integration wieder aufgeregte Tagesaktualität bekam, ist in Burgwedel die Idee zu einer Schrift entstanden, welche die Situation vor Ort wiedergibt. Unter dem Titel „Angekommen – Geschichten gelungener Integration“ hat die Gleichstellungsbeauftragte Monika Franke aus ihren täglichen Erfahrungen heraus, die auch die Beratung von Menschen ausländischer Herkunft mit einschließt, ein Buch herausgegeben. In einer gut besuchten Abendveranstaltung im Amtshof wurde es der Öffentlichkeit vorgestellt. Für den musikalischen Rahmen sorgte das Saxophon-Ensemble der Musikschule Isernhagen –Burgwedel.
Im Buch schildern neun Frauen und Männer ganz unterschiedlichen Alters und Herkommens, wie sie in Burgwedel ansässig geworden sind, wie sie leben, welche Einstellungen sie leiten. Da ist die junge Marua aus Syrien, die nicht weiß, wo sie richtig zu Hause ist („hier heißt es, ich komme aus Syrien, dort bin ich aus Deutschland“) für die in der Schule alles „ganz normal“ lief und sich hier gut aufgehoben fühlt. Zur Zeit macht sie eine Ausbildung als Verwaltungsfachangestellte. Da ist Andrej, der mit 24 Jahren aus der Ukraine kam, der, als Elektriker ausgebildet, sich in mehreren Berufen bewährte, dabei die Sprache lernte und jetzt schließlich doch seinen Beruf ausüben kann. Großburgwedel gefällt dem jungen Familienvater, weil es nicht so groß ist. Und da ist Ximena, die quirlige Chilenin, die einen Deutschen heiratete, drei Kinder großzog, und in Fuhrberg eine „gute Basis“ fand. „Man fühlt sich angenommen“.
Verfasst wurden die Texte von der Sprachwissenschaftlerin und Autorin Maria Eilers, die es auf fesselnde Weise verstand, den Zugezogenen die immer gleichen Fragen zu stellen und doch immer andere Antworten zu erhalten, die zum Nachdenken anregen. Auszüge aus dem Buch las Frau Eilers bei der Veranstaltung im Amtshof vor, ausdrucksstark, mitreißend. Ein Buch, das diejenigen gelesen haben sollten, die mit den Zugewanderten sprechen wollen und nicht über sie.
Genau das war das Anliegen von Monika Franke beim Entwickeln von Projekten für das Zusammenleben in der Stadt. Sie wollte keine Defizite und Zahlen auflisten. In dem Buch sollten Menschen sichtbar werden mit ihren Fragen und Problemen, mit ihren Schmerzen und Freuden. Durch Zuhören sollte Empathie entstehen und gegenseitiges Verständnis. Das seien erste Schritte zum Prozess der Integration.
Mit solchen Schritten befasste sich das Referat der hannoverschen Kulturwissenschaftlerin Zahra Deilami. Ausgehend vom Begriff Migrant – migrare = auswandern, einwandern – machte sie deutlich, dass es sich um Menschen handele mit ganz unterschiedlichen Biografien. Auch die Herkunft bedeute nicht viel, vielleicht das Alter, die Bildung, die Religion. Die Migrationsursache spiele eine Rolle. Menschen wollen ganz normale Gespräche führen, meinte sie. Die Vielfalt werde gebraucht.
Unter den 20.500 Einwohnern mit erstem Wohnsitz in Burgwedel leben zur Zeit 820 Ausländer oder Zugewanderte, darunter 340 aus europäischen Ländern, 143 aus der Türkei, 42 aus Russland und 59 aus Jugoslawien sowie weitere aus anderen Nationen. Ihr Anteil ist nicht so hoch wie in anderen Kommunen. Monika Franke sei es gelungen, auf beispielhafte Weise die positiven Aspekte der Migration zu beleuchten, hatte Bürgermeister Dr. Hendrik Hoppenstedt bei der Begrüßung betont. Für die Stadt werde klar, dass sie nicht die Hände in den Schoß legen kann, wenn die vielen Potentiale der Menschen erschlossen werden sollen.
Das Buch ist mit 160 Seiten und festem Einband in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen und ist für eine Schutzgebühr von 5 Euro in der Buchhandlung Böhnert zu erhalten, sowie im Rathaus und in der Stadtbücherei.