Allen Leserinnen und Lesern ein frohes Weihnachtsfest

Gleich mehrere Male am Tag der Heiligen Nacht wird zu Gottesdiensten eingeladen. (Foto: Birgit Schröder)

Gedanken zum Weihnachtsfest von Superintendent Martin Bergau

„Zu Weihnachten kommen meine Kinder.” Wir trafen uns am Käsestand im Supermarkt, eine Nachbarin zwei Straßen weiter. Eine kleine Schlange hatte sich gebildet. Es war Zeit für einige Worte. „da gibt es Käsefondue.“ Sie lachte. „Andere machen das zu Silvester. Aber beim Fondue haben wir einfach mal Zeit, zu reden.“

Die Nachbarin freute sich sichtlich auf diese Tage. Mit Sicherheit bewegte sie schon seit Tagen ihre Pläne für die Zeit, gespannt und wohl auch aufgeregt. Und sie besorgte wirklich ordentlich viel und leckeren Käse.

„Und dann: Ein frohes Fest“, verabschiedete sich beim Weggehen und schob ihren Einkaufswagen weiter.
Frohes Fest. Weihnachten trifft man sich. Unzählige Geschichten, Kabarettreifes vor allen Dingen, sind über missglückte Begegnungen zu Weihnachten in den Familien geschrieben worden. Es ist ja wirklich nicht leicht, selten gewordene Nähe plötzlich zu gestalten, ihr einen Rahmen zu geben. Für Manche ist sie ungewohnt geworden.

Oft sind es gerade die gesteigerten Erwartungen, die Enttäuschungen hervorrufen. Plötzlich soll etwas einfach so gelingen, was im Alltag gar nicht mehr vorkommt, gar nicht mehr „geübt“ wird. Dann kann es emotional auch ganz eng werden.

Doch diese besondere Sehnsucht, dieser tiefe Wunsch nach Nähe, die zu Herzen geht, bleibt. Und das ist gut. Es ist die Spur, die uns mit dem Weihnachtsfest verbindet. Sie ruft Gefühle hervor und verbindet uns selbst mit Erinnerungen, von der eigenen Kindheit her bis zu dem Punkt, wo wir mit unserem Leben jetzt gerade stehen. Sie ergreift uns.

Gott wird Menschen als ein Kind. Seine Eltern sind bald wieder auf der Flucht, und die Heimat tragen sie in ihrem Herzen. Trompetengeschall ertönt nirgendwo. Die Sendungen der Welt werden nicht unterbrochen, wenn sich der Gottessohn ankündigt. So kommt Gott in die Welt. Es ist das Kind im Stall. Über der Geschichte breitet sich bei allem Drama um die Geburt eine spürbare Stille aus, bis sich der Himmel über allen öffnet, der Stern den Weg zeigt.

Bevor sie mit ihrem Einkaufswagen am nächsten Regal angelangt war, drehte sie sich noch einmal um, der ich noch an der Käsetheke stand. „Ach ja, “ schmunzelte sie, „vorher gehen wir natürlich noch in die Kirche.“ Vielleicht hat sie das mit Augenzwinkern zu mir gesagt, weil sie weiß, dass ich in jedem Fall an Heiligabend in der Kirche sein werde.

Doch ich kann es so gut verstehen. Es sind ja die Spuren, die ins Leben hinein erzählt werden: die Weihnachtsgeschichte von der Geburt. Und die Melodien der Lieder, in denen sich schon viele Generationen fanden. Sie freuten sich darin, sie ließen sich auch trösten. Jung und Alt.
Es wird wieder Weihnachten. Gott kommt zu uns. Er wird Mensch, denn Gott hat uns zuerst geliebt. Dem will das Fest mit seiner besonderen Atmosphäre nachspüren. Und die Kirchentüren stehen weit offen, gleich mehrere Male am Tag der Heiligen Nacht, damit wir dies nicht nur in unseren Familien und Freundeskreisen und schon gar nicht nur für uns allein erfahren dürfen, sondern mit einstimmen: „…freue dich, o Christenheit.“

Ein frohes Weihnachtsfest
Ihr Martin Bergau